Ipsen bietet Aufschlag von 144% für Epizyme-Aktie

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Der Kursverfall von kleineren Technologieunternehmen hat auch die Biotechnologiebranche voll erwischt. Das zeigt seine Wirkung. Die Übernahmeaktivität ist zuletzt deutlich angesprungen. Finanzstarke Pharma-Konzerne nutzen ihre prall gefüllten Kassen, um auf Einkaufstour zu gehen und ihre Forschungspipelines zu stärken. Jetzt hat der französische Pharma-Riese Ipsen zugeschlagen und eine Offerte für den Krebsspezialisten Epizyme auf den Tisch gelegt.

Ipsen Group – Familienunternehmen mit Tradition

Bevor wir zur Übernahme kommen, möchte ich Ihnen erst einmal den Käufer näher vorstellen: Die Ipsen Group ist ein französisches Unternehmen mit Firmensitz in Paris. Das Unternehmen ist im Familienbesitz der Familie Beaufour. Das 1929 in Dreux, Frankreich, gegründete Unternehmen entwickelt und vermarktet seit mittlerweile 90 Jahren innovative Spezialpharmaka in drei therapeutischen Bereichen: Onkologie, Neurowissenschaften und seltene Krankheiten.

Durch Ipsens Engagement im Bereich Onkologie konnte das Portfolio an bedeutenden Therapien für die Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs, Leberkrebs, neuroendokrinen Tumoren, Nierenzellkarzinom und Pankreaskarzinom erheblich erweitert werden. Ipsen vertreibt weltweit mehr als 20 Präparate in 115 Ländern bei direkter Handelspräsenz in 34 Ländern.

Die Vision von Ipsen ist es, die Gesundheit und Lebensqualität von Patienten deutlich zu verbessern. Gemäß dem Unternehmensleitsatz „Innovation for Patient Care“ ist es Ziel von Ipsen, jedes Jahr mindestens ein neues Medikament oder eine bedeutende Indikationserweiterung auf den Markt zu bringen.

Ipsen bietet 144% Kursaufschlag für Krebsspezialisten Epizyme

Nun streckt Ipsen die Fühler nach dem Krebsspezialisten Epizyme aus und hat eine Offerte auf den Tisch gelegt: Ipsen bietet 1,45 Dollar je Aktie und zuzüglich ein bedingtes Wertrecht von einem Dollar. Ohne die Komponente ist Ipsen bereit, einen Aufschlag von 144% auf den durchschnittlichen Schlusskurs der letzten 30 Tage zu zahlen. Der Marktwert von Epizyme liegt entsprechend bei 247 Millionen Dollar.

Der Verwaltungsrat von Epizyme stimmte einstimmig für die Übernahme. Zudem schloss sich der größte Aktionär des Unternehmens, Royalty Pharma PLC, mit einem Anteil von 21%, dem Angebot angeschlossen. Ipsen rechnet damit, dass die Fusion im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein wird.

Ipsen mit 200 Millionen Dollar Cash-Position

Das 15 Jahre alte, in Massachusetts ansässige kommerzielle Biopharma-Unternehmen meldete im Jahr 2021 einen Umsatz von 37,4 Millionen Dollar, wobei 30,9 Millionen Dollar auf das Krebs-Medikament Tazverik entfielen. Das Medikament ist in den USA zur Behandlung von bestimmten Lymphomen zugelassen.

Im ersten Quartal 2022 erzielte das Biotech-Unternehmen mit dem Mittel Nettoerlöse in Höhe von überschaubaren 8,7 Millionen Dollar. Unter dem Strich fiel ein Quartalsverlust von 55 Millionen Dollar an. In der Bilanz schlummert weiterhin eine Cash-Position von knapp 200 Millionen Dollar.

Übernahmen stehen bei Ipsen hoch im Kurs

Für Ipsen ist es nicht der erste Deal. Zuletzt waren die Franzosen intensiv auf Einkaufstour. Ipsen hat seit letztem Sommer eine Reihe von Deals abgeschlossen: mit Exicure im Wert von bis zu 1 Milliarde Dollar, mit BAKX Therapeutics für 14,5 Millionen Dollar und mit IRLAB für bis zu 363 Millionen Dollar. Im Dezember letzten Jahres wurde zudem bekannt, dass Ipsen mit Genfit eine Partnerschaft für ein Krebsmedikament eingegangen ist.

Verglichen zum Jahresumsatz von Ipsen (2021: 3,38 Mrd. Euro) ist der Epizyme-Beitrag vernachlässigbar. Aber Ipsen wittert Potenzial: Das Medikament ist das erste in einer Klasse von Therapien, die Krebs behandeln, indem sie auf ein bestimmtes Enzym abzielen, das für das Tumorwachstum entscheidend ist. Aber seit der FDA-Zulassung im Jahr 2020 erzielte das Präparat nur einen überschaubaren Umsatz. Ipsen muss nun zeigen, dass es den Umsatz des Produkts in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt für follikuläre Lymphome nachhaltig steigern kann.