MTU-Aktie koppelt sich vom Gesamtmarkt ab

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Im schwierigen Börsenjahr 2022 hält sich die Aktie des Triebwerkbauers MTU bislang ausgesprochen wacker. Obwohl die Aktie nach Vorlage der Quartalszahlen erst einmal abverkauft wurde, liegen die Papiere seit dem Jahreswechsel noch leicht in der Gewinnzone. Damit hat sich die Aktie vom breiten Aktienmarkt deutlich abgekoppelt.

Weltweit führender Triebwerksspezialist

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Münchener Konzern gerne etwas näher vorstellen. MTU ist ein führender Hersteller von Triebwerksmodulen und -komponenten sowie von kompletten Flugzeugtriebwerken und Industriegasturbinen. Zu den Kunden zählen sowohl zivile als auch militärische Hersteller und Betreiber von Flugzeugen und Industriegasturbinen auf der ganzen Welt. Auch in Helikoptern kommen die Produkte von MTU Aero Engines zur Anwendung.

Darüber hinaus ist MTU in der Instandhaltung von Triebwerken tätig und nutzt ihr Know-how aus dem Triebwerksbau auch im Industriegasturbinen-Geschäft. Seine Produkte sind in rund 30% der weltweiten zivilen Flugzeugflotte vertreten. Im Neu- und Ersatzteilgeschäft liegt der MTU-Anteil in der Regel bei 15-20%.

Robustes Geschäftsmodell mit hohen Markteintrittsbarrieren

Die Marktstellung von MTU ist beeindruckend stabil, was zu einem großen Teil in dem Geschäftsmodell begründet liegt. Spezifisches Know-How, ausgiebige Dokumentations- und Zertifizierungsrichtlinien, hohe Anlauf- und Entwicklungskosten sowie eine Null-Toleranz für Fehler bedeuten hohe Eintrittsbarrieren.

Im Bereich der Triebwerksinstandhaltung ist das Unternehmen der weltgrößte unabhängige Anbieter. Das gesamte Geschäft ist einerseits gekennzeichnet von hohen Entwicklungskosten für neue Triebwerke. Andererseits bietet es hohe Visibilität und langfristige Mittelrückflüsse aus dem Wartungsgeschäft. Insgesamt unterhält das Unternehmen ein globales Netzwerk von Reparaturstützpunkten.

MTU’s neue GTF-Technologie reduziert Kraftstoffverbrauch, CO2 und Lärmemissionen und unterstützt somit die entsprechenden Anstrengungen vieler Airlines und erlaubt darüber hinaus geringere Betriebskosten.

MTU kann sich im schwierigen Fahrwasser behaupten

Beeindruckend robust fiel das gerade präsentierte Zahlenwerk aus. Von den allseits dokumentierten Lieferkettenschwierigkeiten sieht sich der Konzern derzeit nicht betroffen. Zumal MTU zu den Profiteuren des starken US Dollars gehört, durch den die gedämpfte Entwicklung im Bereich der Wartung und Reparatur von zivilen Luftfahrzeugen kompensiert wird.

Quartalsumsatz klettert um 27%

Das macht sich auch in den Zahlen bemerkbar. Die Umsätze erhöhten sich im zweiten Quartal um 27% auf 1,3 Milliarden Euro. Noch stärker ging es beim operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) nach oben. Hier konnte MTU eine Steigerung um 54% auf 159 Millionen Euro erzielen. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 66 Millionen Euro in den Büchern – ein Plus von 22% zum Vorjahr.

Dass es hier etwas weniger steil nach oben ging, lag vor allem an einer 24 Millionen Euro schweren Abschreibung auf den Antrieb eines Militärhubschraubers. Das Modell war für die Bundeswehr gedacht, kommt aber dort nun doch nicht mehr zum Einsatz.

Firmenboss stellt Rekordumsatz in Aussicht

Für den restlichen Jahresverlauf zeigt sich MTU zuversichtlich. So stellt der Konzernchef Reiner Winkler einen Rekordumsatz zwischen 5,2 und 5,4 Milliarden Euro in Aussicht (ggü. 4,2 Mrd. Euro in 2021). Neben den Triebwerken für Mittelstreckenmaschinen sollte vor allem auch das Seriengeschäft vom wachsenden Luftfrachtbereich profitieren. Beim Vorsteuerergebnis EBIT erwarten die Münchener ein Plus von 25% auf 585 Millionen Euro.