Derivate und ihre Funktionsweise

Derivate sind Finanzinstrumente, die sich von einem Basiswert ableiten. Ändert der sich, fallen Gewinne oder Verluste bei den Derivaten an.

Der Handel mit Derivaten ist im modernen Finanzwesen wichtiger geworden. In den letzten 10 Jahren verzehnfachte sich der Nominalwert aller ausstehenden außerbörslichen Derivatkontrakte.

Die Bedeutung dieses Finanzinstruments nimmt zu und damit die Frage nach der Definition, dem Nutzen, den Einsatzmöglichkeiten, aber auch den Risiken von Derivaten.

Derivate: Eine einfache Definition

Das Wort Derivat stammt aus dem Lateinischen, stammt von derivare, was „ableiten“ heißt. Derivate leiten sich also ab – und zwar von einem Basiswert.

Das können Rohstoffe oder Lebensmittel sein, aber auch andere Vermögensgegenstände wie Anleihen oder andere Wertpapiere. Auch für Zinssätze oder Indices gibt es Derivate.

Mit Hilfe des abgeleiteten Papieres kann man auf die Kursentwicklung des zu Grunde liegenden Wertes spekulieren.

Daher wird der Begriff Derivat gewöhnlich als Sammelbegriff für alle möglichen Termingeschäfte, also Wetten auf die Zukunft, verwendet.

Absichern oder riskieren mit Derivaten

Derivate sind also Finanzinstrumente oder Verträge, deren eigener Wert sich stark an künftigen Kursen und Preisen anderer Handelsgüter und Investments orientiert. Sie können auch abhängig von Ereignissen wie einem Staatsbankrott oder einer Firmeninsolvenz sein. Oftmals werden Derivate auch als Finanztermingeschäfte bezeichnet.

Derivate sind in der Lage, Preisschwankungen der Anlagenobjekte zu erfassen und dann darauf zu reagieren. Deswegen kann man sie zum Absichern bestimmter Positionen einsetzen, man kann sich mit ihnen also gegen Wertverluste schützen.

Zum anderen aber dienen sie der Spekulation auf Kursveränderungen des Basiswerts. Zu den häufigsten anzutreffenden Derivaten zählen Zertifikate, Optionen, Futures und Swaps.

Mit Derivaten lassen sich also Entwicklungen zigfach überzeichnen. Mit kleinem Einsatz kann ein Investor daher riesige Gewinne machen – oder enorme Verluste.

Derivate zur Absicherung

Derivate können dazu verwendet werden, sich gegen die Entwicklung des ihnen zu Grunde liegenden Basiswertes abzusichern. Das können beispielsweise unvorhersehbare Preisentwicklungen bei Rohstoffen sein.

Das ist sinnvoll, wenn man von der Entwicklung eines solchen Rohstoffes abhängig ist. Früher dienten Termingeschäfte etwa Produzenten dazu, sich unabhängig von den Schwankungen der Rohstoffpreise am Weltmarkt zu machen.So konnten Bauern etwa ihre Ernte zu einem vorher festgelegten Preis absichern.

Heute können Fluggesellschaften sich mit Derivaten auf Flugbenzin gegen Preisanstiege von Öl absichern.

Mehr dazu: Derivate: neue Vorschriften und Verhaltensweisen

Derivate zur Spekulation

Andererseits kann man Derivate auch dazu verwenden, auf die Entwicklung von Preisen zu spekulieren und dabei beträchtliche Gewinne – oder Verluste realisieren.

Denn Derivaten wohnt auf Grund ihrer Konstruktion ein Hebeleffekt inne. Der bewirkt, dass Derivate sich im Vergleich zu ihrem Basiswert überproportional entwickeln.

Derivate eistieren auch noch eine Stufe abstrakter. Sie können sich auch auf mögliche zukünftige Ereignisse beziehen, etwa den Fall eines Staatsbankrotts oder der Insolvenz eines Unternehmens.

Und schließlich gibt es auch noch Derivate, die ihrerseits von Derivaten abgeleitet sind.

Der Derivatemarkt hat gigantische Ausmaße – und birgt Risiken

Der weitgehend ungeregelte Markt des Handels mit Derivaten hat beträchtliche Ausmaße. Sein Volumen wird laut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich im Jahr 2012 auf rund 700 Billionen US-Dollar geschätzt, also siebenhundert-tausend-milliarden.

Das istein Vielfaches der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung aller Staaten der Welt. Seit 1998 hat sich das Volumen des außerbörslichen Derivatemarktes damit verzehnfacht – er ist das dynamischste Wachstumssegment an den globalen Finanzmärkten.

Zugleich schlummern im Derivatemarkt aber auch ebenso mächtige Risiken für das globale Finanzsystem – das hat die Krise nach 2008 gezeigt. Dabei liegt das Problem dieses Marktes wohl weniger in seinem Volumen als darin, dass er weitgehend unreguliert abläuft.

Das öffnet Spekulationen die Tür und hat bereits zu erheblichen Blasen geführt. Daher haben die Regulierer den Derivatemarkt ins Visier genommen.

