Mega-Fusion in Finnland: Valmet übernimmt Neles

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Der finnische Maschinenbaukonzern Valmet will den Ventilproduzenten Neles schlucken. Am Freitag gaben beide Unternehmen bekannt, dass sie eine entsprechende Fusionsvereinbarung unterzeichnet haben. (Foto: NicoElNino / Shutterstock.com)

Am vergangenen Freitag gaben der im finnischen Espoo beheimatete Maschinenbaukonzern Valmet Oyj (Qyj steht für Osakeyhtiö und ist eine Aktiengesellschaft nach finnischem Recht) und der Ventilproduzent Neles Corporation aus Helsinki in gleichlautenden Presseerklärungen bekannt, dass beide Unternehmen zukünftig gemeinsame Wege gehen wollen.

Die Direktoren beider Unternehmen hätten bereits eine Fusionsvereinbarung unterschrieben. Auch ein Fusionsplan sei bereits ausgearbeitet und genehmigt worden, so die Unternehmen weiter.

Aktiendeal mit Übernahmeaufschlag von 16,4%

Laut Fusionsvereinbarung erhalten die Neles-Aktionäre für jede von ihnen gehaltene Aktie 0,3277 neue Valmet-Papiere. Basierend auf dem Schlusskurs der Valmet-Aktie am 1. Juli 2021 von 37,29 Euro erhalten die Neles-Aktionäre somit umgerechnet 14,22 Euro für Ihre Papiere.

Die von den Vorständen der Unternehmen abgesegnete Vereinbarung beinhaltet, bezogen auf den Schlusskurs vom 01.07.2021 eine solide Übernahmeprämie von 16,4%. Nimmt man den 3-monatigen Durchschnittspreis der Nele-Papiere als Basis, beläuft sich der Aufschlag sogar auf 19,8%.

Valmet zahlt für die Übernahme etwa 1,5 Mrd. Euro

Bereits im Juni 2020 hatte Valmet 14,9% der Neles-Anteile erworben. Nachdem im August 2020 ein Übernahmeangebot des schwedischen Technologiekonzerns Alfa Laval an der fehlenden Zustimmung der Neles-Aktionäre gescheitert war, stockte Valmet seinen Anteil sogar auf 29,8% auf.

Ein knappes Drittel der Neles-Papiere besitzt Valmet also schon, für die restlichen 70% der gut 150 Mio. ausgegebenen Neles-Aktien muss Valmet also knapp 1,5 Mrd. Euro in Form von eigenen Aktien bezahlen.

Fusionsunternehmen steigt zu einem Weltmarktführer auf

Das fusionierte Unternehmen wird eine weltweit führende Rolle im Bereich der Verfahrens- bzw. Prozessindustrie sein. Die rund 17.000 Mitarbeiter des Gemeinschaftsunternehmens werden in 2020 einen Nettoumsatz von ca. 4,3 Mrd. Euro erwirtschaften.

Neles-Aktionäre werden nach Abschluss der Fusion ca. 18,8% der Aktien und Stimmen des kombinierten Unternehmens besitzen. Mit ca. 81,2% bleibt jedoch die große Mehrheit der Aktien des Fusionsunternehmens in den Händen der Altaktionäre von Valmet.

Zustandekommen des Deals so gut wie sicher

Bereits im Vorfeld der Fusion hat sich Valmet um die Zustimmung der eigenen Aktionäre und der Neles-Anteileigner für den Deal eingeholt. So haben bereits Aktionäre, die zusammen ca. 16,9% der Valmet-Stimmrechte repräsentieren, ihr OK für die Fusion gegeben.

Darüber hinaus haben sich auch Neles-Aktionäre, die zusammen ca. 15,4% der Stimmen des Ventilherstellers repräsentieren, verpflichtet, für den geplanten Zusammenschluss beider Firmen zu stimmen. Zusammen mit den schon in Valmet-Besitz befindlichen Neles-Papiere hat Valmet etwa 45,0% der Neles-Stimmrechte auf seine Seite.

Neles-Papiere machen Kurssprung, Valmet gibt nach

Die Reaktion der Investoren auf die Ankündigung der Fusion war sehr unterschiedlich. Der Kurs der Neles-Aktie machte einen Freudensprung und stieg bis in den frühen Freitagnachmittag um mehr als 8% auf 13,24 Euro an. Es spricht also einiges dafür, dass der Markt den Deal begrüßt.

Ganz anders entwickelte sich jedoch der Kurs der Valmet-Papiere. Dieser gab im Laufe des Freitags mit -2,5% deutlich nach. Hier scheinen die Anleger der Meinung zu sein, dass der Deal wohl zu kostspielig ausgefallen ist.

So soll es weitergehen

Neles wird in das neu entstehende Gemeinschaftsunternehmen fusionieren und vom Markt genommen. Das kombinierte Unternehmen wird unter der Bezeichnung Valmet Oyj firmieren.

Das Direktorium des Fusionsunternehmens wird aus 6 Direktoren von Valmet und 2 Direktoren von Neles bestehen. Der jetzige Valmet-Präsident und CEO, Pasi Laine, wird auch an der Spitze des neuen Unternehmens bleiben.

Auf außerordentlichen Hauptversammlungen von Valmet und Neles sollen die Aktionäre über die geplante Fusion abstimmen. Damit diese auch zustande kommt, bedarf es jeweils Zweidrittel der Stimmrechtsanteile.

Anschließend müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden dem Fusionsgeschäft zustimmen. Es wird damit gerechnet, dass die Fusion mit Beginn des kommenden Jahres über die Bühne gehen wird.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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