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Milliarden-Deal wirbelt Tabakbranche durcheinander: Philip Morris will schwedischen Tabak-Konzern Swedish Match für 16 Milliarden Dollar schlucken

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Die letzten Tage wurde es bereits gemunkelt, jetzt ist es amtlich. Der US-Konzern Philip Morris International will sein Angebot an rauchfreien Produkten ausbauen und holt zum großen Schlag aus: Für 16 Milliarden Dollar will sich der Konzern den europäischen Rivalen Swedish Match einverleiben.

Die Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus. Die Swedish Match-Papiere zogen kräftig von 77 auf über 103 Schwedische Kronen an. Ungewöhnlich: Sogar die Aktien des Bieters Philip Morris tendierten in einer ersten Reaktion deutlich fester. Offenbar stößt die neue Diversifikationsstrategie des Tabak-Giganten bei den Investoren auf Gegenliebe.

Philip Morris bietet mit 106 Kronen je Aktie deutlichen Aufschlag

Konkret bietet Philip Morris 106 Kronen je Swedish Match-Aktie. Das entspricht einem Kursaufschlag von 40% zum Schlusskurs vor der Übernahmemeldung beziehungsweise einem Aufschlag von 46,6% auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 90 Tage. Momentan notiert die Aktie mit 103 Kronen aber noch leicht unter dem Niveau des Angebots.

Sollte der Deal durchgehen, dann kommen die Schweden auf einen Unternehmenswert von rund 16 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Börsenwert von Philip Morris liegt derzeit bei rund 155 Milliarden Dollar.

Verwaltungsrat empfiehlt Annahme des Angebots

Die Annahmefrist für das Angebot soll am oder um den 23. Juni beginnen und am oder um den 30. September enden. Der Verwaltungsrat empfiehlt die Annahme des Angebots. Allerdings hat ein Mitglied des Verwaltungsrats von Swedish Match gegen die Übernahme gestimmt, nämlich Pär-Ola Olausson, ein von der Gewerkschaft IF Metall benanntes Mitglied. Olausson sprach sich dafür aus, dass das Unternehmen unabhängig bleiben sollte, wie das Unternehmen mitteilte.

Geschäft mit rauchfreien Produkten sorgt für Rückenwind

Bei den Schweden lief es zuletzt wie geschmiert: In den vergangenen fünf Jahren kletterten die Umsätze von Swedish Match jeweils um durchschnittlich knapp 11%. Besonderer Treiber war das größte Segment „Smokefree“, also der Verkauf von rauchfreien Produkten, die in 2021 zwei Drittel der Erlöse erwirtschafteten.

In diesen Bereich fällt nicht nur die Herstellung und der Verkauf von Snus, sondern auch das vor allem in den USA stark wachsende Geschäft mit Nikotinbeuteln. Dabei handelt es sich um kleine weiße tabakfreie, mit Nikotinsalzen und meist noch zusätzlichen Aromen angereicherte Beutel, die sich die Konsumenten zwischen das Zahnfleisch und die Oberlippe schieben.

Hersteller wie Swedish Match preisen das Produkt als Alternative zu Zigaretten, E-Zigaretten, Verdampfern oder zu Tabak an. In Deutschland sind die Produkte aber noch nicht zugelassen.

Marktführer in den USA

Mit der Marke Zyn sind die Schweden in den USA nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Nikotinbeutel und kommen dort auf einen Anteil von 64,2%. In Summe erzielte Swedish Match im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 605 Millionen Euro in den Büchern, was einer hohen Gewinnmarge von 33,63% entspricht. Für Sie zum Vergleich: Philip Morris strich im letzten Jahr bei einem Umsatz von 31,48 Milliarden Dollar einen Gewinn von 9,1 Milliarden Dollar ein (Gewinnmarge 29%).

Übernahme strategisch sinnvoll

Die Intention des Deals liegt auf der Hand. Philip Morris will neben dem Vertrieb von Zigarettenmarken wie Marlboro, Chesterfield und L&M seine Produktpalette an rauchfreien und weniger gesundheitsschädlichen Tabakprodukten ausbauen. Bis 2025 will der Tabakkonzern 50% seiner Umsätze mit rauchfreien Produkten erzielen. Initiativen in diese Richtung gab es bereits mit der Entwicklung des IQOS-Heiztabaksystes und der Übernahme des britischen Inhalationsgerätehersteller Vectura für eine Milliarde Dollar.

Nicht ohne Risiko

Allerdings ist der Schritt nicht ohne Risiko. Gut möglich, dass die Gesundheitsbehörden in naher Zukunft auch die rauchfreien Produkte wegen erhöhter Gesundheitsrisiken und Suchtgefahr ins Visier nehmen. Zudem dürfte der Schritt auch von der Konkurrenz mit Argus-Augen beobachtet werden. Wie die großen Rivalen wie Altria, British American Tobacco oder Japan Tobacco auf die Transaktion reagieren, wird sich erst noch zeigen. An eine höhere Gegenofferte scheinen die Anleger derzeit aber nicht zu glauben, wie der aktuelle Aktienkurs zeigt.