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Volkswagen fürchtet Konkurrenz aus Fernost

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Volkswagen hat sich verschätzt – und ist damit nicht allein. Wie viele alteingesessene Autobauer wurden Batteriezellen für Elektrofahrzeuge lange Zeit als reines Bauteil betrachtet – eine Komponente, die von externen Firmen zugeliefert wird.

Doch die Batterien sind viel mehr als das. Sie dürften zum Alleinstellungsmerkmal werden, zum herausragenden Verkaufsargument – oder zu einem wesentlichen Faktor, um ein Modell zum Ladenhüter zu degradieren.

Volkswagen startet in die Batteriefertigung

Während etwa der US-Elektroautobauer Tesla seine Batteriezellen seit Jahren weitgehend in Eigenregie entwickelt und produziert, steht Volkswagen diesbezüglich noch ganz am Anfang. Eine von VW neu gegründete Europäische Aktiengesellschaft unter der Leitung des ehemaligen Conti- und Daimler-Managers Frank Blome soll in Kürze an den Start gehen. Die Belegschaft des Geschäftsbereichs soll in Kürze von 750 auf 1.200 Beschäftigte anwachsen. Perspektivisch ist auch ein möglicher Börsengang der Batteriefirma denkbar.

Zugleich hat Volkswagen erst kürzlich mit der Produktion des vollelektrischen SUV-Modells ID.4 in seinem Werk in Emden begonnen. Hierfür war der Standort in den vergangenen zwei Jahren grundlegend umgebaut worden. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen: Ab 2024 sollen in Emden ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge vom Band rollen.

Elektrooffensive am US-Markt: VW versucht sich an Neuauflage von Scout

Auch in den USA geht Volkswagen in Sachen Elektromobilität in die Offensive: Dort sollen künftig zwei elektrisch betriebene Pick-up-Trucks vermarktet werden, wie das Unternehmen kürzlich bekanntgab. Während in Europa seit einigen Jahren SUVs auf dem Vormarsch sind, setzt die US-Kundschaft – gerade jenseits der Küstenmetropolen – bevorzugt auf die großen und margenträchtigen Pick-ups.

Ein besonderer Coup ist den Wolfsburgern diesbezüglich mit Blick auf die Namensgebung gelungen: Die beiden Modelle sollen unter dem Namen „Scout“ vertrieben werden – angelehnt an ein US-Erfolgsmodell aus den 1960er und 1970er Jahren. Die Namensrechte waren im vergangenen Jahr durch die Übernahme des Lkw-Herstellers Navistar bei Volkswagen gelandet.

Bekannter Name – besseres Image?

Mit dem neuen Namen erhofft man sich in den USA zugleich ein besseres Image – denn seit dem Diesel-Abgasskandal, der im September 2015 durch US-Umweltbehörden aufgedeckt wurde, hat Volkswagen auf dem Kontinent arg gelitten. Nachdem dann auch noch das Chinageschäft eingebrochen war, geriet man in Wolfsburg offenbar ins Grübeln – und plant nun mit entsprechenden Offensiven wieder aufzuholen.

Allerdings dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis etwa der Scout tatsächlich vom Band rollt. Konkurrenten wie Ford oder Tesla könnten mit eigenen Pick-up- oder SUV-Modellen bis dahin bereits Fuß gefasst haben am lukrativen US-Markt.

VW-Chef fürchtet fernöstliche Konkurrenz

Hinzu kommt neue Konkurrenz aus Fernost: Der chinesische Hersteller BYD etwa wird auch intern von der VW-Konzernführung als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen. BYD hat neuartige Batteriezellen entwickelt, die dank Verzicht auf Rohstoffe wie Nickel und Kobalt günstiger produziert werden können, ein geringeres Überhitzungsrisiko aufweisen und ein schnelleres Laden ermöglichen. Selbst Tesla soll an der Entwicklung bereits Interesse gezeigt haben.

In den kommenden Jahren rechnet Europas Autoindustrie damit, dass zunehmend asiatische und insbesondere chinesische Unternehmen auf den Markt strömen dürften, um mit speziell entwickelten vollelektrischen Fahrzeugen Marktanteile abzugreifen.

Inwieweit den traditionsreichen hiesigen Herstellern die Transformation hin zur Elektromobilität schnell genug gelingt, um die neue Konkurrenz zu überholen, wird sich wohl in den kommenden anderthalb Jahrzehnten herauskristallisieren. In Wolfsburg jedenfalls ist man alarmiert – und tritt aufs sprichwörtliche Gaspedal in Sachen Antriebswende, auch wenn diese Redewendung wohl schon bald ebenso antiquiert sein dürfte wie der Benzinschlucker auf Deutschlands Straßen.