HelloFresh-Aktie saust nach gekappter Prognose in den Keller

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Mit einem kräftigen Kursrutsch reagierte die Aktie des Kochboxversender HelloFresh auf die zurechtgestutzte Prognose. Zwar konnte der Konzern im abgelaufenen Quartal die Analystenschätzungen noch übertreffen, die Planung für den restlichen Jahresverlauf fällt allerdings mau aus. Der Aktie versetzte die negative Nachricht einen weiteren Dämpfer. Allein an den letzten beiden Handelstag schmolz der Börsenwert beinahe um ein Viertel zusammen. Mit einem Kursrückgang auf unter 26 Euro notieren die HelloFresh-Papiere mittlerweile meilenweit unter den historischen Höchstkursen von 96 Euro.

HelloFresh – Lebensmittelboxen für Kochmuffel

Bevor ich Ihnen die aktuellen Zahlen im Detail vorstelle, möchte ich Ihnen erst noch auf das Geschäftsmodell der Firma eingehen: HelloFresh ist ein Lieferservice für Lebensmittel. Das Unternehmen liefert die passenden Zutaten und die Rezepte für Gerichte zum selber Kochen an die Haustür. Die Lieferungen können individuell abgestimmt werden und die Essensplanung mit wöchentlich neuen Gerichtideen wird von HelloFresh übernommen.

Abonnenten des Services können jede Woche aus abwechslungsreichen Gerichten auswählen und sparen sich den Weg zum Supermarkt. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet und ist in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Australien und Kanada aktiv. Der Unternehmenssitz befindet sich in Berlin und HelloFresh unterhält weitere Büros in New York, London, Amsterdam, Zürich, Sydney und Toronto.

Corona sorgte für Sonderkonjunktur

Zuletzt hatte der Kochboxversender durch die Coronakrise enormen Rückenwind erhalten. Die vorübergehenden Schließungen zahlreicher Restaurants sorgten für eine Art Hochkonjunktur bei HelloFresh. Die einfache Art der Bestellung und Zubereitung gewann vor allem in Homeoffice-Zeiten bei den Kunden an Beliebtheit. So konnte der Berliner Konzern in 2021 um 52% auf 6,77 Milliarden Euro steigern. Unter dem Strich erzielte HelloFresh einen Nettogewinn von 289 Millionen Euro.

Rückläufige Margen im zweiten Quartal

Im zurückliegenden zweiten Quartal konnte HelloFresh den Umsatz von 1,55 auf 1,95 Milliarden Euro Euro steigern. Rückläufig entwickelte sich allerdings die Gewinnmarge. Von April bis Juni geht Hellofresh von einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (EBITDA) auf etwa 140 bis 150 Millionen Euro aus (Vs. Vorjahreszeitraum: 158 Mio. Euro). Allerdings hatten die Analysten im Schnitt mit 133 Millionen Euro noch weniger erwartet.

Jahresprognose wird zurechtgestutzt

Für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich die Konzernführung skeptischer. Den um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erwartet HelloFresh nun zwischen 460 und 530 Millionen Euro an. Zum Vergleich: Bislang war der Kochboxversender noch von 500 bis 580 Millionen Euro ausgegangen. Sollte die Mitte der Spanne erreicht werden, entspräche dies einem Gewinnrückgang um 6%.

Auch beim Umsatzausblick zeigt sich das Unternehmen zurückhaltender. Hier wird nun mit 18 bis 23% ein um zwei bis drei Prozentpunkte geringeres Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Begründet wird die gekappte Prognose mit einer eingetrübten Stimmung der Verbraucher, einer dynamisierten Inflation und dem anhaltenden Krieg in der Ukraine.

Fazit: Die reduzierte Prognose macht deutlich, dass auch digitale Geschäftsmodelle von anziehenden Preisen und Konsumzurückhaltung ausgebremst werden. Darauf reagieren die Anleger sofort und gehen bei der HelloFresh-Aktie auf die Seitenlinie. Statt einer Erholung setzt sich die Abwärtsbewegung mit hoher Dynamik weiter fort. Für eine solide Trendwende muss der Konzern nun zeigen, dass sich mit dem Geschäftsmodell auch nachhaltig hohe Gewinnmargen erzielen lassen.