Behalten Sie Ihre Aktien! Deshalb ist „Sell in May“ Quatsch!

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Die saisonalen Muster im DAX sind sehr unterschiedlich. Eine große Gemeinsamkeit gibt es nur im Oktober, der grundsätzlich als guter Einstieg zu sehen ist. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Sie kennen den Spruch sicherlich. Im Mai sollen wir unsere Aktien verkaufen und im November wieder einsteigen. Denn zwischen Mai und November fallen die Kurse eher und das Geld ist woanders besser aufgehoben. So zumindest die Theorie.

Was sagt die Praxis? Klar, alleine das Jahr 2020 hat gezeigt, dass es Ausnahmen dieser Regel gibt. Hier ging es den ganzen Sommer weiter nach oben. Doch bestätigen nicht Ausnahmen eine Regel? Was sagt denn jetzt die Regel, wenn wir uns den DAX über die letzten 25 Jahre anschauen?

DAX-Saisonalität 1996 bis 2021

Auf Seasonax.com können solche Theorien schnell überprüft werden. Und siehe da: Sell in July wäre angebrachter!

Denn hier sehen wir den durchschnittlichen Verlauf des DAX seit 1996. Es gibt demnach über alle Jahre insgesamt eine eher langweilige Seitwärtsphase von Jahresbeginn bis Ende März. Dann ziehen die Kurse richtig an und machen auch nach dem Mai noch neue Hochs. Mitte Juli ist dann das höchste der Gefühle erreicht und die Kurse purzeln im Durchschnitt wieder auf die Werte von Jahresbeginn! Das ist durchaus eine interessante Randnotiz.

Ab Oktober geht es dann wieder nach oben. Die letzten drei Monate des Jahres machen die gesamte Performance des DAX aus, wenn wir ab Oktober laut der Statistik wieder bei Null starten.

Bonus 1: Nachwahljahre im DAX

Alles ist Statistik – auch wenn wir uns eine bestimmte Gruppe an Jahren anschauen. Nehmen wir von den letzten 25 Jahren, die in die obige Grafik eingeflossen sind nur die Jahre nach einer US-Wahl – sieht das Bild natürlich etwas anders aus.

Hier sind jetzt die Jahre 1997, 2001, 2005, … bis 2021 inklusive. Jedes vierte Jahr nach dem eine Wahl in den USA stattfand. In einem solchen Jahr befinden wir uns jetzt auch. Auch hier gibt es das Hoch eher im Juli als im Mai. Die Kurse fallen aber im Sommer bis Herbst nicht so stark zurück. Hier gibt es im Schnitt nur einen kurzen Rücksetzer ab August. Mitte September sind in der Regel die Konsolidierungen abgeschlossen und es geht weiter nach oben.

Bonus 2: Die geraden Jahre im DAX

Ja, ich weiß, wir sind gerade in einem ungeraden Jahr. Dennoch finde ich die Saisonalität bei geraden Jahren bemerkenswert. Wohl gemerkt über die letzten 25 Jahre auch hier wieder. Die ungeraden Jahre verlaufen eher so wie die Nachwahljahre mit etwas weniger Schwankungen. Doch schauen Sie sich hier einmal alle geraden Jahre ab 1996 an! Das ist schon ein extremer Unterschied zum scheinbar „normalen“ Durchschnittsverlauf. Denn hier sieht es ganz anders aus.

Gerade Jahre hätten mit Sell in May eher Recht, wobei das Hoch hier im Schnitt wohl eher im April zu sehen ist. Danach können Sie den DAX links liegen lassen. In geraden Jahren passiert dann eher Negatives. Der gute Einstieg im Oktober ist aber auch hier zu sehen.

Fazit:

Die saisonalen Muster im DAX sind sehr unterschiedlich. Eine große Gemeinsamkeit gibt es nur im Oktober, der grundsätzlich als guter Einstieg zu sehen ist. Doch ob und wann Sie idealerweise Ihre Aktien zu Cash machen – dafür gibt es keine Musterlösung. Das wird scheinbar jedes Jahr neu ausgewürfelt.

Wer also langfristig investiert sein möchte, verkauft eher nicht, sondern legt lieber jeweils im Herbst nach. So würde immerhin laut der Saisonalität das Portfolio am meisten profitieren.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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