Cybersecurity-Firma Mimecast wechselt für 5,8 Milliarden Dollar den Besitzer

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Nächster Hammer-Deal in der Cybersecurity-Branche: Mimecast wechselt für 5,8 Milliarden Dollar den Besitzer. Finanzinvestor Permira schnappt sich nächsten Sicherheitsspezialisten (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Das Übernahmekarussell dreht sich weiter auf Hochtouren. Mit 5,18 Billionen Dollar hat das Volumen für Käufe und Fusion in 2021 schon jetzt global einen neuen Rekord erreicht. Bislang lag der Jahresrekord (2007) bei 4,61 Billionen Dollar. Und die hohe Aktivität geht in die nächste Runde: Gerade hat der Finanzinvestor Permira eine Offerte für den Cybersecurity-Spezialisten Mimecast auf den Tisch gelegt – Kostenpunkt 5,8 Milliarden Dollar.

Die Transaktion wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 abgeschlossen. Allerdings müssen dazu noch die Zustimmung der Mimecast-Aktionäre und die Genehmigung der Aufsichtsbehörden eingeholt werden.

Barofferte mit überschaubarem Aufschlag

Mit dem Deal setzt sich die Übernahmeaktivität im Bereich der Bekämpfung von Cyberkriminalität ungebremst fort. Bereits im Frühjahr hatte das auf Softwarefirmen spezialisierte Private-Equity-Haus die Cybersicherheitsfirma Proofpoint für 12,3 Milliarden Dollar geschluckt. Im vergangenen Monat vereinbarte eine Investorengruppe (der auch Permira angehörte) die Übernahme des Cybersicherheitsriesen McAfee für mehr als 14 Milliarden Dollar.

Jetzt kauft der Finanzinvestor Permira den auf E-Mail-Sicherheit spezialisierten Proofpoint-Konkurrenten Mimecast. In Summe legt Permira 80 Dollar je Aktie in bar auf den Tisch. Insgesamt kommt Mimecast damit auf einen Firmenwert von 5,8 Milliarden Dollar. Bezogen auf den Aktienkurs vor der Übernahme liegt der Aufpreis bei 7%.

Sollte die Übernahme erfolgreich sein, soll Mimecast von der Börse genommen und die Notiz eingestellt werden.

Mimecast mit breitem Kundenportfolio

Hinter Mimecast steckt eine Firma, die sich auf die Bekämpfung von Cyberrisiken fokussiert hat. Das 2003 gegründete Unternehmen bietet eine beliebte Cybersicherheitsplattform an, mit der Unternehmen ihre Mitarbeiter vor bösartigen E-Mails schützen können. Die Plattform blockiert Spam und Spear-Phishing-Nachrichten, bei denen versucht wird, Menschen vorzugaukeln, dass sie von einem Bekannten kontaktiert werden. Sie erkennt auch bösartige Anhänge, einschließlich Malware, die so genannte Zero-Day-Software-Schwachstellen nutzt, die Cybersecurity-Forschern nicht bekannt sind. Insgesamt besteht das Portfolio aus mehr als 39.000 Geschäftskunden.

Expansion in angrenzende Bereiche

Darüber hinaus vertreibt Mimecast ein Tool namens Safe Phish für die Schulung von Mitarbeitern in Bezug auf bewährte Verfahren der Cybersicherheit. Es ermöglicht der IT-Abteilung eines Unternehmens, das Cybersecurity-Know-how der Mitarbeiter zu testen, indem sie ihnen harmlose Versionen von Spear-Phishing-E-Mails sendet, die in echten Hacking-Kampagnen verwendet werden.

Auf dem Backup-Markt ist Mimecast ebenfalls aktiv: Dort bietet der Konzern Produkt an, mit dem Unternehmen geschäftliche E-Mails archivieren und wiederherstellen können, wenn die Originalkopien nicht mehr vorhanden sind.

Mimecast mit soliden Wachstumsraten

Mimecast hat in jedem der letzten vier Quartale ein jährliches Umsatzwachstum von 17 % oder mehr erzielt. Im letzten Quartal kletterte der Umsatz um 20% auf 147,23 Millionen Dollar. Beim Gewinn konnte der Konzern 27,7 Millionen Dollar beziehungsweise 40 Cent je Aktie die Erwartungen der Analysten (34 Cent je Aktie) deutlich übertreffen.  Zuletzt erwirtschaftete Mimecast etwa 20% seines wiederkehrenden Umsatzes mit Kunden, die mehr als 5.000 Nutzer haben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der durchschnittliche Auftragswert des E-Mail-Sicherheitsanbieters um 15 %.

Für das Gesamtjahr 2022 stellt die Konzernführung einen Umsatz zwischen 589,9 und 593,6 Millionen Dollar in Aussicht. Damit zahlt Permira das 9,3 Fache der erwarteten Erlöse.

Der Aktienkurs zog nach dem Übernahmeangebot auf 79,30 Dollar an und notiert damit nur minimal unter dem Angebotsniveau.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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