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E-Auto Pionier in der Klemme

E-Auto Pionier in der Klemme
josefkubes / shutterstock.com
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Als vor einigen Jahren in Deutschland mit dem Zoe eines der ersten ernstzunehmenden Elektroautos auf den Markt kam, war das eine Revolution. Das leise Gleiten und der fehlende Verschleiß bei Kurzstrecken machten den Kleinwagen zum perfekten Zweitwagen. Inzwischen hat die Konkurrenz aber mächtig aufgeholt. Wir erklären, ob Renault noch von seinem Bonus als Pionier profitieren kann. Vorab aber einige Details zum Unternehmen an sich.

Renault gehört zu den größten Automobilproduzenten in Europa. Neben Kraftfahrzeugen bietet das Unternehmen Ersatzteile und Finanzierungen an. Die Fahrzeuge werden unter den Marken Renault und Dacia (Rumänien) verkauft. Der Konzern ist in 134 Ländern vertreten und produziert an 40 Standorten. Eine wichtige Beteiligung besteht an Nissan.

Hier hakt es gewaltig

Renault musste im 1. Quartal einen Umsatzrückgang von 2,7% auf 9,7 Mrd € hinnehmen. Verstärkt wurde der Rückgang durch Währungskursverluste aufgrund des schwachen Euros. Strategisch fokussiert sich der Konzern auf den Ausbau seiner Hybrid- und Elektrostrategie. Der Renault Megane E-TECH konnte mit 10.000 Bestellungen in 2 Monaten einen guten Start hinlegen. Außerdem wurden im 1. Quartal 20.500 Bestellungen beim Dacia Spring Electric verzeichnet. Schaden nimmt der Konzern am Russland-Ukraine-Konflikt.

Der 68%-ige Anteil am russischen Lada-Hersteller Avtovaz ist wertlos geworden und wurde für den symbolischen Wert von einem Rubel veräußert. Ebenfalls verleibte sich Russland das Renault-Werk in Moskau ein, bei dem die Produktion bereits seit März stillstand. Bei den Absatzzahlen macht sich das gesamte Ausmaß deutlich. Die Anzahl der verkauften Autos fiel um 17,1% auf 552.000. Die Produktionspläne für 2022 wurden wegen der bestehenden Chipknappheit um 300.000 Autos gesenkt. Die Auftragsbücher sind zwar voll, die Bestellungen können aber kaum bedient werden, und Kunden müssen lange auf Neuwagen warten.

Um die strategischen Ziele voranzubringen, werden diverse Optionen besprochen. Hoch im Kurs steht ein Börsengang des Elektrogeschäfts. Da dieses jedoch aus einer Allianz mit Nissan gebildet wird, ist Renault auf die Zustimmung der Japaner angewiesen. Die Trennung der Geschäfte könnte erhebliches Investoreninteresse hervorrufen.

Vieles bleibt unklar

Die Frage wäre allerdings, wie gut der verbleibende Rumpf-Konzern danach noch aufgestellt wäre, oder ob die Unternehmen auch nach einem möglichen Börsengang eng verflochten bleiben. Letzteres ist in der Autobranche nicht unüblich und könnte der Schlüssel sein, das Geschäft der Elektro-Tochter gegenüber anderen Kunden zu eröffnen und so die Stückkosten zu senken. Das alles bleibt aber Zukunftsmusik. Die Aktie ist uninteressant, auch wegen der fehlenden Dividende.