Lectra: Aktie des französischen Automatisierungsspezialisten erklimmt neues Allzeithoch

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Die Aktie des französischen Automatisierungsspezialisten Lectra steigt weiter - denn die Übernahme des US-Rivalen Gerber Technologies sorgt für kräftigen Rückenwind. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Unbekannt und dennoch aussichtsreich. Wer im letzten Jahr auf die Aktie des französischen Automatisierungsspezialisten Lectra setzte, wird sich freuen. Immerhin schnitten die Papiere mit einem Wertzuwachs von beinahe 70% deutlich besser ab als der breite Aktienmarkt. Mittlerweile liegt der Börsenwert bei 1,58 Milliarden Euro.

Dafür gibt es auch einen Grund. Fundamental laufen die Geschäfte auf Hochtouren. Darüber hinaus dürfte sich die Übernahme des US-Rivalen Gerber Technologies in den kommenden Jahren deutlich positiv auswirken.

Lectra – starker Nischenplayer aus Frankreich

Bevor wir auf die Zahlen kommen, möchte ich Ihnen erst einmal das Geschäftsmodell der Franzosen vorstellen: Lectra ist hierzulande zwar kaum bekannt, aus zahlreichen Industrien aber nicht mehr wegzudenken. Kunden von A bis Z setzen Lectra-Lösungen ein: von Armani bis Yves Saint Laurent, von Airbus bis Toyota Boshoku:

Lectra ist Weltmarktführer für integrierte Lösungen (Software, CAD/CAM und ergänzende Services), speziell ausgerichtet auf die Stoff-, Leder-, Textil- und Verbundwerkstoffindustrie. Dabei agiert Lectra auf verschiedenen Märkten wie der Modebranche (Bekleidung, Accessoires, Schuhe), der Automobilindustrie (Autositze, Innenausstattung, Airbags), der Polstermöbelbranche sowie in diversen weiteren Marktsegmenten, welche technische Textilien verarbeiten. Mit Hilfe industriespezifischer Soft- und Hardwarelösungen automatisieren und optimieren die Kunden von Lectra ihre gesamte Wertschöpfungskette – vom Design über die Entwicklung bis hin zur Herstellung.

Lectra schmiedet Automatisierungs-Riesen

Vor gut einem Jahr haben die Franzosen einen großen Schluck aus der Pulle genommen und den US-Rivalen Gerber Technologies übernommen. Lectra hat sich damit unmittelbar in eine neue Größenordnung katapultiert. Zumal sich die Franzosen eine richtige Koryphäe einverleibt haben.

Gerber Technology ist seit über 50 Jahren eine der Marktführer in den USA für integrierte Software- und automatisierte Hardwarelösungen primär für die Bekleidungsbranche, aber auch für technische Textilien und die Verpackungsindustrie. Mit seinen Produkten bedient das US-Unternehmen Kunden auf der ganzen Welt, darunter über 100 Fortune-500-Unternehmen in 134 Ländern. Selbst Harley Davidson, Boeing, Nike oder Dupont nutzen die Automatisierungslösungen aus dem Hause Gerber Technology.

Lectra mit starkem dritten Quartal

Zuletzt liefen die Geschäfte ausgesprochen rund. Im dritten Quartal kletterten die Umsätze um 104% auf 115,3 Millionen Euro in die Höhe. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich unterdessen um 76% auf 20,1 Millionen Euro. Der freie Cash Flow erhöhte sich sogar um 127% auf 19,3 Millionen Euro. Ein Großteil des Wachstums (45,1 Millionen Euro Umsatz und 5,3 Millionen Euro EBITDA) ging dabei auf das Konto der Gerber-Übernahme.

500 Millionen Euro-Marke im Visier

Der Zusammenschluss sollte die ohnehin starke Marktposition von Lectra weiter verbessern. Zuletzt kam der Gerber-Konzern auf einen Jahresumsatz von 165 Millionen Euro. Dank der starken Wertschöpfung durch signifikante Synergien erwartet Lectra, dass sich die Transaktion bereits ab dem nächsten Jahr positiv für die Aktionäre auswirkt. In 2022 rechnet Lectra damit, dass beide Firmen gemeinsam einen Umsatz von 480 Millionen Euro und eine Vorsteuergewinnmarge (EBITDA) zwischen 17 und 20% erzielen.

Weitere Übernahmen denkbar

Dabei war die Gerber-Übernahme nicht der letzte Streich von Lectra. Die Franzosen setzen immer wieder auf gezielte Zukäufe. Vor wenigen Monaten wurde das rumänische Unternehmen Gemini CAD-Systems geschluckt.

Die 2004 gegründete Firma hat mehrere innovative Softwarelösungen, vor allem im Bereich Computer Aided Design (CAD), für kleine und mittlere Modeunternehmen entwickelt. Dank seines Partnernetzes ist Gemini in über 60 Ländern vertreten. Die Transaktion betrifft den Erwerb von 60% der Anteile an Gemini für 7,6 Millionen Euro zum jetzigen Zeitpunkt. Der Erwerb der restlichen Stimmrechte erfolgt in zwei Schritten, im September 2024 und im September 2026. Am Ende dürfte die Kaufsumme, abhängig von der Umsatzentwicklung, zwischen 13 und 20 Millionen Euro liegen.

Mit den Zukäufen erweitert Lectra gezielt die eigene Wertschöpfungskette und bringt sich damit in eine starke Position, um vom Automatisierungsdruck der Modeindustrie zu profitieren.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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