SAP Aktie: Konzern will restrukturieren und um mehr Profitabilität kämpfen

Wachstum braucht vor allem erst einmal Optimismus. SAP hat davon genug. Mehrfach hat das Unternehmen im vergangenen Jahr die Ergebnisprognosen angehoben. Und es hat die eigenen Ziele erreicht oder gar übertroffen. 24,7 Milliarden Euro Umsatz hat das Unternehmen vergangenes Jahr gemacht. Gut 4 Milliarden Euro blieben davon nach Steuern als Gewinn in der Konzernkasse. Doch Deutschlands größtem Softwarehersteller macht seine Größe zu schaffen. Das Umsatzwachstum fiel mit 5 Prozent im Branchenvergleich eher mager aus. Das Plus beim Gewinn gegenüber dem Vorjahr ließe sich mit einem Prozent beinahe vernachlässigen. Stößt SAP an die eigenen Grenzen, oder wird das Geschäft zäh, weil die erhoffte Trendwende bei den cloudbasierten Softwarelösungen auf sich warten lässt? Konzernchef Bill McDermott verweigerte sich bei der Präsentation der Zahlen jeglichem Pessimismus. Die Cloudlösungen als neue Wachstumstreiber seien längst im Kommen. Und in diesem Jahr wird das Geschäft profitabler gemacht – komme, was wolle.

 

Dieses Unternehmen nimmt nichts als selbstverständlich. Wir kämpfen um jeden Zoll mit der Seele von Kriegern. Wir sind bereit unsere neuesten und größten Chancen auszunutzen. Nicht weil es einfach wäre, sondern gerade weil es hart ist. Wir sprechen deswegen auch vom Best-run SAP – aus gutem Grund.

Warum aber lief das Cloudgeschäft so enttäuschend?

Was Sie sonst noch mitnehmen sollten, ist, dass SAP nur starke Geschäfte betreibt. Das Cloud-geschäft weist nicht nur enorme Wachstumsraten auf. In allen drei Geschäftsmodellen, die wir über die Cloud betreiben, verbesserten sich die Bruttogewinnmargen kontinuierlich über das Jahr. Das gleiche gilt für unser Software und Supportgeschäft. Dass Sie jetzt hier einen Rückgang bei Cloud und Software sehen, ist schlicht den gemischten Umsatzmargen geschuldet. So kann man aber nicht die Effektivität unserer Geschäfte beurteilen, solange alle von ihnen große Fortschritte machen.

Warum haben die Aktionäre nichts davon?

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Einige Bemerkungen zu unserer Performance unterm Strich: Ich möchte mit dem Gewinn pro Aktie beginnen, weil ich gefragt wurde, warum sich der starke Fortschritt, den wir im operativen Ergebnis mit 17 Prozent nach IFRS und 10 Prozent bereinigt, nicht in den Earnings per Share niederschlägt und die Entwicklung des Gewinns pro Aktie ziemlich mager geblieben ist. Nun, der Grund liegt in Sondereffekten aus dem Vorjahr. Vergangenes Jahr, vielleicht erinnern Sie sich, hatten wir einen außerordentlichen Ertrag insbesondere bei der Steuer aufgrund der US-Steuerreform und wegen der Übertragung von geistigem Eigentum von Hybris auf die SAP SE. Das trug zu einer um 500 Millionen Euro niedrigeren Ertragssteuer bei oder einem Zugewinn von 44 Prozent beim Ertrag pro Aktie. Das hat es 2018 nicht gegeben. Darüber hinaus hatte Saphire Ventures, unser Venture Capital Fonds ein 2017 ein spektakuläres Jahr, in dem Sie Zuwächse von fast 400 Millionen auswiesen. Auch 2018 hatten sie ein großartiges Jahr, indem die Erträge deutlich über der 200-Millionen-Marke lagen, aber eben nicht auf Vorjahresniveau. Und das führt eben zu dem mehr oder weniger stagnierenden Bild, das Sie beim Ergebnis pro Aktie sehen.

Worauf zielt die angekündigte Restrukturierung?

Lassen Sie mich den Punkt hier richtigstellen. Wir reden hier nicht über ein Programm zur Kosteneinsparung. Wir sprechen über ein Fitnessprogramm für SAP, dazu gedacht, die Verdopplung bis zum Maximum fortsetzen und in unsere strategischen Wachstumsbereiche investieren zu können.

Wie viele Mitarbeiter werden betroffen sein?

Wir erwarten noch immer eine Zahl, die voraussichtlich etwas höher liegt als bei 2015er Programm, bei dem es um ungefähr 3000 Mitarbeiter ging, die am Ende des Prozesses die Firma verließen.

Nächstes Jahr um diese Zeit werden wir Tausende Menschen mehr haben als jetzt, die bei SAP arbeiten. Bitte! Bitte, mit dem Gedanken eines Fitnessprogramms, dass SAP noch wettbewerbsfähiger machen soll, nehmen Sie es als das, was es ist. Menschen, die sich für einen Vorruhestand entscheiden, haben begleitende Services und sie können die damit verbundenen Vorteile nutzen. Menschen, die sich um ein Job in einem der neuen Felder bewerben wollen, die ich beschrieben habe – künstliche Intelligenz, Machine Learning, IoT, Blockchain, Quantum und Cloud Computing, Data Base -, dann können sie das ganz klar machen. Und sie werden für diese Jobs sicherlich berücksichtigt. Gleichzeitig werden wir uns aber massiv um die allerbesten Talente in einer globalen Wirtschaft bemühen, um sie einzustellen. SAP wird also der Marktführer auf Erden bleiben, was diese Angebote betrifft. Also bitte ich Sie inständig, verstehen Sie das richtig. Denn ich möchte Verwerfungen mit unserer Belegschaft vermeiden, mit der wir unermüdlich an einer Vertrauensbasis gearbeitet haben. Und ich denken, wir verdienen das Vertrauen. Und wir werden unsere Leute in jeder Hinsicht beschützen.

Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.