EDF-Aktie nach Übernahmeplänen vom Handel ausgesetzt

EDF-Aktie nach Übernahmeplänen vom Handel ausgesetzt
SergeyP / Shutterstock.com
Inhaltsverzeichnis

Für einen Kurssprung sorgten die Gerüchte über eine Verstaatlichung des französischen Atomriesen Électricité de France (EDF) am Dienstag. Die Papiere tendierten mit über 5% im Plus. Seit dem 21. Juni kletterten die EDF-Papiere sogar um mehr als ein Drittel nach oben. Doch damit ist nun erstmal Schluss. Gestern hat das Unternehmen eine Aussetzung des Handels beantragt und vorerst werden keine Kurse in der Aktie gestellt. Bis zur Veröffentlichung einer Pressemitteilung des französischen Staats wird es keine weitere Kommunikation des Unternehmens zu diesem Thema geben. Die Regierung will nach eigenen Angaben bis spätestens 19. Juli über ihr Vorgehen informieren.

EDF- Atomgigant aus Frankreich….

EDF ist im Bereich Energieversorgung tätig und einer der größten Nuklearstromerzeuger Europas mit 19 Kernkraftwerken und über 55 Kernreaktoren. Im Weiteren werden zur Energiegewinnung Wasserkraft, fossile Brennstoffe wie auch Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse genutzt.

Darüber hinaus ist die Unternehmensgruppe im Bereich Energieübertragung, -Verteilung und -Handel mit einem Netzwerk von über 100.000 km Hochspannungsleitungen aktiv. EDF beliefert auch die europäischen Nachbarländer und trägt damit zur Versorgungssicherheit des europäischen Stromversorgungssystems bei. Der Konzern wurde bereits 1946 gegründet und betreut weltweit mehr als 37 Millionen Kunden.

Die Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Paris, Frankreich. Hauptaktionär mit 84% der Aktien ist der französische Staat. . Ein Prozent der Aktien liegt bei den Mitarbeitern, die verbleibenden 15% befinden sich im Besitz von institutionellen Anlegern und Kleinaktionären.

….steckt tief in der Krise

Frankreich setzt wie kein zweites Land in der EU auf Atomstrom. Im zurückliegenden Jahr stammten immerhin rund 70 % der Gesamtstromerzeugung aus der Kernenergie. Jahrzehntelang war EDF der größte Stromexporteur Europas. Allerdings lastet auf dem Konzern eine enorm hohe Verschuldung von über 40 Milliarden Euro. Der marode Reaktorpark erfordert zudem gigantische Investition. Zuletzt standen die Hälfte aller Meiler wegen Wartungsarbeiten und Korrosionsprobleme still.

Zwölf Reaktoren nahm EDF nach eigenen Angaben vorübergehend vom Netz, um die Rohrleitungen des Notkühlsystems auf kleinste Risse zu überprüfen. Der Konzern hatte die Vorsichtsmaßnahme ergriffen, nachdem bei älteren Anlagen Hinweise auf Korrosionsschäden entdeckt wurden.

Energieunabhängigkeit im Blick

Nun plant der französische Staat eine Verstaatlichung des Atomriesen. Laut Medienberichten ist die Regierung bereit mehr als 8 Milliarden Euro für die restlichen 16% auf den Tisch zu legen. Einschließlich ausstehender Wandelanleihen und einem Kursaufschlag könnte der Betrag bei beinahe 10 Milliarden Euro liegen. Mit der Übernahme bekommt die Regierung die Möglichkeit, die steigenden Stromrechnungen der Haushalte in den Griff zu bekommen.

Die französische Regierung versucht, ihre Abhängigkeit von Energieimporten aus Übersee zu verringern. Die Befürchtung wächst, dass Russland die Gaslieferungen über die Nord Stream 1-Pipeline nach Europa nicht wieder aufnehmen wird, nachdem am Montag mit Wartungsarbeiten begonnen wurde. Sie sollen am 21. Juli abgeschlossen werden. Frankreich bezieht etwa 17 % seines Gases aus Russland.

Gigantische Investitionen stehen vor der Tür

Frankreichs Präsident Macron erwartet, dass EDF ab 2028 sechs Druckwasserreaktoren der nächsten Generation baut. Die Kosten dafür werden auf mehr als 50 Milliarden Euro geschätzt. EDF soll darüber hinaus den Bau von acht weiteren Atomreaktoren prüfen. Weitere Milliardenausgaben entstehen durch die Renovierung der bestehenden Atomkraftwerke, von denen viele bereits Laufzeiten von mehr als 40 Jahren aufweisen. Macron hofft, die Lebensdauer der Reaktoren auf mehr als 50 Jahre zu verlängern.

Angesichts dieser Investitionen und des ebenfalls anvisierten Ausbaus insbesondere der Windkraft setzt Paris nun auf einen Stromkonzern, der sich ganz in der Hand des Staates befindet.