Hexagon: Messtechnik-Riese stemmt Milliardenübernahme

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Hexagon weiter auf Einkaufstour: Schwedischer Messtechnik-Riese setzt mit Milliardenübernahme auf den Siegeszug der Digitalisierung. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Die digitale Revolution nimmt ihren Lauf und setzt sich in immer mehr Geschäftsbereichen durch. Vor allem der Bereich mit Softwarelösungen zur Überwachung von Betriebsabläufen und vorausschauender Wartung gilt unter Experten als hochinteressant. Das scheint die Milliarden-Übernahme, die der schwedische Industrietechnik-Konzern Hexagon gerade bekanntgab, zu bestätigen. Für 2,7 Milliarden Dollar will Hexagon das Enterprise Asset Management-Geschäft des Cloud-Spezialisten Infor schlucken.

Hexagon im Portrait

Bevor wir auf die Details der Übernahme kommen, möchte ich Ihnen den Käufer erst einmal näher vorstellen: Hexagon ist ein schwedischer Hersteller von integrierten Design- und Visualisierungstechnologien sowie Anwendungen im Bereich Messtechnik. Kunden erhalten mit den von Hexagon produzierten Software- und Hardwarelösungen Zugang zu komplexen Datenmengen, die mit entsprechender Konstruktions- und Geodaten-Software visualisiert werden.

Unternehmen aus den Branchen Automobil, Stromversorgung, Luft- und Raumfahrt, Bauwesen, Sicherheit, Industrie und Überwachung profitieren von exakten multidimensionalen Darstellungen, die dazu beitragen, Entscheidungen auf Basis detaillierter Vorgaben zu treffen. Das Unternehmen berichtet seine Tätigkeit in zwei Geschäftsfeldern: Unternehmenslösungen für georäumliche Zwecke und die Industrie.

Hexagon hält über 2.500 aktive Patente. Das Unternehmen ist weltweit in 40 Ländern vertreten. In 2020 kam der Konzern auf einen Umsatz von umgerechnet rund 4,4 Milliarden Dollar und erwirtschaftete eine Gewinnmarge von 16,42%.

Digitalisierung von Wartungsvorgängen

Nun hat Hexagon eine Offerte für die Sparte „Enterprise Asset Management“ (EAM) des Cloud-Technologie-Konzerns Infor auf den Tisch gelegt. Der Deal schafft auch Verbindungen zwischen Hexagon und Koch Industries, dem bisherigen Eigentümer von Infor. So soll die Nutzung von EAM in Kochs Unternehmen erweitert und Cross-Selling-Potenziale zwischen den Kunden gehoben werden.

Zum Hintergrund: EAM von Infor ist eine Software, die von Industrieunternehmen eingesetzt wird, um Anlagen zu verfolgen, Wartungsvorgänge zu digitalisieren und digitale Abläufe zu verbessern. Mit dem Zukauf sieht Hexagon-Chef Rollen das Unternehmen noch besser in der Lage, die digitale Transformation der Kunden voranzutreiben.

2,7 Milliarden Dollar in bar und Aktien

Insgesamt legt Hexagon für EAM 2,7 Milliarden Dollar auf den Tisch. Dabei fließen 800 Millionen Dollar in bar. Der Rest wird in 132,6 Millionen Hexagon-Aktien (basierend auf einem Aktienkurs von 125,73 Schwedischen Kronen) vergütet. Durch die Transaktion, die noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden bedarf, würde der Verkäufer Koch künftig knapp 5% der Hexagon-Stimmrechte halten.

Infor EAM mit kräftigem Wachstum

Auf den ersten Blick scheint der Kaufpreis alles andere als ein Schnäppchen zu sein. Immerhin muss Hexagon mehr als das 14-Fache des erwarteten Umsatz zahlen. Laut Hexagon dürften in 2021 bei EAM rund 184 Millionen Dollar an Umsatz durch die Bücher gehen. Allerdings war die Wachstumsdynamik zuletzt hoch. Trotz Corona-Krise wuchs das Geschäft in den zurückliegenden drei Jahren mit einer jährlichen Raten von durchschnittlich 35%. Hexagon selbst rechnet damit, dass der Zukauf bis 2026 einen zusätzlichen Umsatz von 100 Millionen Dollar einbringen wird.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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