Dramatische Berichte über AstraZeneca – hier irren die Medien

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AstraZeneca hat nach Steuern einen Verlust von gut 1,44 Milliarden Euro erleiden müssen. Das klingt dramatisch - doch die Aktie ist trotzdem im klaren Aufwärtstrend. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

AstraZeneca hat nun Quartalszahlen vermeldet. Die Aktie, so prangte es mir in einer Schlagzeile entgegen, sei „rot“, AstraZeneca schreibt plötzlich Verluste. So funktioniert leider die Medienberichterstattung an den Finanzmärkten oft genug: Die Schlagzeile vermittelt einen Eindruck von diesem Unternehmen und seiner Aktie, der zu korrigieren ist. Ich halte die Aktie für sehr stark und möchte Ihnen gerne die Missverständnisse demonstrieren.

AstraZeneca: Verluste im dritten Quartal

Tatsächlich gab die Aktie im Tagesverlauf 4 % nach. Dies ist allerdings ein Verlust, der absolut verkraftbar ist, kommt AstraZeneca doch von einem Allzeithoch (jedenfalls grob betrachtet). Die negativen Schlagzeilen haben zu einigen Abverkäufen geführt. Sehen Sie sich die Zahlen an.

Das Unternehmen hat nach Steuern einen Verlust von gut 1,44 Milliarden Euro erleiden müssen. Das klingt dramatisch. Die nächste Botschaft zum selben Unternehmen: Der Gewinn je Aktie, auf den zahlreiche Analysten achten, ist um 14 % gestiegen und beläuft sich auf 1,08 Dollar – wenn die Sondereffekte außer Acht gelassen werden. Diese „Sondereffekte“ haben es in sich. Sie begründen die Quartalsverluste.

Sowohl für Forschung und Entwicklung hat AstraZeneca mehr aufwenden müssen als gedacht, als auch für den Vertrieb. Das ist grundsätzlich zunächst weder gut noch schlecht – sondern müsste weiter quantifiziert werden. Forschung kann zu neuen Produkten oder dem Umbau des Corona-Virus führen. Zudem entwickelte AstraZeneca ohnehin ein noch nicht zugelassenes Medikament gegen einen schweren Verlauf der Corona-Erkrankung. Mit anderen Worten: Diese Belastung ist nicht zu bewerten. Vielmehr fällt auf, dass ein US-Biotechnologie-Unternehmen, Alexion, übernommen worden ist – das ist ein Sondereffekt, der die Verluste erklärt.

Umsatz sogar gesteigert

Gerade die Alexion-Übernahme allerdings führte umgekehrt dazu, dass der bilanziell verbuchte Umsatz sich steigerte. Die mittelfristigen Effekte sind derzeit noch nicht seriös einzuschätzen, jedenfalls nicht anhand dieser bilanziellen Vorgänge. Interessanter ist da der Hinweis auf den Umsatz mit dem Corona-Vakzin.

Der Gesamtumsatz belief sich zwischen Juli und September auf fast 9,9 Milliarden Dollar. Dies war eine Steigerung um etwa 50 %. Der Impfstoff soll über 1 Milliarde Dollar beigetragen haben, was etwas weniger gewesen ist als im zweiten Quartal. Das ist allerdings erwartbar, insofern die erste große Impfwelle im 2. Quartal vorgenommen wurde. Insgesamt soll der Konzernumsatz den eigenen Angaben zufolge ohne Berücksichtigung der Corona-Impfung wie bislang kalkuliert im „niedrigen 20%-Bereich“ liegen. Mit der Impfung soll der Umsatz auf einen mittleren bis hohen Bereich im 20%er-Segment steigen.

Die Zahlen ändern sich demnach im Grunde nicht. Die Meldung läuft ins Leere. Die Aktie ist im klaren Aufwärtstrend – und ich halte das Unternehmen für stark. Beachten Sie bitte: Wir haben bereits – wie oben erwähnt grob kalkuliert – das Allzeithoch erreicht.

AstraZeneca: Das ist stark

 

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Von: Janne Jörg Kipp. Über den Autor

Janne Jörg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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