Gutes IPO-Jahr 2021: 2022 hat Potenzial nach oben

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12 Unternehmen wagten 2021 den Schritt an die Börse (Prime Standard). Im kommenden Jahr könnten es laut einer Studie sogar noch deutlich mehr werden. (Foto: MaximP / shutterstock.com)

In den vergangenen Jahren waren in Deutschland leider nur wenige Börsengänge zu verzeichnen. Aber zumindest in der ersten Jahreshälfte 2021 nahm die Zahl der IPOs wieder deutlich zu. So wagten laut einer von Kirchhoff Consult durchgeführten Studie in diesem Jahr wieder 12 Unternehmen einen Börsengang im Prime Standard der Frankfurter Börse. Das waren mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr.

Im Börsensegment Scale, dem Segment der Frankfurter Börse für kleine und mittlere Unternehmen, gingen 2021 – wie schon im Vorjahr – mit Apontis Pharma und dem Anbieter veganer Produkte Veganz zwei Unternehmen aufs Parkett

Zahlreiche Börsengänge im ersten Halbjahr 2021

Laut Kirchhoff Consult war 2021 eines der stärksten Jahre für Börsengänge in Deutschland seit dem Neuen Markt zur Jahrtausendwende. So stieg die Zahl der Börsengänge im Börsensegment Prime Standard im Vergleich zum Vorjahr von 5 auf 12. Mehr IPOs hatte es zuletzt nur im Jahr 2018 gegeben.

Auch das bei den Börsengängen erzielte Emissionsvolumen stieg in diesem Jahr deutlich und erreichte einen Wert von rund 8,6 Mrd. Euro. Das bedeutet nahezu eine Verzehnfachung gegenüber dem Vorjahr als das Volumen bei gerade einmal 0,9 Mrd. Euro lag.

Auffällig war auch, dass alle 12 Börsengänge des laufenden Jahres im Prime Standard in den ersten 7 Monaten stattgefunden haben. Ab Herbst verschoben zahlreiche Unternehmen ihre geplanten IPOs oder sagten sie sogar ganz ab.

Schwache Kursentwicklung nach den Börsengängen

Grund für diese Rückzieher dürfte die in der zweiten Jahreshälfte zunehmende Volatilität des Marktes gewesen sein. Laut Studie war die schwache Kursperformance der IPOs in 2021 ein weiterer Grund dafür, dass seit August 2021 keine Börsengänge mehr stattgefunden haben.

So wiesen bis Ende November 2021 nur 4 der 12 Börsenneulinge im Prime Standard eine positive Kursentwicklung auf. Am besten war die Kursperformance nach dem IPO bei Synlab (+26%), Suse (+23%) und Bike24 (+21%). Am schlechtesten schnitten Friedrich Vorwerk

(-29%), Mister Spex (-51%) und Auto1 (-55%) ab.

3 IPOs mit mehr als 1 Mrd. Euro Platzierungsvolumen

Die Platzierungsvolumina pro Börsengang lagen im laufenden Jahr bei einem Mittelwert (Median) von 405 Mio. Euro (2020: 127 Mio. Euro). Deutlich über diesem Durchschnittswert lagen gleich 3 IPOs, die jeweils ein Platzierungsvolumen von mehr als 1 Mrd. Euro erreichten.

Zu diesen überaus erfolgreichen Börsengängen zählte der Sendemastbetreiber Vantage Towers, der mit einem Volumen von 2,2 Mrd. Euro den größten Börsengang des Jahres in Deutschland hinlegte. Auch der Online-Autoplattform Auto1 und dem Softwareunternehmen Suse gelang jeweils ein IPO mit einem Emissionsvolumen von mehr als 1 Mrd. Euro.

Noch mehr Börsengänge in 2022 erwartet

Jens Hecht, Vorstand der Kirchhoff Consult AG, erwartet auch für 2022 eine rege IPO-Aktivität: „In einem volatilen Kapitalmarktumfeld steigen die Anforderungen der Investoren. Die IPO-Pipeline ist aber prall gefüllt mit vielen sehr aussichtsreichen Unternehmen. Wir rechnen daher mit mindestens 15 Börsengängen im Jahr 2022.“

Zu den potenziellen IPO-Kandidaten für 2022 gehören Fintechs wie N26 und Solarisbank, Abspaltungen von Konzernen wie Uhde Chlorine Engineers (Elektrolyse, Thyssenkrupp) und ParshipMeet (Online-Partnervermittlung, ProSiebenSat.1).

Auch der Prothesenhersteller Ottobock und das Pharmaunternehmen Cheplapharm sind IPO-Kandidaten für das kommende Jahr. Ich werde Sie diesbezüglich auf dem Laufenden halten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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