FlixMobility schnappt sich US-Fernbuslegende Greyhound

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Die legendäre US-Fernbuslinie Greyhound wird deutsch: Das Münchener Startup FlixMobility, die Muttergesellschaft von FlixBus, erwirbt Greyhound von der britischen FirstGroup für 172 Mio. Dollar. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Eine spektakuläre Übernahme aus der vergangenen Woche möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Auch wenn der Deal bereits am Donnerstag bekannt gegeben wurde und der Übernahmepreis mit 172 Mio. US-Dollar (USD) eher gering ausfiel, hat die Transaktion für viel Medienrummel gesorgt.

Die Rede ist von dem legendären US-Fernbusunternehmen Greyhound Lines Inc. ­– ja, das sind die Busse mit dem Greyhound-Logo (deutsch: Windhund) –, die in vielen US-Film- und Musikproduktionen auftauchen.

Und die Firma, die Greyhound geschluckt hat, ist Ihnen sicher auch bekannt: Es handelt sich dabei um die Münchener FlixMobility GmbH, dem Betreiber von FlixBus und FlixTrain. Übernommen hat FlixMobility die Greyhound-Flotte vom britischen Mitbewerber FirstGroup plc., der Greyhound bereits in 2007 aufgekauft hat.

Greyhound ist Marktführer im US-Fernbusgeschäft…

Auch wenn Ihnen das US-Fernbusunternehmen vom Namen her bekannt sein dürfte, möchte ich Sie über einige wirtschaftliche Details des legendären US-Busunternehmens informieren. Greyhound ist der einzige landesweite Betreiber von Überlandbuslinien in den USA sowie von Linien in Kanada und Mexiko.

Mit seinen 1.300 Fahrzeugen und 2.400 Mitarbeitern verbindet Greyhound 1.750 Ziele in ganz Nordamerika miteinander. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie lag die Zahl der Greyhound-Mitarbeiter jedoch weit höher.

…aber wirtschaftlich angeschlagen

Dass die britische FirstGroup sich von Greyhound trennen wollte, ist bereits seit Längerem bekannt. Doch die Corona-Pandemie hat dem eh schon nicht sehr rentablen Greyhound-Geschäft noch einen zusätzlichen Dämpfer verpasst. So fiel die Nachfrage nach den Greyhound-Transportleistungen in der Corona-Krise auf ein Viertel des Vorkrisenniveaus.

Dies machte das legendäre US-Busunternehmen zu einem Schnäppchen für FlixMobility. Zwar war auch FlixMobility von der Corona-Pandemie betroffen, konnte in einer kürzlich beendeten Finanzierungsrunde jedoch mehr als 600 Mio. USD an frischem Kapital einsacken. Ausgegebenes Ziel der Finanzierungsrunde war die Expansion in den USA.

FlixMobility setzt Expansionskurs fort

In den letzten 5 Jahren haben die Münchener diverse europäische Mitbewerber, wie z.B. Deutsche Post Mobility GmbH (2016), die schwedische Swebus und die polnische Polskibus (2018) sowie die türkische Kâmil Koç (2019).

Seit 2018 ist FlixMobility auch in den USA aktiv. Die in diesem Jahr gegründete FlixBus USA startete mit 27 Zielen in den größten Städten des Südwestens der Vereinigten Staaten. Seitdem hat das Unternehmen seinen Betrieb kontinuierlich ausgeweitet und bietet Reisen in weitere Städte im Südwesten, Süden, Nordosten und Nordwesten der USA an.

Dass die Übernahme von Greyhound gut in die Expansionspolitik des Münchener Mobilitätsunternehmen passt, betont auch Jochen Engert, Mitgründer und CEO von FlixMobility, in einem Statement:

„Eine stetige Weiterentwicklung unseres Netzes durch Kooperationen oder Zukäufe ist schon immer ein wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie, um unsere globale Präsenz weiter auszubauen. Die Übernahme von Greyhound bringt uns hier einen entscheidenden Schritt weiter und stärkt die Position von FlixBus in den USA.“

FirstGroup-Aktie legt zu

Die Anleger begrüßten am Donnerstag die Nachrichten über den Verkauf des Greyhound-Geschäfts an FlixMobility. So legte der Kurs der FirstGroup-Papiere am Donnerstag nach Börsenöffnung an der Londoner Börse (LSE) um stolze 3,2% zu, verlor aber im Verlauf des Börsentags wieder etwas an Boden.

Beim Erklingen der LSE-Schlussglocke wurde die FirstGroup-Aktie noch mit 90,80 britischen Pence bewertet, ein Tagesplus von immerhin noch gut 1%. FlixMobility ist als GmbH nicht börsennotiert.

Wie es weitergeht

FlixMobility muss der FirstGroup für die Transaktion zunächst 140 Mio. USD überweisen. Die restlichen 32 Mio. USD des vereinbarten Kaufpreises können die Münchener in Raten über achtzehn Monate an FirstGroup zahlen.

Bestandteil des Deals ist das US-Greyhound-Geschäft (einschließlich des Fuhrparks, der Marken und bestimmter anderer Werte und Verbindlichkeiten). Die Greyhound-Immobilien und bestimmte Greyhound-Nettoverbindlichkeiten, wie z.B. Pensions-, Selbstversicherungs- und Finanzierungsleasingverträge, verbleiben jedoch im Besitz der FirstGroup.

Die Transaktion unterliegt laut FirstGroup keinen Abschlussbedingungen und wurde somit am 21.10.2021 abgeschlossen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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