Pfizer lässt Impfstoffaktien erzittern

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Der jüngste Forschungserfolg von Pfizer setzte zuletzt die Impfstoffaktien unter Druck. Aber die Impfstoffe werden nach wie vor gebraucht. (Foto: peterschreiber.media / Adobe Stock)

Nachdem anderthalb Jahre kein wirksames COVID-19-Medikament entwickelt werden konnte, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Nur wenige Wochen nach Merck & Co hat auch Pfizer eine antivirale Tablette entwickelt, die offenbar noch wirksamer zu sein scheint. In den bisherigen klinischen Studien verhinderte das Pfizer-Medikament zu 89% der Fälle einen Krankenhausaufenthalt.

Impfstoffaktien unter Druck

Die Meldung über den Forschungserfolg von Pfizer sorgte zum Wochenschluss am Freitag nicht nur für einen Kurssprung bei der Aktie von Pfizer, sie setzte auch die Impfstoffaktien unter Druck, die allesamt zwischen 10% und 20% nachgaben.

Die Kursreaktionen bei dem Impfstoffaktien deuten darauf hin, dass Anleger damit rechnen, dass die neue COVID-19-Tablette zu einer geringeren Nachfrage bei Impfstoffen führen wird. Immerhin ist es das erste Medikament, was eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie die Impfstoffe aufweist.

Impfstoffe bleiben die wichtigste Waffe gegen das Virus

Diese Schlussfolgerung scheint mir allerdings nicht zutreffend zu sein. Gesundheitsexperten gehen nach wie vor davon aus, dass Impfstoffe die wichtigste Waffe im Kampf gegen das Coronavirus bleiben werden. Die COVID-19-Tablette wird eher eine Art zweite Verteidigungslinie sein, falls die erste nicht greift.

Denn bei der Einnahme ist vor allem Schnelligkeit gefragt. Nur wenn die Einnahme im Anfangsstadium erfolgt, ist die Wirksamkeit so hoch wie dargelegt. Pfizer hat den Probanden die Tablette in den ersten drei Tagen nach der Ansteckung verabreicht. Das wird in der Praxis nicht immer möglich sein, vor allem dann nicht, wenn die COVID-19-Erkrankung anfangs mild verläuft und sich der Gesundheitszustand des Patienten erst im späteren Verlauf verschlechtert. Eine Impfung gegen COVID-19 bietet also nach wie vor die höchste Sicherheit. Einen vollständigen Ersatz für die Impfung kann die COVID-19-Tablette nicht bieten.

Kursabschläge bei Impfstoffaktien scheinen überzogen

Vor diesem Hintergrund scheinen mir die jüngsten Kursabschläge bei den Impfstoffaktien überzogen. Die Hersteller – allen voran BioNTech und Moderna – werden auch 2022 noch äußerst gute Geschäfte machen. Beide Aktien sind für mich auf dem aktuellen Niveau attraktiv. Allerdings dürfte die Volatilität bei diesen Werten hoch bleiben.

Wer es (noch) etwas spekulativer mag, kann auch ein Auge auf Novavax und Valneva werfen. Die beiden Unternehmen aus den USA und Frankreich setzen auf konventionelle Totimpfstoffe, die voraussichtlich auch in Kürze in Europa zugelassen werden.

Möglicherweise werden diese beiden Impfstoffe zumindest einen Teil der Skeptiker überzeugen, die sich bislang aufgrund der Angst vor den neuartigen mRNA-Impfstoffen nicht impfen lassen wollten. Es wäre jedenfalls wünschenswert, um möglichst schnell aus der Pandemie rauszukommen. Dabei werden auch die COVID-19-Tabletten von Pfizer und Merck & Co helfen.

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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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