Finanztransaktionssteuer sorgt für EU-weite Diskussionen

Die Entwürfe zur so genannten Finanztransaktionssteuer gingen mit heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten und einer europaweiten politischen Diskussion einher.

In diesem Beitrag beleuchten wir die Hintergründe und klären über die wichtigsten Fakten im Hinblick auf diese Steuer auf.

Was ist die Finanztransaktionssteuer?

Die Finanztransaktionssteuer zählt zu den Kapitalverkehrsteuern und ist eine Steuer, welche auf börslichen und außerbörslichen Finanztransaktionen beruht.

Mit ihrer Hilfe soll weltweit eine höhere Transparenz an den Finanzmärkten geschaffen werden.

Ihre Bedeutung für alle diejenigen, die ihr Geld durch Handel an den Börsen verdienen (englisch: Trader) ist nicht zu unterschätzen.

DieFunktionsweise ist einfach: Immer wenn ein Anleger Aktien kauft, um diese als Investition in die Altersvorsorge zu nutzen, fällt dafür eine bestimmte Summe an Steuern an.

Die Finanzmarkttransaktionssteuer beträgt konstant 2% der gesamten Transaktionssumme. Bei einem Aktienkauf im Wert von beispielsweise 10.000 Euro fällt also eine Abgabe von 200 Euro an.

Stärkere Belastungen für professionelle Trader

Anders als im professionellen Bereich ist diese Steuer für Privatleute, welche nur gelegentlich an der Börse aktiv werden, nicht so belastend, da diese Anleger für gewöhnlich seltener und längerfristigere Investitionen tätigen.

Besonders große Auswirkungen hat die Finanztransaktionssteuer jedoch auf die so genannten Daytrader.

Ein Day-Trader versucht von kurzfristigen Auf- und Abwärtsschwankungen innerhalb eines einzelnen Tages zu profitieren. Aktienpakete und Devisen werden hierbei oft im Sekundentakt an- und wieder verkauft und jede noch so winzige Kursänderung ausgenutzt.

Wenn durch die Steuer auf jede dieser Transaktionen 2% Gebühren fallen, schwindet die Gewinnmarge und viele einstmals gewinnbringenden Geschäfte sind nicht mehr rentabel.

Finanztransaktionssteuer: Wozu dient sie?

Wie eingangs bereits erwähnt, wird mit Hilfe dieser Steuer die Stabilisierung und Marktregulierung von Finanzmärkten angestrebt.

Dies soll durch die Verringerung des spekulativen und technischen Handels passieren. Mit einer Gebühr auf Finanzgeschäfte soll somit also das „Zocken“ an der Börse erschwert werden.

Demnach funktioniert die Finanztransaktionssteuer im Prinzip wie eine Mehrwertsteuer auf Bankgeschäfte, indem der Handel mit fast allen Finanzprodukten vom Staat mit einer Steuer belegt wird.

Sie würde dem deutschen Staat also je nach Steuersatz und Schätzung zwischen 12 und 36 Milliarden Euro einbringen.

Die Transaktionssteuer soll weiterhin die internationale und nationale Armut bekämpfen. So sollen die Einnahmen unter anderem für die Haushaltskonsolidierung verwendet werden und Schutz von Klima und Umwelt ermöglichen.

Bereits im Jahr 1972 wurde von dem US-Wirtschaftsprofessor James Tobin vorgeschlagen, internationale Devisengeschäfte mit einer Umsatzsteuer in Höhe von 0,5 bis 1 Prozent zu belegen.

Ziel dieser Maßnahme sollte es sein, kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen einzudämmen. Dieses Konzept wurde mit der Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer fast 50 Jahre später erneut aufgegriffen.

10. März 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.