UiPath-Aktie nach Zahlen unter Druck

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UIPath: Pionier der Prozessautomatisierung nach Geschäftszahlen deutlich unter Druck. Wachstum über Erwartungen, aber verhaltene Prognose verdirbt den Anlegern die Laune (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Kaum fünf Monate ist es her, als der Börsenneuling UiPath den Sprung auf das Parkett wagte. Dieser fiel fulminant aus: Der Hersteller von Automatisierungssoftware brachte seine Aktien zu 56 Dollar das Stück auf den Markt, doch dieser Kurs war schnell passe. Innerhalb der ersten vier Handelswochen schnellte der Kurs in der Spitze bis auf 90 Dollar in die Höhe. Damit lag der Börsenwert zeitweilig bei beinahe 50 Milliarden Dollar.

Doch inzwischen ist die Euphorie, zumindest vorübergehend, etwas verflogen. Zuletzt rutschten die Papiere nach Vorlage der Geschäftszahlen zweistellig ins Mius. Damit notieren die Papiere mittlerweile wieder mit 56 Euro auf dem Niveau des Börsengangs.

Pionier der Prozessautomatisierung

UiPath hat eine Plattform für sogenanntes Robotic Process Automation (RPA oder RPAAI) für Geschäftskunden entwickelt. Hierbei werden Prozesse durch sogenannte Softwareroboter (Bots) erlernt und automatisiert ausgeführt. Das Unternehmen nutzt dabei künstliche Intelligenz, um sich wiederholende und routinemäßige Back-Office-Aufgaben zu automatisieren.

Diese Aktionen umfassen unter anderem das Einloggen in Anwendungen, das Extrahieren von Informationen aus Dokumenten, das Verschieben von Ordnern, das Ausfüllen von Formularen und das Aktualisieren von Informationsfeldern und Datenbanken. Beispiele aus der Praxis während der Coronakrise sind etwa Krankenhausregistrierungen oder die Bearbeitung von Kreditanträgen.

Auch intern setzt der Konzern seine smarte Software ein: Laut eigenen Angaben haben die Softwareroboter im letzten Jahr den 3.000 Mitarbeitern mehr als 306.000 Stunden manuelle Arbeit abgenommen. Das sind beinahe 40.000 Acht-Stunden-Arbeitstage.

Zu den Rivalen von UiPath gehört anderem Automation Anywhere, Blue Prism, aber auch Enterpreise Software-Konzerne wie Microsoft und SAP versuchen sich stärker auf diesem Gebiet zu etablieren.

Analysten erwarten hohes Marktwachstum

Dieses Robotik-Segment gilt unter Experten als ausgesprochen spannend. Laut den Analysten von Forrester dürfte das Marktvolumen in 2020 bei 17 Milliarden Dollar gelegen haben und bis 2024 auf 30 Milliarden Dollar ansteigen. Diese Ansicht teilen auch andere Experten: So zitierte UI-Path im Börsenprospekt die Analysten der International Data Corporation. Die Experten erwarten Wachstumsraten von 16% pro Jahr und ein Marktvolumen von mehr als 25 Milliarden Dollar in 2024. Die Analysten von P&S Intelligence rechnen in Summe damit, dass sich das Marktwachstum bis 2030 um jährlich 36% erhöht.

Der Konzern selbst beziffert in seiner aktuellen Firmenpräsentation das potenzielle langfristige Marktvolumen auf über 60 Milliarden Dollar.

UiPath Software wird bei Kunden immer populärer

Wie stark UiPath zuletzt wachsen konnte, zeigen die jüngsten Zahlen: Das Unternehmen verfügt derzeit über mehr als 9.100 Kunden. Allein im zurückliegenden Quartal wurden über 1.600 Neukunden gewonnen.

Vor allem Großkunden spielen eine entscheidende Rolle: 1.247 Kunden haben Verträge mit einem jährlichen Vertragsvolumen von über 100.000 Dollar. Bei 118 Kunden beträgt das Vertragsvolumen sogar mehr als 1 Millionen Dollar pro Jahr.

Umsatzdynamik lässt etwas nach

Im letzten Quartal erzielte UiPath eine Umsatzsteigerung von 40% auf 195,52 Millionen Dollar. Das lag 8,8 Millionen Dollar über den Erwartungen der Analysten, aber von der Wachstumsdynamik unter dem Niveau des Vorquartals (+64,7%).

Gleichzeitig erhöhte sich der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) um 60% auf 726,5 Millionen Dollar. Erfreulich: Die sogenannte Net Retention Rate lag bei 144%. Das bedeutet, dass UiPath mit seinen Bestandskunden immer mehr Umsatz macht.

Unter dem Strich weiter in der Verlustzone

Auf Grund höhere Marketing- und Vertriebskosten erhöhte sich der operative Verlust von 17,03 auf minus 97,82 Millionen Dollar. Am Ende stand ein Nettoergebnis von -100,03 Millionen Dollar (Vorjahr: – 4,99 Millionen Dollar) in den Büchern.

Für die kommenden Monate setzt Firmenboss Daniel Dines voll auf Expansion: Die Investitionen sollen nach oben geschraubt und die Anzahl der Mitarbeiter massiv aufgestockt werden. Beim jährlich wiederkehrenden Umsatz peilt Dines zum Jahresende 876-881 Millionen Dollar an. Damit wurde die ursprüngliche Prognose von 850 bis 855 Millionen Dollar nochmals leicht angehoben.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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