Ericsson-Aktie: Telekomausrüster stärkt Cloud-Geschäft mit Milliardenzukauf

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Der Telekomausrüster Ericcson stemmt die größte Übernahme der Firmengeschichte: Mit der Vonage-Übernahme soll das lukrative Cloud-Geschäft ausgebaut werden. (Foto: ESB Professional / shutterstock.com)

Die Meldung war ein Paukenschlag. Der schwedische Telekomausrüster Ericsson will den US-Konzern Vonage schlucken. Mit 6,2 Milliarden Dollar wäre der Zukauf der bislang größte Deal in der Firmengeschichte des Konzerns. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Mit der Übernahme des Cloud-Telefonie-Anbieters soll ein milliardenschwerer Markt erschlossen werden.

Die Anleger reagierten gemischt. Während die Aktien von Ericsson (-5%) erst einmal den Rückwärtsgang einlegten, schossen die Papiere von Vonage deutlich um mehr als 20% in die Höhe.

Ericsson-Firmenboss vollzieht Strategieschwenk

Bislang wollten sich die Schweden eigentlich auf ihr unmittelbares Kerngeschäft rund um Netztechnik fokussieren. Mit dem geplanten Vonage-Zukauf nimmt Ericsson nicht nur einen richtig großen Schluck aus der Pulle, sondern weicht diese Strategie auch wieder auf.

Für Ericsson ist es nicht der erste Deal: Im September vergangenen Jahres hat sich der Konzern den in den USA ansässigen Hersteller von 4G-/5G-Multifunktionsroutern Cradlepoint für 1,1 Milliarden Dollar einverleibt. In 2019 übernahm Ericsson das Geschäft mit passiven Mobilfunkantennen des deutschen Herstellers Kathrein für eine ungenannte Summe. Die Sparte beschäftigt 4.000 Menschen und erwirtschaftet einen Großteil des Umsatzes.

Ericsson blättert 6,2 Milliarden Dollar auf den Tisch

Für Vonage legt Ericsson eine Offerte von 21 Dollar je Aktie in bar auf den Tisch. Damit kommt das Objekt der Begierde auf einen Firmenwert inklusive Verbindlichkeiten von 6,2 Milliarden Dollar. Bezogen auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung enthält das Angebot einen Aufschlag von 28%, bezogen auf den Dreimonats-Durchschnittskurs beträgt die Prämie 34%.

Vonage punktet mit großer Kundenbasis…

Ericsson will sich mit der Übernahme einen neuen Wachstumsmarkt erschließt: Vonage bedient laut eigenen Angaben bereits 120.000 Kunden, darunter auch den DAX-Konzern Bayer. Zudem zählt die Cloud-basierten Kommunikationsplattform mehr als eine Million Entwickler. Dank dieser können Entwickler zum Beispiel Chatfunktionen oder Videocalls in ihre Anwendungen und Produkte integrieren, ohne eine eigene Back-End-Infrastruktur oder Schnittstellen programmieren zu müssen.

Experten erwarten in diesem Bereich hohe Wachstumsraten. Bis 2025 soll der Weltmarkt für derartige Anwendungen jährlich um 30% auf 22 Milliarden Dollar wachsen.

….und 1,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz

Im vergangenen Jahr erzielte der Pionier der Internettelefonie einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Dollar. Damit legt Ericsson das 4,4-Fache des Jahresumsatzes auf den Tisch.

Im abgelaufenen dritten Quartal erwirtschaftete Vonage 358 Millionen Dollar Umsatz und damit 13% mehr als im Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 51 Millionen Dollar nach 42 Millionen Dollar im Vorjahr. Die EBITDA-Marge konnte entsprechend um einen Prozentpunkt auf 14% gesteigert werden.

Ericsson peilt hohe Synergien an

Nach Abschluss des Zukaufs will Ericsson Synergien von rund 400 Millionen Dollar bis 2025 realisieren. Ab 2024 soll sich die Übernahme positiv auf den Gewinn je Aktie von Ericsson auswirken. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Schweden innerhalb des ersten Halbjahres 2022.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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