Wie Sie über Kredite wissen sollten

Finden Sie in diesem Bereich von GeVestor Wissenswertes und zahlreiche Artikel rund um das Thema Kredite für Privatpersonen. Jetzt informieren!
15 min | Stand 23.12.2021
+++ GRATIS Online-Webinar: Ruhestandsgipfel: Der Millionärs-Effekt - Mit 4€ zum Ruhestandsmillionär | 03.10., 18 Uhr +++
Inhaltsverzeichnis

Kredite von Privat an Privat

So genannte Privatkredite erfreuen sich heutzutage immer größerer Beliebtheit. Das Konzept dahinter ist einfach: beinahe wie bei einem Online-Aktionshaus können Teilnehmer ihre Kreditwünsche und Konditionen feilbieten.

Kredite und die Möglichkeit, Produkte und Dienstleistungen in Raten zu bezahlen, sind in unserer modernen und globalisierten Gesellschaft allgegenwärtig. Gemäß einer Statistik belief sich die Gesamtsumme der in Deutschland ausgegebenen Privatkredite Ende 2019 auf knapp 1,3 Billionen Euro. Unternehmen und Selbstständige verfügten im gleichen Zeitraum über Kreditverbindlichkeiten von mehr als 1,5 Billionen Euro.

Seit einiger Zeit werben Bankinstitute aufgrund der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Minuskrediten, bei denen Verbraucher weniger zurückzahlen müssen, als sie an Verbindlichkeiten aufgenommen haben. Möglich wird dies durch die Tatsache, dass die EZB Gelder ebenfalls kostenlos an Banken verleiht und Spareinlagen mit Strafzinsen belegt. Nicht ausschließlich Privatpersonen und Unternehmen nehmen Kredite auf. Im Rahmen der Corona-Pandemie stiegen die Staatschulden der Bundesrepublik Deutschland auf über 2,2 Billionen Euro.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Kredite grundsätzlich funktionieren, welche unterschiedlichen Kreditarten unterschieden werden müssen und was Kredite kosten. Ebenso geht der Artikel darauf ein, wann es sinnvoll ist, einen Kredit aufzunehmen, in welchen Fällen eine Überschuldung droht und wie Gläubiger verfahren, wenn ein Schuldner seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen kann.

Grundsätzliches zu Krediten – Historie des Kreditwesens sowie Funktion in der Praxis

Der deutsche Begriff Kredit ist abgeleitet vom lateinischen Wort „creditum.“ Das lateinische Wort bedeutet übersetzt: „Das auf Treu und Glauben anvertraute.“ Räumen eine Bank, eine Privatperson oder ein Unternehmen als Kreditgeber einem Schuldner einen Kredit ein, vertraut der Gläubiger darauf, dass das geliehene Geld zurückbezahlt wird. Das Finanzwesen beruht vor allem auf Vertrauen und klaren Vereinbarungen.

Erstmals werden Kredite vor mehr als 5.000 Jahren in Mesopotamien erwähnt. In den Anfängen des Kreditwesens, in denen Münzen und Scheine noch nicht erfunden waren, wurden Sachgüter verliehen. Zum Beispiel konnten sich Bauern Saatgut leihen, um ihre Felder zu bestellen. Nach der Ernte mussten sie dieses Saatgut zusammen mit zuvor festgelegten Zinsen in Form von Saat zurückgeben, das in der Folge erneut verliehen wurde.

Als ungefähr im siebten Jahrhundert vor Christus das erste Münzgeld im antiken Griechenland eingeführt wurde, konnten Zinsen ebenfalls auf Geld und Wertpapiere erhoben werden. Über die Jahrtausende entwickelte sich das Finanzwesen fortlaufend weiter. Nachdem im antiken Rom eine Zinsobergrenze von 12 Prozent eingeführt wurde, verbot die katholische Kirche im Mittelalter Zinsen vollständig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gilt in Deutschland in Verbindung mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch ein einheitliches Zinsrecht.

