Blue Prism: Möglicher Bieterwettkampf lässt Aktie anspringen

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Der US-Softwarekonzern SC&S grätscht bei Übernahme des Automatisierungsspezialisten Blue Prism dazwischen. Wie geht der Bieterwettkampf weiter? (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Eigentlich schien der Deal schon in trockenen Tüchern zu sein, doch jetzt wird es noch einmal richtig spannend. Im September hat der britische Spezialist für Prozessautomatisierung Blue Prism von der Private-Equity-Gesellschaft Vista Equity Partners eine 1,5 Milliarden Dollar-schwere Kaufofferte erhalten. Das Management von Blue Prism unterstützte das Angebot, doch nun grätscht der US-Softwarekonzern SS&C Technologies Holding dazwischen und legt ein Konkurrenzangebot auf den Tisch.

Die Blue Prism-Anleger sind euphorisiert und trieben die Aktie zuletzt um mehr als 10% in die Höhe.

Robotic Process Automation (RPA) – Experten erwarten massive Wachstumsraten

Robotic Process Automation (RPA) ist ein Ansatz zur Prozessautomatisierung, bei dem manuelle Tätigkeiten durch Softwareroboter erlernt und automatisiert ausgeführt werden. Dabei bilden Softwareroboter die Eingaben eines Anwenders auf einer bestehenden Benutzeroberfläche nach. Durch das Nachahmen von Benutzereingaben entfällt das aufwendige Programmieren einer Anwendungsschnittstelle.

Gerade bei operativen Prozessen mit sich wiederholenden Verarbeitungsschritten kann RPA seine Stärken ausspielen, wie z. B. die Automatisierung von 35% der Backoffice-Prozesse bei Telefonica. Durch den vergleichsweise niedrigen Implementierungsaufwand verbunden mit einem hohen Automatisierungspotenzial ist in der Praxis (z. B. Banken, Telekommunikation, Energieversorgung) ein hohes Interesse an RPA vorhanden.

Der Markt wird derzeit von den drei führenden Anbieter UiPath, Automation Anywhere und Blue Prism beherrscht. Laut Forrester wird der Markt für RPA-Software im Jahr 2021 einen Wert von 2,9 Milliarden Dollar haben, gegenüber 125 Millionen Dollar im Jahr 2016.

Blue Prism – einer der Pioniere weckt Begehrlichkeiten

Blue Prism aus Warrington in Großbritannien gilt als einer der Pioniere der Prozessautomatisierung.  Das erste Produkt kam bereits im Jahr 2003 auf den Markt, der Börsengang erfolgte im Jahr 2016. Inzwischen kommen die digitalen Arbeiter des Konzerns in zahlreichen Gebieten, wie zum Beispiel der Erstellung von Gehaltsabrechnungen, Verbuchung von einfachen Finanztransaktionen oder Kontrollaufgaben im Bereich Compliance zum Einsatz. Auch im Bereich Analytik und Berichterstattung bietet Blue Prism Lösungen an.

Aktuell zählt das Unternehmen 2031 Kunden aus über 70 Industrien und 170 Ländern, die die Dienste von Blue Prism in Anspruch nehmen. Dabei zahlen die Top 50 Kunden im Schnitt etwa 1,3 Millionen Pfund pro Jahr. Bekannte Kunden sind besonders Coca Cola, Google, Microsoft, Credit Suisse, SAP, Siemens, Salesforce, Amazon, Salesforce oder auch ServiceNow und Oracle.

Vista Equity Partners mit 35% Prämie für Blue Prism

Nun aber zu den Übernahmeangeboten: Vista Equity Partners bot 1.125 Pence in bar für jede Blue Prism-Aktie. Das entspricht einem Firmenwert von 1,095 Milliarden Pfund  (umgerechnet rund 1,5 Milliarden Dollar). Damit lag der Aufschlag bei 35% auf den Schlusskurs vor den Übernahmeverhandlungen. Bezogen auf den erwarteten Umsatz zahlt Vista Equity Partners rund das 6,5-Fache der für 2021 erwarteten Konzernerlöse.

Rivalisierender Bieter legt eine Schippe drauf

Jetzt kommt aber Bewegung ins Spiel: Der Softwarekonzern SS&C bietet 1.200 Pence pro Aktie in bar. Die Blue Prism-Aktie schoss darauf hin um knapp 10% auf 1.225 Pence in die Höhe.

SS&C ist ein US-Konzern, der sich auf Softwareprodukte für die Finanzdienstleistungs- und Gesundheitsbranche fokussiert hat. Die Produkte ermöglichen es den Kunden, komplexe Geschäftsprozesse zu automatisieren. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern einen Umsatz von rund 5 Milliarden Dollar und einen bereinigten Nettogewinn zwischen 1,31 und 1,33 Milliarden Dollar.

Entscheidung vorerst vertagt

Blue Prism erklärte, dass es die Vista-Übernahme weiterhin unterstützt. Allerdings wird der Konzern dem Interessenten SS&C Zugang zu seinen Büchern gewähren. Die Aktionärsversammlung, die am Freitag über den Vista-Deal abstimmen sollte, ist erst einmal verschoben worden. Damit steht fest, dass das letzte Kapital im Übernahmekrimi noch nicht zu Ende ist.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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