Cyan AG: Cybersecurity-Spezialist streicht Prognose zusammen

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Der Münchener Cybersecurity-Spezialist Cyan hat umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Die Aktie brach daraufhin ein. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Auf der Hauptversammlung des Münchener Cybersecurity-Spezialisten Cyan AG im Juni hatte es sich schon angedeutet: Das Unternehmen befinde sich in einer strategischen Neuausrichtung – hieß es dort.

Der Begriff „Neuausrichtung“ klingt zwar im ersten Moment recht positiv. Was aber genau mit dieser Neuausrichtung gemeint ist, gab das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung bekannt.

Massive Restrukturierungsmaßnahmen geplant

So teilte der Vorstand mit, dass der Cybersecurity-Anbieter umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen wie Kostenreduzierung, Verkauf von Geschäftsbereichen sowie eine Barkapitalerhöhung zur Finanzierung der Repositionierung plane.

Ziel dieser Maßnahmen sei es, die Cyan AG auf den wachstumsträchtigen Bereich Cybersecurity für Telekomunternehmen zu fokussieren und mit den bestehenden sowie den in der Pipeline befindlichen Kunden einen nachhaltig erfolgreichen Neustart zu schaffen.

Cyan im Kurzporträt

Bevor ich aber näher auf den geplanten Umstrukturierungsprozess und seine Folgen eingehe, möchte ich Ihnen das Münchener IT-Unternehmen kurz vorstellen. Cyan ist laut eigenen Aussagen ein führender, weltweit aktiver Anbieter von intelligenten IT-Sicherheitslösungen und Telekom-Services mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der IT-Industrie.

Die Hauptgeschäftsbereiche des Unternehmens sind Cybersecurity-Lösungen für Endkunden von Mobil- und Festnetzinternetanbietern, virtuellen Mobilfunkanbietern sowie Banken und Versicherern. Aktuell hat die Unternehmensgruppe weltweit mehr als 50 Kunden, über die Produkte von Cyan an mehr als 50 Mio. Endkunden vertrieben werden.

Weiterer Umsatzeinbruch für 2021 erwartet

Laut Mitteilung des Unternehmens werden die zuvor bereits rückläufigen Umsätze in diesem Jahr weiter zurückgehen. So wurden in 2020 sehr hohe Einmalumsätze erzielt, die im Geschäftsjahr 2021 voraussichtlich nicht wiederholt werden können. Zudem kommen trotz der neuen Abschlüsse im Cybersecurity-Bereich die Umsätze langsamer als erwartet zum Tragen.

In seiner gestrigen Mitteilung hat der Cyan-Vorstand seine Anfang des Jahres getroffene Umsatz- und Gewinnprognose weiter zusammengestrichen und geht zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einem Umsatz zwischen 10 und 14 Mio. Euro aus. Damit dürfte der diesjährige Umsatz nur noch bei etwa der Hälfte des Vorjahreswerts von 25,4 Mio. Euro liegen.

Nach Bekanntgabe der Umsatzprognose brach der Kurs der Cyan-Aktie gestern um 33% ein. Heute ging der Ausverkauf weiter. Innerhalb der vergangenen 12 Monate hat das Cyan-Papier sogar um rund 68% an Wert verloren.

Sie sollten daher momentan einen großen Bogen um die Cyan-Aktie machen. Erst wenn es deutliche Anzeichen dafür gibt, dass die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen greifen, kann das Papier für Turnaround-Investoren eventuell wieder interessant werden.

IT-Sicherheits-Branche grundsätzlich sehr spannend

Abschließend noch ein paar Worte zur IT-Sicherheits-Branche im Allgemeinen: Ich finden diese Branche sehr spannend und sehe dort sehr großes Potenzial. Aber auch innerhalb einer wachstumsstarken Branche ist Stock Picking wichtig.

So hat beispielsweise mein IT-Sicherheits-Favorit aus Deutschland, die Secunet-Aktie (die sich auch seit längerer Zeit in meinem Börsendienst „Mittelstands-Depot“ befindet, in den vergangenen 12 Monaten um satte 121% zugelegt, während die Cyan-Aktie um bereits besagte 68% eingebrochen ist.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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