Kredite in der Praxis – das sind die Grundlagen des Kreditwesens

Zu jedem Kredit gehören im Mindestfall zwei Parteien. Der Kreditgeber oder Gläubiger verleiht eine vorab festgelegte Summe Geld an den Kreditnehmer oder Schuldner. In vielen Fällen ist der Kreditgeber eine Bank, die als professioneller Gläubiger auftritt und Kredite als Geschäftsmodell anbietet. Typische Kreditnehmer sind Privatpersonen, die einen Ratenkredit abschließen oder Unternehmen, die einen Kredit für eine Investition oder einen Kontokorrentkredit als flexiblen Finanzpuffer in Anspruch nehmen.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) definiert plastisch, wie Kredite in der Praxis funktionieren. Im § 488 BGB unter der Überschrift: „Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag“ werden die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Kreditnehmer und Kreditgeber eindeutig zusammengefasst:

  1. Durch den Darlehensvertrag wird der Darlehensgeber verpflichtet, dem Darlehensnehmer einen Geldbetrag in der vereinbarten Höhe zur Verfügung zu stellen.
  2. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen geschuldeten Zins zu zahlen und bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Darlehen zurückzuzahlen.
  3. Die vereinbarten Zinsen sind, soweit nicht ein anderes bestimmt ist, nach dem Ablauf je eines Jahres und, wenn das Darlehen vor dem Ablauf eines Jahres zurückzuzahlen ist, bei der Rückzahlung zu entrichten.

Für jeden Kredit wird, wie im BGB beschrieben, typischerweise ein schriftlicher Darlehensvertrag abgeschlossen. Dieser beruht auf einem Kreditangebot, dass vom Kreditnehmer angenommen wird. Gemäß § 145 BGB ist der Vertragspartner „der einem anderen die Schließung eines Vertrags anträgt, an den Antrag gebunden, es sei denn, dass er die Gebundenheit ausgeschlossen hat.“ Dieser rechtliche Passus bedeutet für die Praxis, dass sich sowohl der Kreditgeber und ebenfalls der Kreditnehmer an einen rechtlich einwandfrei geschlossenen Kreditvertrag und seine Inhalte halten müssen. Verbraucher verfügen bei Kreditverträgen über ein 14-tägiges Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen.

Abweichende gesetzliche Vorgaben zu Verbraucherdarlehensverträgen enthält der § 491 BGB. Als Verbraucherdarlehensverträge werden Kredite bezeichnet, die zwischen einem Endverbraucher und einem Unternehmen als Darlehnsgeber abgeschlossen werden.

Warum die Schriftform beim Kreditvertrag generell die bessere Alternative ist

Grundsätzlich kann zwischen zwei Privatpersonen ein Vertrag für einen Privatkredit mündlich abgeschlossen werden. Ein nicht schriftlich fixierter Kreditvertrag birgt gleichzeitig die Gefahr, dass die Rückzahlung, die vereinbarten Zinszahlungen oder andere Details aufgrund von Missverständnissen nicht korrekt eingehalten werden.

Bei jedem Kreditangebot und Kreditvertrag ist die Schriftform in jedem Fall die bessere Alternative. Ein von beiden Seiten unterschriebener Kreditvertrag mit eindeutig definierten Konditionen macht den Kredit rechtskräftig und gilt bei Problemen und Streitigkeiten als Verfahrensgrundlage. Mündliche Absprachen sind nicht kontrollierbar und können mit langen Rechtsstreitigkeiten und Verlusten für beide Vertragsparteien enden. Verbraucherkreditverträge, die zwischen einer Bank, einem Handelsunternehmen und einer Privatperson abgeschlossen werden, müssen zwingend schriftlich aufgestellt werden.

Diese Informationen sollte jeder Kreditvertrag enthalten

Mit der Vergabe eines Kredits überlässt der Kreditgeber dem Kreditnehmer entweder einen Geldbetrag oder ein Produkt zu einem spezifischen Sachwert. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Kauf eines neuen Autos bei einem Fahrzeughändler. Der Händler und die involvierte Bank überlassen dem Kreditnehmer das Fahrzeug im Rahmen einer Sicherungsübereignung treuhänderisch.

