Veoneer: Kehrtwende im Bietergefecht um schwedischen Automobilzulieferer

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Chip-Spezialist Qualcomm gewinnt Bietergefecht um schwedischen Automobilzulieferer Veoneer: Qualcomm hat vor allem die Software für autonomes Fahren im Visier. (Foto: Olivier Le Moal / shutterstock.com)

Eigentlich schien die Übernahme des schwedischen Automobilzulieferers Veoneer durch den kanadisch-österreichischen Rivalen Magna International schon in trockenen Tüchern. Die Kanadier wollten für den Spezialisten für Automobilsicherheitstechnologie 3,8 Milliarden Dollar beziehungsweise 31,25 Dollar in bar für jede Veoneer-Aktie auf den Tisch legen. Das Angebot enthielt eine Übernahmeprämie von immerhin 57%. Doch jetzt ist die Fusion auf der Zielgeraden geplatzt.

Der US-Chipdesigner Qualcomm grätscht beim Endspurt dazwischen und übertrumpft die Magna-Offerte deutlich. Magna tritt als Konsequenz den Rückzug an und verzichtet auf ein Gegenangebot. Die Veoneer-Aktie zog deutlich an und notiert mit knapp 36 Dollar nur noch leicht unter dem neuen Angebotsniveau.

Wer hinter Veoneer steckt

Bevor wir auf das neue Angebot von Qualcomm näher eingehen, möchte ich Ihnen das Objekt der Begierde erst einmal näher vorstellen: Veoneer ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Automobiltechnologie mit Sitz in Stockholm, Schweden. Die Schweden entwerfen und entwickeln hochmoderne Software, Hardware und Systeme für den Insassenschutz sowie fortschrittliche Fahrassistenzsysteme.

Das Produktportfolio umfasst Fahrzeugradar, Mono- und Stereokameras, Nachtfahrassistenzsysteme, fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, elektronische Steuergeräte, Airbag-Steuergeräte, Crash-Sensoren, elektronische Steuergeräte für Sicherheitsgurtstraffer und ADAS-Software für hochautomatisiertes Fahren und autonomes Fahren. Der größte Kunde ist nach eigenen Angaben der Stuttgarter Autobauer Daimler, Veoneer liefert beispielsweise ADAS-Software und Radar-Technik für die S-Klasse.

Das Unternehmen entstand 2018 als Spin-off der Autoliv Inc., eines schwedisch-amerikanischen Herstellers automobiler Sicherheitssysteme. Veoneer beschäftigt aktuell etwa 7.500 Mitarbeiter in 11 Ländern. Im Jahr 2020 belief sich der Umsatz auf 1,37 Milliarden Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag unterdessen bei 263 Millionen Dollar.

Qualcomms versüßte Offerte führt zum Erfolg

Nun hat Qualcomm das Magna-Angebot signifikant übertrumpft und 37 Dollar je Aktie geboten. Damit bewertet Qualcomm das Veoneer-Geschäft mit 4,5 Milliarden Dollar. Die neue Offerte liegt 18% über dem alten Angebot des kanadischen Bieterrivalen. Leisten kann sich der US-Konzern den Deal allemal. Zum Ende des zweiten Quartal verfügte Qualcomm über 7,3 Milliarden Dollar an flüssigen Mitteln. Da die Fusion mit Magna platzt, ist aber eine Vertragsstrafe von 110 Millionen Dollar fällig. Diese wird Veoneer an Magna leisten.

Qualcomm hat Software für autonomes Fahren im Visier

Das Angebot stammt übrigens von der Private-Equity-Gesellschaft SSW Partners, die von Qualcomm neu gegründet wurde. Nach Abschluss der Transaktion wird SSW Partners das gesamte ausstehende Aktienkapital von Veoneer erwerben und kurz darauf das Arriver-Geschäft (Software für autonomes Fahren) an Qualcomm verkaufen und den Rest behalten.

Der Hintergrund: Der Chipkonzern arbeitet mit Veoneer unter der Marke Arriver bei Fahrerassistenzsystemen bereits seit Anfang des Jahres zusammen. Qualcomm will Arriver nun in sein eigenes Fahrerassistenzsysteme-Geschäft eingliedern. Damit will sich der Chipkonzern im Wettbewerb um ADAS-Plattformen stärker aufstellen und den Rivalen wie Intel oder Nvidia Paroli bieten.

Die Geschäftsbereiche „Restraint Control Systems“ und „Active Safety“ bleiben bei SSW, die nach „langfristigen strategischen Partnern“ für die Felder suchen und das bestehende Geschäft sichern wollen.

Automobilgeschäft rückt in den Fokus

Durch die Übernahme erhält das Automobilgeschäft bei Qualcomm erheblich mehr Gewicht. Dabei kennen sich beide Firmen gut und haben bereits eine Partnerschaft zur Entwicklung hochautomatisierten Fahrens gegründet. Erste Anwendungen sollen im Jahr 2024 auf den Markt kommen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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