Satellitenbetreiber Viasat will sich britische Inmarsat schnappen

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Viasat will sich die britische Inmarsat für 7,3 Milliarden Dollar schnappen: Die Mega-Übernahme schafft den weltgrößten Betreiber geostationärer Satelliten. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Das US-Unternehmen Viasat hat den Kauf des britischen Konkurrenten Inmarsat im Wert von 7,3 Milliarden Dollar in trockene Tücher gebracht. Die Übernahme erfolgt zwei Jahre nach der Privatisierung von Inmarsat im Wert von 3,4 Milliarden Dollar durch ein Konsortium aus Apax Partners (Großbritannien), Warburg Pincus (USA) und zwei kanadischen Pensionsfonds. Mit der Übernahme will Viasat sein Angebot an satelliten- und landgestützten Kommunikationsdiensten erweitern.

Die Anleger reagierten zuerst skeptisch. Der Viasat-Kurs brach nach der Übernahmemeldung deutlich von 67 auf zwischenzeitlich 51 Dollar ein, bevor eine Gegenbewegung einsetzte.

Viasat – der Spezialist für satellitenbasierte Breitband-Internetzugänge

Viasat ist ein US-amerikanischer Anbieter von Satelliten-Breitbanddiensten und gesicherter Netzwerke für militärische und kommerzielle Zwecke. Zudem arbeitet das Unternehmen mit dem britischen Verteidigungsministerium und bietet Satellitentelefonie und Satelliteninternet.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei Viasat Umsätze von 2,25 Milliarden Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Nettogewinn von 3,69 Millionen Dollar.

Mega-Deal stärkt Marktposition

Nun schaltet der kalifornische Satellitenbetreiber in den Angriffsmodus. Geplant ist der Kauf der britischen Inmarsat für 4 Milliarden Dollar. Davon sollen 850 Millionen Dollar in bar und etwa 3,1 Milliarden Dollar in Viasat-Aktien fließen. Zudem sollen Schulden in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar übernommen werden.

Damit kommt es zu einer deutlichen Verschiebung der Kräfte. Immerhin soll aus der Transaktionen der weltgrößte Betreiber geostationärer Satelliten hervorgehen.

Reichweite wird deutlich ausgebaut

Inmarsat bietet mobile Satellitendienste, die E-Mail-, Internet- und Videokonferenzen sowie WLAN an Bord unterstützen. Der Konzern hat 14 Satelliten im Orbit und plant, weitere sieben zu starten, und lieferte dem Verteidigungsministerium Satellitendienste, um die Bodenkommunikation für die in Afghanistan kämpfenden Truppen zu verbessern. Wachstumschancen sehen Analysten unter anderem im Geschäft mit Breitband-Internet für Flugreisende.

Inmarsat wurde 2019 von Investoren übernommen, die versprachen, dass die Wurzeln des Unternehmens fest in Britannien verankert bleiben würden, und eine Reihe von Investitionen vorschlugen. Viasat hat versprochen, diese Pläne einzuhalten und Einrichtungen in Australien und Kanada sowie in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und dem asiatisch-pazifischen Raum auszubauen.

Viasat und Inmarsat erwarten, aus ihrer Fusion 1,5 Milliarden Dollar an Synergien zu realisieren und gehen davon aus, dass das kombinierte Unternehmen einen kombinierten Umsatz von über 4 Milliarden Dollar erzielt. Zugleich soll ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,4 Milliarden Dollar erreicht werden.

Regierung will ein Wörtchen mitreden

Der Deal ist der jüngste, bei dem ein britisches Unternehmen, das eine Schlüsselrolle für die britische Wirtschaft und nationale Sicherheit spielt, von ausländischen Konkurrenten oder Private-Equity-Firmen übernommen werden soll. Der Käufer Viasat bezeichnet die Transaktion als transformativ für die globale Kommunikationsbranche.

Angesichts der Art des Geschäfts von Inmarsat kann die Transaktion im Rahmen des National Security and Investment Act 2021 überprüft werden. Dahinter verbirgt sich eine Gesetzgebung zum Schutz wichtiger nationaler Vermögenswerte vor ausländischen Übernahmen.

Wettbewerb nimmt zu

Eins steht aber schon fest: Der Wettbewerb nimmt zu. Hatten Viasat und Inmarsat den Satelliten-Breitbandmarkt jahrelang weitgehend für sich allein, zieht nun mit Elon Musks Starlink und der von Amazon.com geplanten Konstellation von 7.774 Satelliten neue Rivalen ins Feld. Zumal auch andere Akteure – darunter das britische Unternehmen BT – planen, in den kommenden Jahren Tausende weiterer Breitband-Satelliten in die Umlaufbahn zu schicken.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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