Der Autohändler erstellt ein Kreditangebot für einen Ratenkredit, das alle Konditionen detailliert beschreibt. Kreditgeber und Kreditnehmer unterzeichnen das Angebot im letzten Schritt und sind an die Inhalte und Vereinbarungen gebunden.

Ein Kreditvertrag sollte im Mindestfall die folgenden Angaben enthalten:

  • Informationen zu den Vertragsparteien,
  • Kreditsumme,
  • Auszahlungsbetrag,
  • Sollzinsen,
  • Effektiver Jahreszins,
  • Tilgungsvereinbarung,
  • Alternative Rückzahlungsweise, beispielsweise kostenlose Sondertilgungen,
  • Konsequenzen bei Ratenverzug,
  • Sicherheiten,
  • Gesamtkosten für den Kreditnehmer,
  • Kündigung des Kreditvertrags,
  • Gesetzliche Widerrufsbelehrung.

Wichtig: In der Presse wird fortlaufend von einem sogenannten Widerrufsjoker berichtet. Gemeint ist hiermit nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes, dass Verbraucherkredite wegen fehlerhafter Widerrufsklauseln langfristig widerrufen werden können (Aktenzeichen: C-66/19). Ist die gesetzliche Widerrufsbelehrung in einem Kreditvertrag fehlerhaft, lohnt es sich aus Kreditnehmersicht, einen Vertrag mit unvorteilhaften Konditionen zu widerrufen.

Diese Vorteile schätzen Verbraucher an einem Kredit

Die finanziellen Möglichkeiten von Verbrauchern variieren stark. Trotz der Tatsache, dass das Durchschnittseinkommen und die Gehaltsentwicklung in den letzten Jahren fortlaufend angestiegen ist, klagen viele Menschen über finanzielle Probleme. Ein Kredit kann bei einer angespannten Haushaltslage wichtig sein, um dringend benötige Waren oder Dienstleistungen erwerben zu können. Typische Beispiele sind offene und ungeplante Handwerkerrechnungen, eine Autoreparatur oder andere notwendige Anschaffungen, die den finanziellen Rahmen übersteigen.

Warenhäuser, Banken oder Unternehmen bieten ihren Kunden unterschiedliche Kreditoptionen an. Ein von vielen Verbrauchern genutztes Kreditangebot ist der Ratenkredit.  Benötigt eine Familie zum Beispiel einen neuen Laptop, da das alte Geräte defekt ist und ist der Verbraucher nicht in der Lage, diesen sofort zu bezahlen, kann ein Ratenkredit über 24 oder 36 Monate zielführend sein. Der Kredit ist in diese Fall ein wichtiger Problemlöser. Ähnlich verhält es sich mit einem defekten Fahrzeug, das ohne Reparatur nicht mehr betrieben werden kann.

Viele Kreditangebote locken zusätzlich mit verbraucherfreundlichen Konditionen. Wird der Laptop mit einer 0-Prozent-Finanzierung angeboten, ist das finanzielle Risiko durch die langfristigen Raten überschaubar. Verbraucher und ebenso anbietende Unternehmen schätzen derartige Kreditangebote. Richtig eingesetzt:

  • Erweitern sie den finanziellen Spielraum der Verbraucher,
  • Sind problemlos abzuschließen und
  • Erlauben die sofortige Nutzung eines Produktes bei fixen monatlichen Raten.

Worauf Verbraucher bei Kreditangeboten achten sollten

Trotz der Vorteile sollten Verbraucher grundsätzlich darüber nachdenken, dass jeder Kredit zurückbezahlt werden muss. Aus diesem Grund sollten:

  • Die Güte des Angebots,
  • Die Höhe der Raten,
  • Der Zinssatz und die Zinsen insgesamt sowie
  • Der effektive Jahreszins

in Ruhe kalkuliert werden, bevor das Kreditangebot angenommen wird. Jeder Kredit muss ins Haushaltsbudget passen, um eine Überschuldung zu vermeiden.

