Risikobegrenzung bei Einzelpositionen: So werden Stoppkurse richtig eingesetzt

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Stoppkurse sind ein beliebtes Mittel, um sich vor größeren Verlusten zu schützen. So setzen Sie diese richtig ein. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

„Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen“ – diese uralte Börsenweisheit ist auch heute immer noch eine wichtige Grundlage, um an der Börse erfolgreich agieren zu können.

Aus diesem Grund zählen Stoppkurse – also Kursmarken, bei deren Unterschreitung Sie ein Wertpapier verkaufen – zu den wichtigsten Instrumenten des Risikomanagements.

Risikobegrenzung bei Einzelpositionen: Warum Sie beim Kauf eines Wertpapiers immer einen maximalen Verlust festlegen sollten

Mit Stoppkursen verhindern Sie, zu lange an falschen Entscheidungen festzuhalten.

Besonders in Phasen mit einem lang anhaltenden Abwärtstrend macht sich ihr Einsatz bezahlt.

Die folgende Tabelle verdeutlicht Ihnen, dass es sich nicht lohnt, Verluste ewig auszusitzen.

So hoch muss Ihr Gewinn sein, um vorherige Kapitalverluste bei einem Betrag von 10.000 € wieder auszugleichen:verlust-stoppkurse

Ab 30% Verlust steigt der Gewinn, der notwendig ist, um den Einstandskurs wieder zu erreichen, rapide an. Ein Stoppkurs zur Risikobegrenzung bei Einzelpositionen bewahrt Sie vor dem Schlimmsten.

Sie sehen: Einen Verlust von 10% bis 20% bei einer Einzelposition können Sie locker verschmerzen. Der nachfolgende Gewinn, den Sie brauchen, um diese Verluste wieder auszugleichen, liegt im Bereich des Machbaren.

50% oder mehr Verlust ohne Stoppkurs wären für Sie hingegen weitaus schlimmer und würden die Gesamtperformance Ihres Depots wesentlich stärker in Mitleidenschaft ziehen.

Bei 50% Verlust bräuchten Sie schon eine Kursverdoppelung, um diesen auszugleichen.

Natürlich kann es Ihnen beim Einsatz von Stopp-Strategien auch passieren, dass sich ein Wertpapier nach dem Verkauf wieder erholt. Dies ist dann ärgerlich, aber nicht zu vermeiden. Auf lange Sicht zahlt sich die Risikobegrenzung bei Einzelpositionen aber für Sie aus.

Risikobegrenzung bei Einzelpositionen: Vorsicht vor psychologischer Falle „Verlustaversion“

Bei der Umsetzung der Stopp-Strategie steht vielen Anlegern die Psychologie im Wege. Obwohl der Grundsatz der Verlustbegrenzung durch Stoppkurse geläufig ist, handeln viele Anleger genau umgekehrt.

Statt Risikobegrenzung bei Einzelpositionen zu betreiben, realisieren sie Gewinne zu früh und versuchen Verluste „auszusitzen“.

Mit der Lösung dieses Rätsels beschäftigt sich die Behavioral Finance, ein relativ junger wissenschaftlicher Ansatz, der Psychologie und Finanzwissenschaft miteinander kombiniert.

Er untersucht die  irrationalen, größtenteils unbewussten Verhaltensweisen der Anleger und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Zu den bedeutendsten Erkenntnissen der Behavioral Finance zählt die Verlustaversion.

Das Grundproblem: Viele Anleger können nicht mit Verlusten umgehen. Sie vermeiden es, Verluste zu realisieren, weil der Verkauf des Wertpapiers für sie einem Eingeständnis einer Fehleinschätzung (und damit einer Niederlage) gleichkäme.

Stattdessen hoffen sie (meist vergeblich) darauf, doch noch richtig zu liegen.

Umgekehrt werden Gewinne viel zu früh realisiert, da ihnen das Gefühl des Gewinnens wichtiger ist als die Höhe des Kursgewinns. Zahlreiche Untersuchungen haben das Phänomen der Verlustaversion bestätigt.

Sie führt dazu, dass sich Anleger irrational verhalten. Ihr Handeln wird durch Hoffnung geleitet, der Verstand wird ausgeschaltet.

Das folgende Beispiel verdeutlicht Ihnen die negativen Folgen dieses Fehlverhaltens. Obwohl der Anleger mit seiner Einschätzung beim Kauf in sieben von zehn Fällen richtig lag, weist sein Depot unterm Strich eine negative Performance auf.

Anstatt seine Verluste zu begrenzen, hat er seine Gewinne begrenzt, weil er möglichst viele Einzelpositionen mit Gewinn abschließen wollte.

Die Folge: Die wenigen Minuspositionen bestimmen die Performance des Depots.

Depot eines Anlegers ohne Stopp-Strategie

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Statt die Verluste zu begrenzen und die Gewinne laufen zu lassen, hat dieser Anleger es genau umgekehrt gemacht – ein weit verbreiteter Fehler. Die wenigen Verlustpositionen ziehen das gesamte Depot ins Minus.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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