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Irische Kingspan Group erwirbt 51%-Aktienpaket von Steico

Inhaltsverzeichnis

Einen neuen Mehrheitsaktionär gibt es bei der Steico AG. Die irische Kingspan Group Plc kauft sich beim Baustoffhersteller aus Feldkirchen bei München ein und übernimmt ein großes Aktienpaket vom Firmengründer Udo Schramek.

Steico – führend bei Holzfaserdämmstoffen

Steico fokussiert sich auf die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb ökologischer Bauprodukte. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen aus Feldkirchen bei München sogar der weltweite Marktführer für Holzfaser Dämmstoffe. Hierzu zählen Dämmstoffe aus natürlichen Holz- und Hanffasern, Stegträger als Konstruktionselemente (Balkenprodukte) sowie Natural Fibre Boards (Hartfaserplatten). Durch die Kombination von Holz- und Hanffaser-Dämmstoffen mit darauf abgestimmten Stegträgern etabliert sich das Unternehmen verstärkt als Systemanbieter.

Steicos europaweiter Kundenstamm umfasst Käufer aus den Bereichen Holz- und Baustoffhandel, Holzbaubetriebe, Fertighausindustrie, Laminatbodenhersteller sowie Baumärkte. Mit der maximalen jährlichen Produktionskapazität des Unternehmens ließen sich laut Firmenwebseite rund 57.000 Häuser dämmen.

Firmenchef gibt Mehrheitsbeteiligung ab

Nun ist es amtlich. Nach wochenlangen Verhandlungen steigt Großaktionär Udo Schramek bei Steico aus und veräußert einen Großteil seiner Beteiligung an die irische Kingspan Group. Derzeit hält Udo Schramek über die Schramek GmbH 61,1% aller Steico-Anteile. Von diesem Paket sollen nun 51% den Besitzer wechseln. Schramek behält erst einmal 10,1 Prozent der Anteile und bleibt Unternehmenschef.

Iren zahlen 35 Euro je Aktie

Die Kingspan Group legt 35 Euro je Steico-Aktie von Schramek auf den Tisch. Das entspricht einem anfänglichen Transaktionswert auf 251,4 Millionen Euro. Hinzu kämen mögliche Aufschläge, die an einen deutlichen Anstieg der Rentabilität geknüpft sind. Die Nachzahlungen könnten bis zu 35 Euro je Aktie betragen, so dass sich der Kaufpreis im Extremfall auf 70 Euro je Aktie verdoppeln würde.

Wichtig zu wissen: Da die Steico-Aktie im Freiverkehr gehandelt wird, finden die Regeln des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes keine Anwendung. Daher führt der mehrheitliche Verkauf der Aktien nicht zwingend zu einem Übernahmeangebot für die freien Aktionäre.

Synergieeffekte und Wachstumsimpulse

Dabei kann ein Viertel des Kaufpreises von Kingspan in eigenen Aktien fließen. Der Basispreis bewertet Steico mit insgesamt knapp 500 Millionen Euro. Eine Einstellung der Börsennotiz ist derweil nicht geplant.

Dabei erhofft sich der Dämmstoffspezialist Synergieeffekte bei der Marktentwicklung und weitere Wachstumsimpulse. Die Iren gehen davon aus, dass sich die Übernahme anfangs neutral auf den Gewinn auswirken wird, ausgehend von der Konsensprognose für Kingspan und Steicos Guidance für 2023.

Schleppende Geschäftsentwicklung bei Steico

Zuletzt lief es bei Steico allerdings alles andere als geschmiert: Im Juni hatte Steico mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung die Anleger verunsichert. Für das Gesamtjahr hat der Konzern einen Umsatzrückgang um 15% in Aussicht gestellt (alte Prognose: stabiler Umsatz bei 445 Millionen Euro). Zugleich soll die operative Gewinnmarge (EBIT) nur noch bei 8 bis 10% statt wie zuvor bei 10 bis 15% liegen. Ausschlaggebend war eine schwächere Nachfrage und verschärfter Wettbewerb bei Holzfaserdämmstoffen.

Kingspan scheint genau diese Schwäche ausnutzen zu wollen. Von den Höchstkursen von 128 Euro in 2021 ist die Steico-Aktie meilenweit entfernt. Zumal das Unternehmen gut ins Portfolio passt. Kingspan-Firmenchef Gene Murtagh will mit der Übernahme das gesamte Spektrum an Dämmprodukten anbieten. Die Steico-Aktie reagierte unterdessen nur leicht auf die Nachrichten und ging gestern mit 33 Euro aus dem Handel, womit die Aktie unter dem Preis für das Aktienpaket notiert.