Pinterest: Wie es nach dem Kursrutsch weitergeht

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Pinterest-Aktie: Schwächelndes Nutzerwachstum schickt Aktie des Bilderdienstes auf Talfahrt. Monetarisierung des Geschäftsmodells nimmt dennoch weiter Fahrt auf (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Die Aktie der Fotoplattform Pinterest ging zum Jahresbeginn regelrecht durch die Decke und markierte bei 89 Dollar ein neues Rekordhoch. Damit erreichte der US-Bilderdienstes zeitweise einen Börsenwert von 55 Milliarden Dollar. Kräftig steigende Nutzerzahlen und eine deutlich angefachte Nachfrage bei den Werbekunden hatten die Stimmung unter den Anlegern angeheizt und den Glauben daran gestärkt, dass die Monetarisierung des Geschäftsmodells Form aufnimmt.

Inzwischen ist allerdings wieder etwas Ernüchterung eingekehrt. Nach Vorlage der jüngsten Zahlen sackte der Pinterest-Kurse beinahe ein Fünftel in den Keller. Die Papiere notieren mit 60 Dollar deutlich von den Höchstkursen aus dem Frühjahr entfernt.

Was ist passiert? Wie steht es um die Zukunft des Bilderdienstes und was erwarten die Analysten von der Aktie?

Pinterest im Portrait

Pinterest ist ein sozialer Internetdienst im Bereich Foto-Hosting. Über die Plattform (online oder App) können Benutzer Bilder hochladen, diese in Kategorien und bestimmte Themen einteilen und mit anderen Benutzern teilen. Auf diese Weise haben User die Möglichkeit, Interessantes, Inspirierendes oder Nützliches auf ihrer virtuellen Pinnwand zu speichern und mit Kommentaren zu versehen oder auf Pinnwänden anderer Nutzer zu entdecken.

Derzeit nutzen weltweit über 450 Millionen Menschen monatlich Pinterest, um in über 175 Milliarden Inhalten aus diversen Themengebieten wie Kochen, Reisen, Hochzeit, Feste, Mode, Inneneinrichtung, Garten, Sport u.v.a. zu suchen.

Wachstum bei den Nutzerzahlen schwächt sich ab

Pinterest ist im Jahr 2010 als Ideenkatalog gestartet und konnte innerhalb kürzester Zeit Rekordnutzerzahlen vermelden. Bereits in 2012 zählte das Unternehmen 30 Millionen Nutzer. Im zurückliegenden Quartal (Q2 2020) waren es dann bereits 454 Millionen Nutzer. Das sind zwar 9% mehr als im vergleichbaren Vorjahresquartal, aber 24 Millionen weniger als im Vorquartal. Zumal die Analysten im Vorfeld der Zahlen mit 484,4 Millionen Nutzern gerechnet hatten.

Die Verteilung der Nutzer ist beeindruckend: Mit 91 Millionen monatlichen Nutzern stammen nur 20% aus den USA.

Pinterest als Corona-Profiteur – Internationale Umsätze ziehen kräftig an

Im zweiten Quartal konnte Pinterest besser abschneiden als erwartet: Der Umsatz schoss förmlich um 125% auf 613,2 Millionen Dollar in die Höhe. Obwohl nur gut ein Fünftel der Nutzer aus den USA stammen, war der Heimatmarkt für 78,3% der Umsätze respektive 480 Millionen Dollar verantwortlich. Stärkeres Wachstum zeigte allerdings das internationale Geschäft, das ein Umsatzplus von 227% auf 133 Millionen Dollar erreichte (vs. USA +107%). Mit den Ergebnissen konnten die Analystenschätzungen um 51 Millionen Dollar übertroffen werden.

Monetarisierung beginnt langsam zu greifen…

Einen gewaltigen Sprung machte Pinterest beim bereinigten Gewinn (EBITDA). Stand hier im Vorjahresquartal ein Verlust von 34 Millionen Dollar in den Büchern, erwirtschaftete Pinterest im zurückliegenden Quartal immerhin ein EBITDA von 178 Millionen Dollar. Das lag massiv (um 88 Millionen Dollar) über den Erwartungen der Analysten. Die bereinigte EBITDA-Marge erreichte damit 29%.

Die deutlich höhere Profitabilität macht sich auch im durchschnittlichen Umsatz pro Kunde (ARPU) bemerkbar, der sich deutlich erhöhte: In den USA erzielte der Bilderdienst einen Umsatz pro Kunde von 5,08 Dollar (+103% zum Vorjahr), international zogen die Umsätze pro Kunde sogar um 163% auf 0,36 Dollar an. So erfreulich die Verbesserung ist, von den Erträgen des großen Netzwerkriesen Facebook (in Q2 ARPU 53,01 Dollar in den USA) ist Pinterest noch Lichtjahre entfernt.

Kursziele der Analysten gehen signifikant auseinander

Mit den vorgelegten Zahlen konnte Pinterest die Erwartungen deutlich übertreffen. Enttäuschend entwickelte sich hingegen das Nutzerwachstum, das durch die Corona-Pandemie zuvor eine Art Sonderkonjunktur erfahren hat und nun an Dynamik verliert. Das hat auch Einfluss auf die Einschätzungen der Analysten. Von 29 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 16 zum Kauf der Papiere. 12 Experten stufen die Aktie als Halteposition ein, während ein Analyst eine Verkaufsempfehlung ausspricht. Die Kurszielspanne reicht von 40 bis 100 Dollar, wohingegen das durchschnittliche Preisziel mit 72 Dollar rund 20% über dem aktuellen Kursniveau liegt.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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