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Dax kann sich Abwärtssog der Wall Street nicht entziehen

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Die zurückliegende Handelswoche stand ganz im Zeichen der Federal Reserve. Die US-Notenbank gab am Mittwoch ihre Entscheidung zur weiteren Zinspolitik bekannt. Im Vorfeld herrschte an den Börsen angespanntes Abwarten.

Fed verkündet Zinsschritt im erwarteten Rahmen

Wie allgemein erwartet, hoben die Währungshüter den Leitzins schließlich um 50 Basispunkte an auf eine Spanne von nunmehr 0,75 bis 1,0 Prozent. In einer ersten Reaktion wurde dieses Vorgehen am Parkett erleichtert zur Kenntnis genommen: Die Kurse an der Wall Street legten am Mittwoch zu, der Dax folgte zunächst im frühen Handel am Donnerstag in die Gewinnzone.

Doch mit erneutem Eröffnen der Wall Street kippte die Stimmung. Die Fed hatte in Aussicht gestellt, dass im weiteren Jahresverlauf mehrere weitere Zinsschritte folgen würden – zugleich aber betonten die Notenbanker, dass auch weiterhin lediglich mit moderaten Anhebungen um jeweils 0,5 Prozent zu rechnen sei.

Anleger fürchten schnellere Straffung

Daran gibt es jedoch augenscheinlich Zweifel unter den Aktionären. Sie befürchten angesichts der nach wie vor galoppierenden Inflation, dass die Fed ihre Geldpolitik noch deutlicher straffen könnte als bisher geplant. Konkret fürchten Anleger Zinsschritte von mehr als 0,5 Prozent auf einen Schlag. Alle Beteuerungen der Fed, solch drastische Schritte aktuell nicht auf der Agenda zu haben, verhallten weitgehend ungehört. Die Kurse an der Wall Street drehten am Donnerstag ins Minus, der Dax folgte in die Verlustzone und konnte diese auch am Freitag nicht verlassen.

Am Freitag gab der deutsche Leitzindex um gut 1,6 Prozent nach auf 13.674 Punkte. Auf Wochensicht verlor der Dax damit rund 3 Prozent. Daran konnte auch die laufende Berichtsaison nichts ändern, obwohl viele Dax-Konzerne stärker als gedacht ins Jahr gestartet sind.

Dax im Minus trotz guter Quartalsberichte

So konnte Volkswagen seinen Gewinn verdoppeln, BMW sein Quartalsergebnis sogar verdreifachen. Auch Airbus punktete mit einer guten Bilanz. Siemens Healthineers konnte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr noch einmal anheben: Anstelle von 3 bis 5 Prozent rechnen man nun mit einer Umsatzsteigerung um 5,5 bis 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei vergleichbarer Basis.

Schlechte Nachrichten gab es unterdessen von Adidas: Der deutsche Sportartikelhersteller korrigierte die Margenprognose nach unten. Vor allem das Chinageschäft macht dem Nike-Konkurrenten aus Herzogenaurach zu schaffen.

China und Ukraine bleiben weiter im Blick

Doch nicht nur für Adidas, auch generell blicken Unternehmen mit Sorge auf das Reich der Mitte. Wegen ebenso strikter wie großräumiger Lockdown-Maßnahmen werden immer wieder Produktionsstätten zeitweise geschlossen. Die ohnehin angespannten Lieferketten geraten damit zusätzlich unter Druck. Materialnachschub wird ebenso knapp wie teuer, die Inflationsdynamik wird weiter befeuert.

Auch der Krieg in der Ukraine facht die Teuerungsrate weiter an und sorgt für große Unsicherheiten am Aktienmarkt – weniger wegen des Standorts selbst, der vor allem mit Blick auf den Export von Getreide und Agrarprodukten von Bedeutung ist, sondern vor allem auch wegen der daraus folgenden wirtschaftlichen Konsequenzen.

Etliche westliche Staaten haben bereits Sanktionen gegen Russland verhängt, Unternehmen haben sich reihenweise vom russischen Markt zurückgezogen, ob oder wann eine Rückkehr möglich ist, steht in den Sternen. Zum Teil weisen schon die Q1-Bilanzen hohe Abschreibungen aus für den kurzfristigen Abschied aus Russland. Die langfristigen Auswirkungen der geopolitischen Neuordnung und die damit verbundenen Risiken sind ebenso wenig absehbar.

Energie wird absehbar teurer

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die ohnehin schon explodierenden Energiepreise weiter steigen dürften – und die Versorgung in Europa keineswegs so sicher garantiert werden kann, wie man es in den vergangenen Jahrzehnten gewohnt war. Ein Kohleembargo hat die Europäische Union bekanntlich schon auf den Weg gebracht, einen Stopp russischer Ölimporte bereitet die Staatengemeinschaft ebenfalls vor.

Russland seinerseits hat ersten EU-Staaten bereits abgedreht: Polen und Bulgarien werden nicht mehr beliefert. Der Ton wird schärfer, die Situation rauer – und anders in der Pandemie ist es diesmal keine gemeinsame Kraftanstrengung gegen ein grenzübergreifendes Virus, sondern ganz klassische geopolitische Konfrontation, die man vor allem im Westen gerne seit 30 Jahren überwunden glaubte.

Neue Konjunkturdaten in dieser Woche: Wie hoch war die Inflation im April?

Die Notenbanken stellt die Gemengelage vor ein Dilemma. Einerseits müssten sie die Zinsen beherzt anheben, um der Inflation entgegenzuwirken. Andererseits birgt jeder Zinsschritt das Risiko, die zaghafte Konjunkturerholung abzuwürgen. Während die US-Notenbank ihre Zinswende bereits im März eingeleitet hat, scheut sich ihr europäisches Pendant noch vor einem solchen Schritt. Frühestens im Juli ist voraussichtlich mit einer ersten Leitzins-Anhebung durch die Europäische Zentralbank zu rechnen.

In der neuen Handelswoche stehen neben weiteren Quartalsbilanzen von Unternehmen in erster Linie Konjunkturdaten auf der Agenda. So werden unter anderem die Inflationsdaten für China, Deutschland und die USA erwartet.

Im März waren die Verbraucherpreise so stark in die Höhe geschnellt wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. In den USA wurde eine Inflationsrate von 8,5 Prozent gemeldet, in Deutschland lag sie bei 7,3 Prozent. Im Euroraum lag die Teuerungsrate mit 7,5 Prozent noch etwas höher. Für die gesamte EU stiegen die Verbraucherpreise im März um 7,8 Prozent.

Zum Wochenauftakt ging es für den Dax weiter abwärts. Bis Montagmittag rutschte der Leitindex erneut um rund 1,1 Prozent ins Minus.