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Dax im Tiefenrausch – Dividenden auf Rekordhoch

Dax im Tiefenrausch – Dividenden auf Rekordhoch
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Inhaltsverzeichnis

Krise? Welche Krise? Blickt man auf die Dividenden, die Dax-Konzerne in diesem Jahr an ihre Anteilseigner ausschütten, könnte man meinen, der deutschen Wirtschaft ginge es blendend.

Dividenden auf Rekordniveau: Dax-Konzerne schütten Milliarden an Investoren aus

Eine Rekordsumme von 51 Milliarden Euro fließt als Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Das Dumme daran: Nicht einmal die Hälfte davon bleibt in Deutschland. Die meisten Dax-Investoren sitzen im Ausland, konkreter in Europa, Kanada und den USA.

Lediglich ein knappes Drittel der Anteile an den Dax-40 halten Anleger aus Deutschland, nur vier Dax-Konzerne liegen mehrheitlich in deutscher Hand: Siemens Healthineers, Hannover Rück, Deutsche Telekom und Beiersdorf.

Neuer Rekord im kommenden Jahr unwahrscheinlich

Doch der Geldsegen, mit dem Aktionäre in diesem Jahr für die erfolgreichen Geschäfte des vorherigen Jahres bedacht werden, könnte der vorerst letzte Rekord sein. In diesem Jahr sieht es für viele Unternehmen deutlich schlechter aus an der Gewinnfront. Das hat in den allermeisten Fällen jedoch weniger mit individuellen unternehmerischen Entscheidungen zu tun, sondern liegt vor allem an der gesamtwirtschaftlichen Großwetterlage.

Die ist nach wie vor geprägt von den Nachwirkungen der Pandemie und weiterhin drohenden Lockdowns in China – Stichwort Lieferengpässe, Materialmangel, Produktionsausfälle – sowie neuerdings durch den Krieg in der Ukraine und dessen vielfältige Auswirkungen. Allen voran: die Inflation, deren Dynamik nicht nur private Verbraucher, sondern auch die Industrie schwer belastet.

Inflation: Steigende Kosten belasten Verbraucher und Unternehmen

Die Kosten steigen, sei es bei der Materialbeschaffung, im Transportwesen, beim Personal oder in Sachen Energie. Gerade die deutschen Exporteure, die auf globale Lieferketten angewiesen sind und in ihren Produktionsstandorten einen erheblichen Energiebedarf haben, werden getroffen. Kleinere und mittelständische Unternehmen stehen nicht selten vor dem Konkurs.

Hektisch legt die Bundesregierung ein Rettungspaket nach dem anderen vor, zurzeit wird mit heißer Nadel an der dritten Entlastungsrunde allein in diesem Jahr gestrickt. Doch alle staatlichen Hilfen wirken lediglich wie ein Tropfen auf den heißen Stein: Einmalzahlungen an Verbraucher sind schnell verpufft, mit den Hilfen für die Wirtschaft wird nur das allerschlimmste abgefedert.

Wirtschaftsforscher: Rezession wohl unausweichlich

Immer mehr Ökonomen sind sich einig, dass eine Rezession in den kommenden Monaten unausweichlich ist – und sich bis weit ins nächste Jahr hinein ziehen dürfte. Mit einer allmählichen Entspannung der Lage wird im besten Fall ab 2024 gerechnet.

Ob Internationaler Währungsfonds, Deutsche Bundesbank, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) oder das Münchener Ifo-Institut – in ihrem Pessimismus sind sich die Experten einig, wenn auch mit nuancierten Unterschieden bei den prozentualen Prognosen. Das Fazit ist überall dasselbe: Es geht abwärts, geradewegs in Richtung Rezession.

Dax seit Jahresbeginn tiefrot

Wie wenig Vertrauen auch Anleger in die Entwicklung haben, lässt sich am Kurssturz der Aktienmärkte seit Jahresbeginn anschaulich beobachten. Der Dax bewegt sich nach jahrelangem Höhenflug mehr als 20 Prozent im Minus, an der Wall Street sieht es nicht besser aus.

Bis ins erste Quartal 2023 hinein sehen Ökonomen wenig Grund zur Hoffnung auf Besserung. Danach wird wohl vieles davon abhängen, wie sich die geopolitischen Verschiebungen künftig auswirken – und wie tief die Schneise der Verwüstung ist, die die Inflation in Europas Wirtschaft und Gesellschaft hinterlässt.