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Konsortium bietet knapp 2 Mrd. Euro für Euromoney

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An der Londoner Börse startete die Aktie des Wirtschaftsinformationsdienstes Euromoney Institutional Investor PLC mit einem wahren Kursfeuerwerk in die neue Woche. Das Euromoney-Papier, das mit einem Kurs von 1.328 britischen Pence in das Wochenende gegangen war, legte am Wochenbeginn phasenweise bis zu 10% zu und stieg auf 1.456 Pence.

Anlass für diese Kursexplosion war – wie könnte es anders sein – die Bekanntgabe einer Übernahmevereinbarung. So gab die in London ansässige Euromoney am frühen Montag bekannt, dass sich das Unternehmen mit einer Bietergruppe rund um die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft Astorg Asset Management S.à r.l. auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt hat.

Bieterkonsortium zahlt bar

Laut Übernahmevertrag bietet das Bieterkonsortium den Euromoney-Aktionären für jede Aktie 1.461 Pence in bar. Unter dem Strich bewertet diese Offerte Euromoney mit gut 1,66 Mrd. britischen Pfund (GBP – entspricht etwa 1,96 Mrd. Euro).

Auch die Übernahmeprämie kann sich sehen lassen. Sie beträgt – bezogen auf den Schlusskurs vom 17. Juni 2022, dem letzten Börsentag vor Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen – stolze 33,5%.

Auf Basis des volumengewichteten 3-monatigen Durchschnittskurses der Euromoney-Aktie vor dem 17. Juni 2022 beläuft sich der Übernahmeaufschlag sogar auf 43,5%.

Hierzu müssen Sie wissen: Am 20. Juni 2022 hatte Euromoney bekannt gegeben, dass das Bieterkonsortium dem Euromoney-Vorstand zuvor vier separate Barangebote unterbreitet hatte, die zwischen 11,75 GBP und 13,50 GBP je Euromoney-Aktie lagen.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Bevor ich Ihnen weitere Details über die mögliche Übernahme gebe, möchte ich Ihnen die beteiligten Unternehmen kurz vorstellen.

Die in London beheimatete Euromoney Institutional Investor PLC ist ein weltweit führender Wirtschaftsinformationsdienst mit einem Fokus auf internationalen Finanz-, Metal- und Rohstoffmärkte. Neben diversen Wirtschaftsdatenbanken und Publikationen veranstaltet das Unternehmen auch Konferenzen und Seminare in den Bereichen Finanz- und Rohstoffmärkte.

Euromoney gliedert sich in drei Geschäftsbereiche: Fastmarkets (Rohstoffpreis-Informationen), Financial & Professional Services (Daten, Markt- und Personalinformationen) und Asset Management (Informationen zur Vermögensverwaltung).

In 2021 erwirtschafteten die etwa 2.500 Euromoney-Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 336,1 Mio. GBP (etwa 397 Mio. Euro) und einen operativen Gewinn (EBIT) von 31,1 Mio. GBP (etwa 36,8 Mio. Euro). Euromoney hat Kunden in mehr als 160 Ländern.

Das Bieterkonsortium wird angeführt durch die in Luxemburg ansässige Astorg Asset Management S.à r.l. Das Unternehmen ist eine weltweit tätiges Private-Equity-Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von 17 Mrd. Euro.

Astorg investiert vorrangig in den Bereichen Gesundheitswesen, Software, Business-to-Business-Dienstleistungen und technologiebasierten Industrieunternehmen. Dabei konzentriert sich auf Astorg auf Marktführer, die hochdifferenzierte Produkte oder Dienstleistungen verkaufen.

Neben Astorg gehört auch das Londoner Private-Equity-Unternehmen Epiris dem Bieterkonsortium an. Auch Epiris hat umfangreiche Erfahrung im B2B-Informationsgeschäft, unter anderem durch die Beteiligung an AXIO, einer Gruppe von 7 Daten-, Informations- und Veranstaltungsunternehmen.

Für die Übernahme von Euromoney hat das Bieterkonsortium eine eigene Übernahmegesellschaft gegründet, die unter der Bezeichnung Becketts Bidco Limited firmiert.

Zustandekommen der Übernahme wahrscheinlich

Wenn Sie in Euromoney investiert sind, werden Sie sich über die gute Übernahmeprämie gefreut haben. Diese wird sicherlich viele Euromoney-Investoren dazu motivieren, ihre Aktien anzudienen. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass die gebotenen 1.461 Pence nah am Allzeithoch der Euromoney-Papiere liegen.

Auch der Kurssprung auf 1.456 Pence, wodurch der Euromoney-Kurs nur noch knapp unterhalb des Übernahmegebots liegt, deutet darauf hin, dass Anleger die Übernahme begrüßen und ein Zustandekommen des Deals als wahrscheinlich ansehen.

Wie es weitergeht

Die beteiligten Unternehmen gehen davon aus, dass die Transaktion im 4. Quartal 2022 abgeschlossen werden kann. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre. Darüber hinaus müssen noch die üblichen behördlichen und kartellrechtlichen Genehmigungen eingeholt werden.

Nach Abschluss der Übernahme soll der Euromoney-Geschäftsbereich Fastmarkets als separate Geschäftseinheit aus der Gruppe ausgegliedert und von Astorg übernommen werden.

Die übrigen Euromoney-Geschäftsbereiche Financial & Professional Services und Asset Management werden unter dem Eigentum und der Kontrolle der Übernahmegesellschaft Becketts Bidco Limited operieren, die mehrheitlich im Besitz und unter der Kontrolle von Epiris sein wird.