Kreditvergleiche im Internet und unabhängige Vergleichsportale können ein wirksames Mittel sein, um Lockangebote zu hinterfragen und einen soliden Kreditvertrag abzuschließen, der seriös ist und das Haushaltsbudget nicht überfordert.

Wie Banken generell an Krediten verdienen

Es liegt auf der Hand, dass Kredite aus Sicht von Banken mehr als Finanzierungsoptionen für Verbraucher und Unternehmen sind. Kredite gehören zu den wichtigsten Bankprodukten und zum Geschäftsmodell jeder Bank. Durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat sich der Kreditmarkt in den letzten Jahren stark gewandelt.

Auf der einen Seite verdienen Banken weniger an ausgegebenen Krediten, da der Durchschnittszinssatz für einen Konsumentenkredit im Jahr 2020 bei unter 6 Prozent lag. Dies bedeutet, dass Verbraucher für Kredite weniger Kapital aufwenden müssen. Auf der anderen Seite nutzen Banken bei der Ausgabe von Krediten die Spareeinlagen ihrer Kunden, die seit Jahren gering verzinst werden. Zusätzlich können sich Geldinstitute bei der Europäischen Zentralbank Geld ebenfalls zum Nulltarif leihen. Dies bedeutet, dass Banken bei der Vergabe von Krediten weiterhin über eine positive Marge verfügen und an Krediten verdienen.

Beispiel: Eine Familie entscheidet sich für einen günstigen Ratenkredit. Sie nimmt einen Netto-Darlehnsbetrag von 15.000 Euro für 48 Monate bei einer Onlinebank auf. Hierfür zahlt sie einen effektiven Jahreszins von 2,99 Prozent. Die Zinsen für 48 Monate betragen insgesamt 920,82 Euro und die monatliche Rate schlägt mit 331,69 Euro zu Buche. Die Bank verdient trotz des geringen effektiven Jahreszinses über 900 Euro mit diesem Kredit.

Würde der Zinssatz aufgrund einer negativeren Bonität der Familie auf 6,9 % angehoben, würde die Zinsbelastung auf 2.138,25 Euro steigen. Statt 331,69 Euro wären 357,05 Euro pro Monat fällig. Die Bank würde bei diesem Kredit über die Gesamtlaufzeit mehr als 2.000 Euro verdienen.

Banken und 0-Prozent-Finanzierung – so bleibt die Marge erhalten

Viele Warenhäuser, Unternehmen und Onlinekaufhäuser locken mit günstigen Kreditkonditionen und bieten über Partner-Kreditinstitute Ratenkredite mit einem effektiven Jahreszinssatz von 0 Prozent an. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass diese Kreditangebote für Banken ein Minusgeschäft darstellen. Kreditinstitute verdienen trotz der nicht vorhandenen Zinseinnahmen durch Provisionen, die sie für den Abschluss des Kreditvertrages vom Verkäufer erhalten. Die Kompensation des Händlers ist schätzungsweise ähnlich hoch wie der entgangene Zinsgewinn. Gleichzeitig gewinnt die Bank einen neuen Kunden, dem im Verlauf der Geschäftsbeziehung weitere Bankprodukte angeboten werden können.

Eine 0-Prozent-Finanzierung bedeutet nicht ausschließlich für die Bank ein gutes Geschäft. Händler nutzen das kostenlose Kreditangebot als Werbemöglichkeit und sprechen neue Kundengruppen an. Hierzu gehören vor allem die Haushalte, die sich Waren oder Dienstleistungen ohne planbare und kostengünstige Raten nicht leisten könnten. Mit entsprechender Werbung, einem simplen Kreditangebot und einem schnellen und unkomplizierten Abschluss können Händler durch 0-Prozent-Kredite ebenfalls partizipieren.

