Dufry schluckt Autogrill und baut US-Geschäft massiv aus

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Die Meldung war ein richtiger Paukenschlag. Der weltgrößte Duty-Free-Shop-Konzern Dufry aus der Schweiz will den italienischen Autobahn-Raststättenbetreiber Autogrill für 1,8 Milliarden Euro übernehmen. Durch den Zusammenschluss soll einer der weltgrößten Unternehmen im Bereich Travel Retail entstehen.

Gerüchte machten schon länger die Runde

Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss gab es seit längerer Zeit. In den vergangenen Wochen verdichteten sie sich dann die Spekulationen. Dies lag auch an der strategischen Neuausrichtung innerhalb der von der Familie Benetton kontrollierten Holding Edizione. Der mit einem Anteil von gut 50% wichtigste Autogrill-Aktionär unterstützt den Angaben zufolge den Deal und steigt zum größten Eigner des neuen Unternehmens auf. Edizione wird eine Beteiligung zwischen 20 und 25% haben, je nachdem wie viele Autogrill-Anleger die Offerte annehmen.

Wer hinter Dufry eigentlich steckt

Bevor wir auf die Übernahme im Detail kommen, möchte ich Ihnen den Schweizer Konzern Dufry gerne näher vorstellen. Das Unternehmen ist der weltweit führende Betreiber von Einzelhandelsgeschäften an Flughäfen. Dufry hat weltweit Niederlassungen in über 60 Ländern und betreibt mehr als 2.300 Duty-free-Shops, Boutiquen und Spezialgeschäfte auf Flughäfen, auf Kreuzfahrtschiffen und in vielen anderen touristischen Orten.

Die Gesellschaft bietet seinen Kunden mehr als 50.000 Produkte von über 1.000 verschiedenen Lieferanten an wie unter anderem die Luxusmarken Bulgari, Calvin Klein, Dior und Gucci. Dufry erzielt derzeit etwa 40% der Erlöse in Amerika, wobei ein Schwerpunkt in Brasilien liegt.

Dufry legt 1,8 Milliarden Euro auf den Tisch

Jetzt bietet Dufry den Autogrill-Aktionären 0,158 neue Dufry-Papieren pro Autogrill-Anteilsschein. Sie haben alternativ die Möglichkeit, ein Barangebot von 6,33 Euro je Anteilsschein anzunehmen. Damit wird der italienische Konzern mit 1,8 Milliarden Euro bewertet. Entgegen der landläufigen Meinung ist Autogrill längst kein reiner Raststätten-Betreiber mehr. Im Jahr 2021 entfielen noch 39% des Umsatzes auf Autobahnraststätten, 55% wurden an Flughäfen erwirtschaftet, hauptsächlich in den USA.

Geschäft mit Flughäfen im Visier

Durch den Zusammenschluss entsteht der weltgrößte Konzern im Bereich Travel Retail mit einem Umsatz von 12 Milliarden Euro. In Summe dürfte das neue Unternehmen über 5.500 Geschäfte an 1.200 Flughäfen in 60 Ländern betreiben und ein Bruttoergebnis von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaften.

Das Objekt der Begierde Autogrill bietet Dufry vor allem eine starke Position im Flughafengeschäft in den USA. Das gilt als besonders lukrativ, weil viele Fluggesellschaften ihren Passagieren bei Inlandflügen nichts mehr zu essen anbieten. Die Reisenden decken sich deshalb am Flughafen ein, ähnlich, wie man es in Europa als Zugpassagier tut. Dufry plant mit Autogrill nur Verkaufspunkte zu schaffen, an denen die Fluggäste sowohl einkaufen als auch essen können.

Alles aus einer Hand

Zudem sieht sich Dufry in einer besseren Lage bei zukünftigen Ausschreibungen. Sie müssen wissen: Viele Flughafenbetreiber in den USA wünschen sich einen einzigen Ansprechpartner, der für mehrere Dienstleistungen zur Verfügung steht. Das reicht vom Duty-free- und Duty-paid-Detailhandel über Grab-and-go-Formate bis zu eigentlichen Restaurants und könnte künftig von Dufry aus einer Hand angeboten werden. Bislang löst Dufry dies über zahlreiche Partnerschaften. Beide Unternehmen gehen zudem davon aus, durch den Zusammenschluss jährliche Synergieeffekte von rund 85 Millionen Euro erzielt werden können.

Delisting von Autogrill-Aktien geplant

Der Autogrill-Aktienkurs gab nach der Offerte deutlich nach und notierte gestern bei 6,32 Euro. Dufry peilt ein Closing der Übernahme im ersten Quartal 2023 an. Im Anschluss soll den verbliebenen Autogrill-Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot mit dem Ziel eines Delistings gemacht werden.

Ein Selbstläufer ist der Deal allerdings nicht. Mehrere Aufsichtsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Dufry selber wird für den 31. August eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die über die Fusion entscheiden wird.