Zooplus: Übernahmekrimi nimmt unerwartete Wende

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Der wochenlange Übernahmekampf um den Online-Tierbedarfshändler Zooplus nimmt eine überraschende Wende. Die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und EQT wollen Zooplus nun gemeinsam übernehmen und damit dem Bieterwettbewerb um den Online-Tierbedarfshändler ein für alle Mal ein Ende setzen. Sie bieten nun gemeinsam 480 Euro je Aktie für das Münchner Unternehmen und damit 10 Euro mehr als beide den Zooplus-Aktionären bisher einzeln in Aussicht gestellt hatten.

Finanzinvestoren machen gemeinsame Sache

Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Die beiden rivalisierenden Bieter, die Finanzinvestoren Hellman & Friedman (H&F) und EQT machen nun gemeinsame Sache und bieten für den MDax-Konzern Zooplus 3,7 Milliarden Euro beziehungsweise 480 Euro je Aktie. Damit wurde das bisherige Höchstgebot um 100 Millionen Euro aufgestockt. Formell tritt EQT als Partner von Hellman & Friedman auf.

Annahmeschwelle 50% plus eine Aktie

Die Verwaltung von Zooplus empfahl unterdessen den Anlegern, das neue Angebot anzunehmen. Immerhin beinhaltet das neue Angebot einen Aufschlag von 85% zum Kurs vor den Übernahmegesprächen.

Die Mindestannahmeschwelle für das Gebot soll weiterhin bei 50% plus einer Aktie liegen. Die Annahmefrist endet am Mittwoch kommender Woche (3. November).

16% Umsatzplus in den ersten sechs Monaten

Zuletzt liefen die Geschäfte bei Zooplus ausgesprochen rund. In der ersten Jahreshälfte kletterten die Umsätze um 16% auf 1 Milliarden Euro in die Höhe. Zugleich verbesserte sich die Profitabilität deutlich. So erhöhte sich die operative Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 3,4% auf 4,2%. Am Ende konnte ein Nettogewinn von 15,5 Millionen Euro verbucht werden. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn bei 7,8 Millionen Euro an.

Für das gesamte Geschäftsjahr stellt der Online-Händler einen Umsatz zwischen 2,04 und 2,14 Milliarden Euro sowie ein EBITDA zwischen 40 und 80 Millionen Euro in Aussicht. Damit liegt der Onlinehändler noch hinter der familiengeführten Fressnapf-Gruppe aus Krefeld, die stark im stationären Geschäft ist und bei der zuletzt rund 2,7 Milliarden Euro an Umsatz durch die Bücher gingen.

Zooplus will Börse den Rücken kehren

Auch künftig wollen die Münchener weiter kräftig wachsen. Mit den beiden Partnern im Rücken sollen nun substantielle Investitionen in digitale Exzellenz, Logistik sowie größere Service- und Produktangebote gestemmt werden. Dies wird allerdings vorübergehend Bremsspuren bei den Gewinnmargen hinterlassen.

Vor diesem Hintergrund plant Zooplus den Rückzug von der Börse. Nur dann sieht sich das Management in der Lage, strategisch langfristig zu investieren, ohne dem kurzfristigen Druck bei Vorlage der Quartalszahlen ausgesetzt zu sein.

Heimspiel für EQT

Für den Finanzinvestor EQT ist die Branche keine Unbekannte. Die Schweden halten bereits mehrere auf Heimtierbedarf spezialisierte Firmen im Portfolio: Dazu zählen unter anderem der britische Heimtierversicherer Bought By Many und der Veterinärdienstleister IVC Evidensia. Für einige Zeit befand sich sogar der Zooplus-Rivale Musti Group aus Skandinavien im Portfolio, der allerdings im letzten Jahr veräußert wurde.