Verschiedene Kreditarten und wie sie sich voneinander unterscheiden

Von Banken, Sparkassen, Bausparkassen und anderen Kreditgebern werden unterschiedliche Kreditprodukte angeboten. Die wichtigsten Kreditarten können wie folgt unterschieden werden:

BezeichnungInformationen zur Kreditart
RatenkreditDer Ratenkredit gilt als das am häufigsten vergebene Kreditprodukt. Er wird ebenfalls als Verbraucherkredit oder Privatkredit bezeichnet. Bei Ratenkredit werden feste Zinssätze über die gesamte Laufzeit vereinbart. Der Kreditbetrag wird in monatlichen Raten getilgt. Zinsen und Tilgung werden gleichzeitig zurückgeführt.Mit dem Kreditangebot kann eine Sondertilgung vereinbart werden, die es erlaubt, das Darlehen vor Ende der Laufzeit abzulösen. In dem meisten Fällen bietet eine Sondertilgung keinen finanziellen Vorteil, da die vereinbarten Kreditzinsen vollständig bezahlt werden müssen.   Ratenkredite werden im Privatbereich häufig zur Umschuldung genutzt. Mit ihnen kann man einen überzogenen oder teuren Dispositionskredit und andere Ratenkredite ablösen und zu einer Rate zusammenfassen. Ebenfalls die zweckgebundenen 0-Prozent-Kredite, zum Beispiel beim Kauf von Möbeln, Elektronik oder weiteren Sachgütern gehören zu den Ratenkrediten.
DispositionskreditEin Großteil der Bankkunden erhält nach Überprüfung der individuellen Bonität von ihrer Hausbank die Möglichkeit, das Konto zu überziehen. Die Höhe des Dispokredites wird am Einkommen bemessen. Ein Dispositionskredit wird eingeräumt, um die maximale Höhe der Kontoüberziehung festzulegen. Da für Dispositionskredite hohe Zinssätze zwischen 7 % und bis zu 13 % gezahlt werden müssen, ist es nicht ratsam, den Dispo langfristig zu nutzen, da die Zinsbelastung zu hoch ist.
AutokreditBei einem Autokredit handelt es sich um einen an ein Fahrzeug gebundenen Kredit. Banken erwarten beim Abschluss eines Autokredits das Fahrzeug im Rahmen einer Sicherungsübereignung als Sicherheit. Hierfür wird der Fahrzeugbrief vom Kreditinstitut eingezogen, bis der Kredit abbezahlt ist. Ohne Fahrzeugbrief kann ein Auto nicht weiterverkauft werden. Mit der Sicherungsübereignung wird dem Gläubiger gleichzeitig das Recht eingeräumt, das Fahrzeug treuhänderisch zu nutzen. Ein Autokredit ist in den meisten Punkten mit einem klassischen Ratenkredit vergleichbar.
ImmobilienkreditEine der wichtigsten Kreditformen ist das Hypothekendarlehen. Es ist ebenfalls unter den Bezeichnungen Baukredit oder Immobilienkredit bekannt. Ein Immobilienkredit kann beim Neubau, Kauf oder bei der Renovierung einer Immobilie bei Banken, Sparkassen oder Bausparkassen beantragt werden. Da hohe Geldbeträge aufgenommen werden, ist es sinnvoll, Kreditangebote im Detail zu vergleichen. Kleinste Zinsunterschiede können über eine Laufzeit von 10, 20 oder 30 Jahren zu Mehrkosten oder Einsparungen von mehreren Tausend Euro führen. Bei einem Hypothekendarlehen wird eine Hypothek auf das Haus oder die Wohnung im Grundbuch eingetragen. Ist der Immobilienkredit vollständig getilgt, wird die Hypothek aus dem Grundbuch entfernt. Kann der Kreditnehmer die vereinbarten Raten nicht zahlen, kommt es zu einer Zwangsversteigerung. Die Bank erhält mit dem Kauferlös die restliche Kreditsumme, während der zahlungsunfähige Kunde neben seinem Haus erhebliche finanzielle Einbußen verkraften muss.

