Western Digital: Gerücht um 20 Milliarden Dollar schwere Übernahme macht die Runde

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Western Digital lässt die Gerüchteküche brodeln: Spekulationen um 20 Milliarden Dollar schwere Fusion lassen die Anlegerherzen höher schlagen (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Die Gerüchteküche brodelt wieder hoch. Dieses Mal geriet wieder einmal der Halbleitersektor ins Visier der Spekulanten und führte zu stärkeren Kursausschlägen bei der Aktie des Speicherspezialisten Western Digital. Das im Regelfall gut informierte “Wall Street Journal” berichtete über angeblich fortgeschrittenen Gesprächen mit dem japanischen Konzern Kioxia Holdings. Ein Pappenstiel wäre der Zusammenschluss keineswegs – immerhin könnte eine Fusion 20 Milliarden Dollar auf die Wage bringen.

Führend bei Datenspeicherlösungen

Bevor auf den möglichen Deal kommen, möchte ich Ihnen erst einmal die Kontrahenten näher vorstellen: Western Digital entwickelt, produziert und vermarktet Datenspeicherlösungen für Privat- und Unternehmenskunden, Regierungen und andere Organisationen.

Das Produktportfolio umfasst Festplatten (HDD), Solid-State Drives (SSD), Direct-Attached-Storage-Lösungen und Cloud Network Attached Storage-Lösungen. Die Produkte werden unter den Markennamen HGST, WD und G-Technology vertrieben. Aufgrund regulatorischer Anforderungen betreibt das Unternehmen sein Geschäft seit 2012 über die beiden unabhängigen Tochtergesellschaften HGST und WD.

Deal würde globalen Speichermarkt kräftig durcheinanderwirbeln

Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dann steht der US-Konzern kurz vor einer milliardenschweren Fusion mit dem japanischen Konzern Kioxia Holdings. Die Gespräche sind offenbar weit fortgeschritten und könnten bis Mitte September abgeschlossen werden. Spekulationen zufolge soll die Transaktion mit Western Digital-Aktien finanziert werden und der Vorstandsvorsitzende David Goeckeler soll Chef des kombinierten Unternehmens bleiben.

Allerdings dürften bei einem Zusammenschluss vor allem auch die beteiligten staatlichen Regulierungsbehörden ein Wörtchen mitreden wollen. Immerhin wäre das kombinierte Unternehmen in etwa so groß wie der Technologiekonzern Samsung. Daher ist fraglich, ob die japanischen Behörden den Kauf durch ein ausländisches Unternehmen einfach durchwinken werden.

Kioxia erwägt verschiedene Optionen

Dem Journal zufolge ist ein Abschluss nicht garantiert, da Kioxia auch einen Börsengang in Erwägung gezogen hat oder sich mit einem anderen Unternehmen zusammenschließen könnte. Bislang befindet sich das Unternehmen zum Großteil im Besitz des Private-Equity-Unternehmens Bain Capital.

Kioxia ist 2017 durch die Abspaltung von Toshibas Chip-Sparte entstanden, damals bezahlte ein Konsortium rund 18 Milliarden Dollar. Rund 40% der Firma sind immer noch in Toshiba-Besitz. Ebenso hält der Plattenhersteller Hoya mit rund 10% größere Anteilspakete.

Heute ist das Unternehmen vor allem in der Produktion von NAND-Flash-Speicher stark und belegt laut Trendforce hinter Samsung in diesem Geschäft den zweiten Rang mit rund 19% Marktanteil, noch vor Western Digital mit rund 15%.

Western Digital im Wachstumsmodus

Auch ohne eine mögliche Übernahme liefen die Geschäfte bei Western Digital zuletzt ausgesprochen gut. Im zurückliegenden Quartal gingen Umsätze von 4,92 Milliarden Dollar durch die Bücher (+14,7% vs. Q2 2020). Am Ende erzielte der Speicherspezialist einen Gewinn von 622 Millionen Dollar. Das lag massiv über dem Vorjahresniveau von 148 Millionen Dollar.

Ob der Kioxia-Deal wirklich zustande kommt, wird sich erst noch zeigen. Die Übernahmeaktivität im Chip-Sektor dürfte aber ungeachtet dessen weiter hoch bleiben.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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