Formen der Derivaten

Als wichtigste und gebräuchlichste Form von Derivaten sind Zertifikate, Futures, Optionen und Swaps zu nennen. Sie werden an einer der weltweit größten Terminbörsen für Finanzderivate, der Eurex gehandelt.

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Ein Merkmal: Der Wert von Derivaten kann durch eine Veränderung im Basispreis schwanken. Dies kann durch einen Preiswandel von Handelsgütern oder einer Veränderung im Zinnssatz geschehen.

Kategorien dieses Finanzinstruments

Derivate sind in zwei Hauptkategorien zu unterteilen. Termingeschäfte sind Verträge, die zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt eingelöst werden. Diese Kategorie ist noch zu unterteilen in unbedingte (Forwards, Futures) und bedingte Termingeschäfte (auch Optionen genannt).

Optionen: Bedingte Termingeschäfte

Optionen beinhalten das Recht, per Kauf- oder Verkaufswahlrecht zu entscheiden, ob eine vorher definierte Sache zu einem bestimmten Zeitpunkt realisiert wird oder nicht.

Hierbei besteht keine Pflicht zum Kauf oder Verkauf, sondern nur eine Option, die auch verfallen kann.

Optionen werden zum Beispiel auf Aktien, Indices, Währungen oder Rohstoffe gehandelt.

Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Optionen

Der Unterscheid zwischen amerikanischen und europäischen Optionen ist nicht geographischer sondern zeitlicher Natur, wie auch in dem Artikel „Optionsscheine: Europäische und amerikanische Typen“ näher erläutert wird.

Eine amerikanische Option kann bis zur Fälligkeit jederzeit ausgeführt werden, wohingegen eine europäische Option nur am Verfallstag vor Ablauf der Vertragsfrist ausgeübt werden darf.

Optionen sind im Gegensatz zu anderen Derivaten wie das nachfolgend erläuterte CDS auch für kleinere, private Investments geeignet.

Die unbedingten Termingeschäfte müssen bei Fälligkeit erfüllt werden, wohingegen bei dem bedingten Termingeschäft die Option auf einen Kauf oder Verkauf auch hinfällig werden kann.

Kreditausfallsswaps: Unbedingte Termingeschäfte

Unter diese zweite Hauptkategorie fallen die Swaps. Sie stellen eine vertragliche Vereinbarung zweier Vertragspartner über den Tausch von Zahlungsströmen dar. Da es sich hierbei um sehr große Zahlungsströme handelt, ist diese Kategorie für private Investoren meist eher nicht geeignet.

Unter einem Credit Default Swap (zu deutsch „Kreditausfall-Swap“) versteht man ein Kreditderivat, das den Handel mit Ausfallrisiken von Krediten oder Anleihen ermöglicht.

Die beiden Vertragspartner einigen sich auf einen Referenzschuldner als Basiswert. Hierzu eignen sich große Gesellschaften. Eine Vertragspartei, der Sicherungsnehmer, zahlt dem Sicherungsgeber eine Anfangs- sowie eine fortlaufende Prämie.

Der Sicherungsgeber garantiert dafür eine Ausgleichszahlung sobald der Referenzschuldner ausfällt, zum Beispiel durch Insolvenz oder Nichtzahlung.

Der Unterschied zu einer gängigen Kreditversicherung besteht in der Tatsache, dass die Ausgleichszahlung unabhängig vom Schaden ausgezahlt wird.

Zudem muss kein Vertragspartner das Kreditpapier wirklich besitzen und kann sich jederzeit von ihr lossagen. Dies macht ein CDS so risikoanfällig.

Risiken des CDS-Marktes

Die Gefahr des CDS-Marktes liegt in seiner Verselbstständigung und Entfernung von seinen ursprünglichen Zielen.

Banken bedienen sich dieser Art von Derivaten, um mit ihnen auf steigende und fallende Kurse zu spekulieren. Zudem wird auch auf die Entwicklung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen oder auf Markttrends gewettet.

CDS sind grenzenlos verfügbar, jedoch stehen ihnen keine Realwerte gegenüber. Die Spekulation auf Kreditausfälle übersteigt deutlich das tatsächliche Risiko.

Hinzu kommt die nicht gegebene Transparenz der Banken, die im Geheimen den Handel mit CDS-Derivaten vorantreiben.

Fazit: Nutzen und Risiken von Derivaten

Der Nutzen von Derivaten liegt in der Absicherung, der Spekulation und der Arbitrage. Eine Absicherung gegen einen Preisverfall ist zum Beispiel mittels einer Option möglich.

Auch können Kalkulationen erleichtert werden, indem Verkaufspreise von Gütern im Vorhinein festgelegt werden. Auch Spekulationen auf Änderungen beim Basispreis sind durchführbar. Bei Arbitrage-Gewinnen werden Preisunterscheide ausgenutzt.

Trotz aller positiven Aspekte sind die Risiken von Derivaten nicht zu unterschätzen. Für Anleger ergeben sich die Schwierigkeit der Transparenz bei der Preisbildung. Die ist am Kassamarkt leichter nachzuvollziehen, wohingegen die Preisbildung bei Derivaten komplexer gestaltet wird.

Zudem unterliegen auch die Preise von Derivaten Schwankungen und Unsicherheiten. Diese können im schlimmsten Fall auch zum Totalverlust führen.


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Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.