Zusätzlich zu den bekanntesten Kreditarten sind Abrufkredite, Arbeitgeberdarlehen, Avalkredite, Beamtenkredit oder Kredite ohne Bonitätsauskunft (Schufa) weitere Kreditprodukte, die weniger häufig nachgefragt werden als die beschriebenen wichtigsten Kreditarten.

Info: Die Bezeichnungen Kredit und Darlehen werden häufig simultan verwendet, wenn beschrieben werden soll, dass ein Kreditnehmer Geld von einem Gläubiger leiht. Als Darlehen bezeichnet man in den meisten Fällen langfristige Kredite, zum Beispiel Hypothekendarlehen. Ein Kredit wird kurzfristiger vergeben. Typisches Beispiel für einen Kredit ist ein Ratenkredit. Da es keine gesetzliche Vorgabe zum Gebrauch der Begriffe gibt, sind beide Varianten grundsätzlich zulässig.

Wann die Aufnahme eines Kredites sinnvoll ist

Ein Kredit kann den finanziellen Spielraum von Endverbrauchern oder Unternehmen deutlich erhöhen. Sinnvoll ist die Aufnahme eines Kredites, wenn er als Problemlöser fungiert oder mit einer Investition, die mit dem Kredit getätigt wird, ein Mehrwert verbunden ist. Darüber hinaus muss jeder Kredit ins individuelle Haushaltsbudget passen. Eine solide Finanzplanung mit Puffern für ungeplante Ausgaben garantiert, dass Darlehen nicht zur Überschuldung führen.

Von einer Überschuldung spricht man, wenn Verbraucher außerhalb Ihrer Budgetgrenzen leben. Sind die Lebenshaltungskosten und die Aufwendungen für Kredite langfristig höher als die Einnahmen, kommt es zu einem gefährlichen Missverhältnis. Kreditnehmer sollten aus diesem Grund nicht ausschließlich auf die Nettokreditkosten achten, sondern die effektiven Zinsen im Blick behalten. Diese können im Zweifel höher sein als die Bruttozinsen.

Neben dem effektiven Zinssatz und den Konditionen ist ebenfalls die Laufzeit eines Kredits entscheidend. Die Laufzeitzeit wird im Kreditangebot und später im Kreditvertrag festgehalten. Ein Kredit mit langer Laufzeit, zum Beispiel ein Hypothekendarlehen oder ein Ratenkredit über 84 Monate bedeuten in der Praxis, dass Schuldner über mehrere Jahre fest gebunden sind. Die Zinsen für solche langfristigen Kredite sind im Allgemeinen höher. Ob die Aufnahme eines Kredits sinnvoll ist, kann nicht ohne Berücksichtigung der Gesamtsituation beurteilt werden. Entscheidend ist, ob der Kreditnehmer bereit und finanziell in der Lage ist, die Kreditraten über den vereinbarten Zeitraum zu bezahlen.

Große Investitionen sind in den meisten Fällen nicht ohne einen Kredit zu stemmen. Hierzu gehört die Anschaffung eines Autos oder der Bau eines Hauses. Wichtig sind in diesem Fall überschaubare Zinssätze sowie planbare Raten und insgesamt attraktive Kreditkonditionen. Ob kleine Ratenkredite und 0-Prozent-Finanzierungen zielführend sind, muss jeder Verbraucher persönlich und anhand seines individuellen Haushaltsbudgets entscheiden. Wird durch die Anschaffung per Kredit ein Problem gelöst, ein Mehrwert geschaffen oder ein lang gehegter Wunsch befriedigt, kann ein Kredit sinnvoll sein.

Sicherheiten im Kreditvertrag und Sanktionen bei Zahlungsverzug

Banken oder Händler werben in ihren Hochglanzprospekten und Anzeigen damit, mit einem Kredit Träume zu verwirklichen. Beim Verkauf von Bankprodukten fokussieren sich Bankberater vor allem auf den Nutzen und die Bedürfnisse von Kunden.

