Deutsche Telekom fusioniert Funkturm-Geschäft in den Niederlanden

Deutsche Telekom Logo RED – shutterstock_519049156 Cineberg

Die Deutsche Telekom fusioniert ihre niederländischen Mobilfunkstandorte mit denen des spanischen Mitbewerbers Cellnex. Durch eine Service-Vereinbarung kann die Telekom die Mobilfunk-Infrastruktur jedoch auch weiterhin nutzen. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Heute möchte ich Ihnen von einem Deal berichten, der sich recht kompliziert gestaltet: Die Deutsche Telekom trennt sich von ihrer niederländischen Funkturm-Tochter T-Mobile Infra und erhält dafür 250 Mio. Euro in bar.

Durch ein Sale-and-Lease-Back-Geschäft (Miet-Verkaufs-Geschäft) mit dem spanischen Telekommunikationsanbieter Cellnex können die Funktürme aber auch weiterhin von der Telekom genutzt werden.

Fusion in mehreren Schritten

Doch in der Praxis gestaltet sich das Geschäft etwas komplizierter: In einem ersten Schritt überträgt die Deutsche Telekom ihr niederländisches Funkturmgeschäft T-Mobile Infra auf eine neu gegründete Gesellschaft namens Digital Infrastructure Vehicle (DIV). Bei der DIV handelt es sich um eine unabhängig gemanagte Fondsgesellschaft.

Für die Übereignung von T-Mobil Infra an die DIV erhält die Deutsche Telekom 250 Mio. Euro in Cash sowie eine Beteiligung an der DIV im Umfang von 400 Millionen Euro. Die Telekom wird somit zum Groß- bzw. Ankerinvestor der DIV mit einer 38-%-igen Beteiligung.

In einem zweiten Schritt bringt die DIV ihre Beteiligung an T-Mobile Infra in die Cellnex Netherlands B.V. ein (B.V. ist niederländisch für besloten vennootschap met beperkte aansprakelijkheid und steht für eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung). Dafür erhält die DIV eine Beteiligung von rund 38% an der Cellnex Netherlands B.V. (Cellnex NL).

Gleichzeitig hat sich die spanische Muttergesellschaft Cellnex Telecom S.A. (S.A. steht für Sociedad Anónima, eine spanische Rechtsform der Aktiengesellschaft) bereit erklärt, 200 Mio. Euro an Kapital in den DIV-Fonds einzuzahlen. Cellnex wird nach Abschluss der Transaktion mit 62% am DIV beteiligt sein. Insgesamt handelt es sich bei dieser Fusion also um ein recht verschachteltes Beteiligungskonstrukt.

Fusionsunternehmen ist größter Funkturmbetreiber der Niederlande

Konkret bringt die T-Mobile Infra B.V. rund 3.150 Mobilfunk-Masten und Dach-Standorte als Vermögenseinlage in den DIV-Fonds ein. Das Geschäft von Cellnex Netherlands B.V., einer Tochtergesellschaft des in Barcelona ansässigen Telekommunikationsriesen Cellnex, umfasst aktuell 984 Mobilfunkstandorte.

Cellnex Netherlands B.V. wird somit nach Abschluss der Transaktion mit rund 4.310 Standorten (einschließlich geplanter Neubauten von 180 Standorten) die größte unabhängige Funkturm-Gesellschaft in den Niederlanden sein und eine hervorragende geografische Abdeckung bieten.

Langfristige Zusammenarbeit geplant

Cellnex und T-Mobile Netherlands B.V. werden einen langfristigen Bereitstellungsvertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren unterzeichnen, der automatisch um jeweils 10 Jahre verlängert werden kann. Diese Vereinbarung umfasst auch den Ausbau von 180 neuen Standorten.

Nach der Fertigstellung aller neuen Standorte werden die insgesamt 4.310 Mobilfunkstationen der Cellnex Netherlands B.V. einen zusätzlichen Jahresgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von geschätzten 63 Mio. Euro einbringen.

Fusion bringt Telekom Liquidität und Fondseinkünfte

Wenn Sie sich jetzt fragen, welche Vorteile dieses Fusionsgeschäft für die Deutsche Telekom mit sich bringt, fällt die Antwort nicht schwer. Zum einen erhält die Telekom 250 Mio. Euro in bar für das Fusionsgeschäft.

Darüber hinaus ist die Telekom durch seine Vermögenseinlage mit 400 Mio. Euro bzw. 38% an dem neuen DIV-Fonds beteiligt. Der DIV-Fonds, der unabhängig verwaltet wird, soll nach Investitionen in europäische digitale Infrastrukturanlagen wie Glasfaser, Funktürme und Rechenzentren suchen, die attraktive risikobereinigte Renditen bieten.

Zusätzlich soll der Fonds auch für andere institutionelle Investoren geöffnet werden. Als Ankeraktionär wird die Telekom mittelfristig von den Gewinnen des DIV-Fonds profitieren. Die Deutsche Telekom beabsichtigt, nach Beteiligung solcher Dritt-Investoren rund 25% an dem Fonds zu halten.

“Wir schaffen eine führende Funkturm-Gesellschaft in den Niederlanden, die Synergien erschließen und unseren 5G-Ausbau beschleunigen soll. Gleichzeitig eröffnet die DIV einen innovativen Weg zur Finanzierung von Telekommunikationsinfrastruktur in Partnerschaft mit institutionellen Investoren,“ so Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom.

Die Bekanntgabe des Deals am vergangenen Donnerstag hatte keine größeren Auswirkungen auf den Aktienkurs der beteiligten Unternehmen.

So geht es weiter

Mit dem Abschluss der Transaktion wird die Deutsche Telekom ihre Tochter T-Mobile entkonsolidieren bzw. auflösen. Die Telekom-Tochter erzielt aktuell einen Jahresumsatz von rund 60 Mio. Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von etwa 30 Mio. Euro.

Deutsche Telekom - Dividendenkürzung trotz Milliardengewinn

Deutsche Telekom - Dividendenkürzung trotz MilliardengewinnHohe Schuldenlast wirft Schatten auf das “erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte: Die Deutsche Telekom schreibt ein weiteres Jahr schwarze Zahlen. So stieg der Umsatz um 6,4 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro.… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz