VW Aktie steigt: Kommt Porsche ans Parkett?

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Die Gerüchteküche um einen Börsengang von Porsche läuft heiß und beflügelt die VW Aktie. Auch ein Konkurrent hat gute Nachrichten. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Kommt Porsche ans Parkett? Die Gerüchteküche brodelt wieder einmal – und verhalf der Volkswagen Aktie in dieser Woche zu einem Kurssprung.

Seit einer Übernahmeschlacht 2009 gehört die weltweit bekannte Luxusautomarke zum Wolfsburger Volkswagenkonzern, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch stiegen im Gegenzug zu den größten VW-Anteilseignern auf.

Projekt „Phönix“ – kommt Bewegung in den Börsengang?

Die Pläne für eine eigenständige Börsennotierung von Porsche werden schon seit Längerem immer wieder diskutiert, konzernintern unter dem Projektnamen „Phönix“. Über Details dringt bislang wenig nach außen, doch Experten rechnen damit, dass spätestens zur VW-Hauptversammlung im Juli nähere Informationen hierzu bekanntgegeben werden.

Für die Familien Porsche und Piëch geht es dabei vor allem darum, sich wieder mehr direkten Einfluss auf die Porsche SE zu sichern. Allerdings wird Volkswagen vermutlich lediglich einen Teil der gewinnträchtigen Tochter an die Börse bringen und weiterhin die Mehrheit halten. Offen ist indes, ob sich ein Börsengang von Porsche auf die Mehrheitsverhältnisse bei Volkswagen auswirken würde – und in welcher Form.

Auswirkungen auf Mehrheitsverhältnisse bei VW?

Denkbar ist eine Teilveräußerung der VW-Anteile von Seiten der Familienholding zur Finanzierung einer stärkeren Beteiligung an der Porsche SE, auch eine Ausweitung der Stimmrechtsanteile des Landes Niedersachsen, das bekanntlich 20 Prozent am Volkswagenkonzern hält, wäre möglich.

Alternativ könnte die Porsche SE auch abgespalten und eigenständig ans Parkett gebracht werden, ohne, dass dies direkt Einfluss hätte auf die Mehrheitsverhältnisse. Porsche Aktien würden den VW Aktionären zugeschrieben, entsprechend den bisherigen Mehrheitsanteilen.

Kompliziertes Eigentümergeflecht

Schon jetzt ist die Anteilsstruktur des Konzerns kompliziert. Neben den Gründerfamilien und dem Land Niedersachsen ist unter anderem das Emirat Qatar beteiligt, im Dax gehandelt werden nicht die Stamm-, sondern lediglich die Vorzugsaktien. Die verschiedenen Interessen der Großaktionäre unter einen Hut zu bringen, hat sich bereits in der Vergangenheit vielfach als langwieriges Unterfangen erwiesen.

Medienberichten zufolge rechnen Insider nun aber damit, dass es vergleichsweise schnell gehen könnte mit einem Börsengang von Porsche, die Interessen scheinen diesmal entsprechend stark vorhanden zu sein. Ein Versilbern der Luxustochter würde zudem auch den Volkswagenkonzern insgesamt aufwerten, so die Hoffnung.

Einen ersten Vorgeschmack gab es darauf bereits in dieser Woche an der Frankfurter Börse. Dort legte die VW Vorzugsaktie nach Bekanntwerden der Gerüchte kräftig zu, auf Wochensicht bewegt sich das Papier am Freitagnachmittag gut 8 Prozentpunkte im Plus bei rund 240 Euro.

Daimler einigt sich außergerichtlich mit Nokia

Für Erleichterung und einen Kursauftrieb der Aktie sorgten in dieser Woche auch gute Nachrichten beim Konkurrenten Daimler: Der Autobauer hat einen jahrelangen Patentstreit mit dem finnischen Telekommunikations- und Netzwerkspezialisten Nokia beigelegt. Beide Unternehmen verständigten sich auf die Zahlung von Lizenzgebühren, die Daimler künftig an Nokia zu leisten hat.

Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung über die Frage, wer im Zuge mehrstufiger Lieferketten die entsprechenden Gebühren an Nokia als Inhaber zentraler Patente zu zahlen hat: der Autohersteller selbst oder dessen Zulieferer, die die entsprechenden Komponenten herstellen.

Anleger erleichtert – Daimler Aktie im Plus

Mit der nun unterzeichneten Vereinbarung legen die beiden Unternehmen ihre laufenden juristischen Verfahren bei. Dennoch könnte es noch zu einem Grundsatzurteil kommen, nachdem Klagen von Nokia gegen Daimler verschiedene Instanzen durchlaufen und Ende 2020 den Europäischen Gerichtshof erreicht hatten. Neben Daimler leisten auch andere Automobilhersteller wie beispielsweise Audi, BMW, Porsche oder Volkswagen direkte Lizenzzahlungen an Patentinhaber wie Nokia.

Anleger reagierten erleichtert auf die außergerichtliche Einigung: Die Daimler Aktie, die sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt hat, legte allein im Laufe dieser Handelswoche um 2,5 Prozentpunkte zu.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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