Auf der anderen Seite müssen Banken bei jedem Kreditvertrag das Risiko des Ausfalls von Zahlungen bewerten. Ein wesentliches Instrument der Risikoabwägung ist die Einschätzung der Bonität. Banken erfragen mit dem Kreditangebot Informationen zum Haushaltseinkommen, weiteren Verbindlichkeiten sowie zu den Lebensbedingungen des Kreditnehmers ab. Zusätzliche Informationen werden von spezialisierten Auskunfteien wie der Schufa angefragt. Die Abkürzung Schufa steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung.“

Die Schufa sammelt Informationen zu Privatpersonen und Unternehmen und stellt diese ihren Mitgliedern in einem sogenannten Score zur Verfügung. Der Score als Zahlenwert bezeichnet die Kreditwürdigkeit des potenziellen Kreditnehmers. Er wird aus der bisherigen Zahlungsmoral des Kunden und positiven und negativen Einträgen von Versandhändler und anderen Geschäftspartnern errechnet. Ein Schufa-Score über 97,5 % steht für ein minimales Risiko für Kreditausfälle. Je geringer der Schufa-Score ausfällt, umso höhere Kreditzinsen müssen für einen Kredit bezahlt werden. Darüber hinaus kann die Bank beim Abschluss eines Kredits Sicherheiten verlangen.

Gängige Real- und Fachsicherheiten sind:  

  • Anzahlung beim Kauf von Gütern, beispielsweise bei einem Auto,
  • Einkommen, das im Zweifelsfall gepfändet werden kann,
  • Bankguthaben,
  • Aktien,
  • Lebensversicherungen,
  • Pensionspläne,
  • Bei einem Hypothekenkredit das finanzierte Haus (Grundschuld),
  • Bei einem Autokredit das finanzierte Fahrzeug.

Beabsichtigen Kreditnehmer, ein Kreditangebot anzunehmen, sollten sie in jedem Fall auf die geforderten Sicherheiten achten. Sie sollten überdenken, ob sie bei Zahlungsschwierigkeiten gewillt sind, diese zur Verwertung zu stellen.

Stehen keine adäquaten Sicherheiten zur Verfügung, besteht als letzte Möglichkeit zur Gewährung eines Kredits die Benennung eines Bürgen. Als Bürge wird eine Person bezeichnet, die im Fall der Zahlungsunfähigkeit die vereinbarten Raten übernimmt und den Kredit zurückzahlt. Eine empfehlenswerte Variante hierbei ist die Ausfallbürgschaft. Bürgen haften erst, wenn nach einem Zwangsvollstreckungsprozess festgelegt wurde, dass der Schuldner zahlungsunfähig ist. Fachlich bezeichnet man Bürgschaften als Personalsicherheit.

Welche Sanktionen bei Zahlungsverzug und Zahlungsunfähigkeit drohen

Ein Schuldner gerät aus rechtlicher Sicht automatisch in Verzug, wenn er eine fällige Rate des Kredits nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit bezahlt. Zusätzlich zum gesetzlich geregelten Zahlungsverzug versenden Banken bei säumigen Kunden eine Mahnung, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Da Kreditraten in den meisten Fällen mit einer Einzugsermächtigung vom Konto abgezogen werden, entsteht der Verzug bei Rücklastschriften. Ist das Girokonto nicht gedeckt, wird die Kreditrate nicht belastet, da kein ausreichendes Guthaben zur Verfügung steht.

Dem Gläubiger werden in diesem Fall zusätzlich Verzugszinsen in Höhe von 4 Prozent sowie Porto- und Verwaltungskosten auferlegt. Unternehmen, die fällige Kreditraten nicht bezahlen, zahlen abweichend 5 Prozent Verzugszinsen.

Werden trotz Mahnung die Raten nicht wie vereinbart bedient, kann die Bank als Kreditgeber die Real- und Sachsicherheiten, zum Beispiel ein Auto, Wertpapiere oder eine Lebensversicherung veräußern. Dies geschieht, um die offenen Forderungen zu decken. Bei Immobiliendarlehen muss zwischen einer Hypothek und einer Grundschuld unterschieden werden.

