BMW senkt Absatzprognose – Aktie rauscht in die Tiefe

BMW senkt Absatzprognose – Aktie rauscht in die Tiefe
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Viele Unternehmen haben bereits ihre Bilanzen zum zurückliegenden Jahresviertel vorgelegt, in dieser Woche war es auch bei BMW soweit. Doch nachdem die Dax-interne Konkurrenz aus Wolfsburg und Stuttgart in der vergangenen Woche punkten konnte, ließ das Zahlenwerk der Münchener die Anleger etwas ratlos zurück. Die Aktie wurde am gestrigen Mittwoch nach unten durchgereicht bis ans Ende der Dax-40. Zeitweise rutschte der Kurs um mehr als 6 Prozent ins Minus.

Sondereffekte verzerren Buchergebnisse

Schuld daran war weniger das Ergebnis des 2. Quartals, sondern vielmehr der Ausblick auf den Rest des Jahres. Im Zeitraum von April bis Ende Juni konnte BMW sogar mehr Gewinn verbuchen als von Experten geschätzt, wenn auch im Vergleich zum Vorjahresquartal ein deutlicher Rückgang in den Büchern steht: Mit 3,43 Milliarden Euro fiel das Ergebnis vor Steuern und Zinsen fast ein Drittel geringer aus als im Q2 des Vorjahres.

Allerdings lohnt hier ein Blick in die Details, denn sowohl die Stärke des Vorjahres als auch die Schwäche des jetzigen Frühjahrsquartals sind zumindest anteilig auf Sondereffekte zurückzuführen. So hatte BMW im Frühjahr 2021 noch davon profitiert, Rückstellungen auflösen zu können, was sich mit 1 Milliarde Euro in der Bilanz bemerkbar machte. In diesem Jahr wurden nun die Sonderkosten für die Übernahme der Mehrheit am chinesischen Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) ins zweite Quartal gebucht, die ebenfalls gut 1 Milliarde Euro ausmachten.

Umsatzsteigerung dank China-Deal und trotz Absatzrückgang

Beim Umsatz konnte BMW zulegen, wobei auch das maßgeblich auf den China-Deal rund um BBA zurückzuführen ist. Der Quartalsumsatz schoss um fast 22 Prozent nach oben auf 34,8 Milliarden Euro. Unterm Strich stand ein Konzerngewinn von gut 3 Milliarden Euro nach knapp 4,8 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bemerkenswert ist die Umsatzsteigerung dennoch: Immerhin hat BMW im zweiten Quartal erneut Absatzeinbußen hinnehmen müssen. Die starke Nachfrage kann kaum bedient werden, weil Lieferketten gestört sind und Halbleiter sowie andere Materialien und Bauteile fehlen. Immer wieder kommt es deswegen zu Produktionsunterbrechungen, von denen zuletzt auch mehrfach deutsche Standorte betroffen waren.

Gegenwind im zweiten Halbjahr befürchtet

Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Autobauer zwar mit einer allmählichen Entspannung der Lage und wieder höheren Auslieferungszahlen. Doch würden diese die Ausfälle des ersten Halbjahres wohl nicht vollständig auffangen können, so die Einschätzung des Vorstands.

Für das Gesamtjahr rechnet BMW nun mit Absatzzahlen leicht unter Vorjahresniveau. 2021 hatten die Bayern rund 2,5 Millionen Autos verkauft. Bislang hatte man dieses Niveau erneut erreichen wollen, nun wird man sich wohl auf einen Absatzrückgang um 1 bis 5 Prozent im Gesamtjahr einstellen müssen.

Lässt die Nachfrage bald nach?

Bestätigt wurde hingegen die angepeilte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern, die weiterhin in einer Spanne zwischen 7 und 9 Prozent im Kerngeschäft liegen soll. Rückläufige Absatzzahlen werden dabei von steigenden Verkaufspreisen und einer Fokussierung auf höherwertige Modelle kompensiert. Im 2. Quartal lag die Gewinnmarge bei 8,2 Prozent nach 15,8 Prozent im Vorjahreszeitraum, wobei auch hier Konsolidierungseffekte eine wesentliche Rolle spielen. Ohne diese Sondereffekte hätte die Marge demnach bei 12 Prozent gelegen.

Zurzeit profitieren die Autobauer noch von einer starken Nachfrage, die die Angebotskapazitäten übersteigt. Dadurch können höhere Preise durchgesetzt werden, auch im Geschäft mit Gebrauchtwagen. Wegen der hohen Inflation, steigenden Zinsen und schwieriger Konjunkturlage rechnen Beobachter jedoch zunehmend mit Gegenwind und einer Annäherung von Angebot und Nachfrage auf dem Automarkt. Schon bald könnten Hersteller und Händler gezwungen sein, wieder die früher üblichen hohen Rabatte beim Kaufpreis zu gewähren.

BMW Aktie: Analysten aktualisieren Einschätzungen

Weil insbesondere das zweite Halbjahr schwieriger werden dürfte, wie auch BMW-Chef Oliver Zipse einräumte, ging die Aktie auf Talfahrt. Seit dem Kurseinbruch Ende Februar, bedingt durch den russischen Einmarsch in die Ukraine, hat sich der Kurs bislang nicht erholt. Die BMW Aktie bewegt sich seither überwiegend in einer Spanne zwischen 70 und 85 Euro. Nach Vorlage der Quartalszahlen wurde das Papier am Donnerstagmittag für rund 77 Euro gehandelt.

Nachdem die Quartalsbilanz die Erwartungen der Analysten zumindest teilweise übertreffen konnte, haben einige Experten ihre Einschätzungen zur BMW Aktie bereits aktualisiert. Die meisten bestätigten dabei ihre bisherigen Empfehlungen. So rät das Analysehaus Jefferies zum Kauf des Papiers mit Kursziel 95 Euro, auch die US-Investmentbank Goldman Sachs betrachtet die BMW Aktie weiterhin als Kauf und beziffert das Kursziel mit 103 Euro.

Ihre neutrale Einstufung bestätigten die Schweizer UBS (Kursziel: 81 Euro), die US-Großbank JP Morgan (Kursziel: 90 Euro) sowie die kanadische Bank RBC, die mit einem Kursziel von 105 Euro noch mehr Luft nach oben sieht.