Eine Hypothek ist an ein Kreditgeschäft geknüpft, während eine Grundschuld nicht zweckgebunden ist. Grundschulden und Darlehenshöhe können aus diesem Grund variieren, zum Beispiel wenn der Kreditnehmer beim Kauf einer Immobilie Eigenkapital eingebracht hat. Eine Grundschuld ist beim Zahlungsverzug ohne Gerichtsentscheid pfändbar. Bei Immobilienkrediten kann nach wenigen Monaten des Zahlungsverzugs ein Zwangsversteigerungsverfahren eingeleitet werden.

Neben der Veräußerung von Real- und Sachsicherheiten oder Hypotheken und Grundschulden, sind die folgenden Sanktionen bei Zahlungsverzug ebenfalls gängige Praxis:

Beim PfandrechtDie Bank ist berechtigt, bewegliche Gegenstände wie Schmuck, wertvolle Bilder oder Wertpapiere zu pfänden, wenn der Zahlungsverzug eintritt.
Bei einer SicherungsübereignungDer übereignete Wertgegenstand wird treuhänderisch an die Bank abgetreten. Erst im Falle des Zahlungsverzugs kann die Bank das Nutzungsrecht untersagen und den Gegenstand veräußern.
Bei einer ForderungsabtretungEine Forderungsabtretung impliziert, dass Forderungen des Kreditnehmers direkt an die Bank abgetreten werden. Möglich ist zum Beispiel das Abtreten von Lohn- und Gehaltszahlungen. Werden mit dem Kreditvertrag Lohnzahlungen abgetreten, kann die Bank bei Zahlungsverzug direkt an den Arbeitgeber herantreten und die fälligen Beträge einziehen.

Banken haben zusammenfassend unterschiedliche Möglichkeiten, um im Falle eines Zahlungsverzugs Raten einzufordern. Aus diesem Grund ist es aus Kreditnehmersicht essenziell, alle Raten von Kreditverträgen pünktlich zu begleichen.

Fazit: Kredite gelten seit Jahrtausenden als wichtiges Instrument, um Investitionen zu tätigen

Unternehmen und private Haushalte stehen jeden Tag vor der Frage, wie sie den Fortschritt des Betriebs oder den Lebensunterhalt finanzieren sollen. Vor allem hohe Investitionen in Maschinen und Geräte oder im privaten Umfeld in ein Auto oder Wohneigentum sind ohne Kredite nicht vorstellbar.

Seit vielen Jahrtausenden arbeiten Menschen mit Krediten. Vor Einführung des Geldes als Zahlungsmittel lieh man mit Hilfe eines Kredites Naturalien. In unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft können Kredite innerhalb von wenigen Minuten online und in nahezu jedem Handelsgeschäft abgeschlossen werden. Kreditkarten sind ebenfalls Zahlungsmittel, mit denen man auf Basis von Kurzzeitkrediten Waren und Dienstleistungen erwerben kann. Für jedes Kreditgeschäft ist grundsätzlich ein Kreditnehmer oder Schuldner sowie der Gläubiger oder Kreditgeber notwendig. Wesentliche Parameter für ein Kreditgeschäft sind der Zinssatz, der effektive Jahreszins, die Rate und die Laufzeit des Kredites.

Banken, Versicherungen und andere Gläubiger achten neben ihrem Gewinn vor allem auf die Bonität ihres Kunden. Auskunfteien wie die Schufa ermitteln hierfür anhand von Echtdaten einen Score, der das Ausfallrisiko des Kredites errechnet. Abhängig vom Score steigen die Zinssätze oder es werden zusätzliche Sicherheiten benötigt, um den Kredit zu erhalten.

Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste, worauf es bei einem Kredit neben den Konditionen vor allem ankommt. Er schrieb: „Der Kredit ist eine durch reale Leistungen erzeugte Idee von Zuverlässigkeit.“ Vertrauen und Zuverlässigkeit sowie klare Vereinbarungen sind nach wie vor die wichtigsten Zutaten bei jedem Kreditgeschäft.