Achtung! Jetzt kommt der Crash. Schnell alles verkaufen!

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Auch, wenn es gegen zittrige Hände an der Börse keine Impfung gibt – Sie werden diese harte Zeit an den Märkten sicherlich überleben. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Bekommen Sie auch etwas mit von der allgegenwärtigen Panikmache? Nein, nicht wegen der Delta- oder Lambda-Variante bei Corona. Sondern beim Aktienmarkt! Der DAX schließt nahe dem Wochenhoch; der S&P 500 steht auf Allzeithoch; der NASDAQ 100 kurz unter seinem Allzeithoch, das er am Mittwoch aufgestellt hat. Und der Dow Jones steht so hoch wie bisher nur einmal in seinem Leben. Aber hey, wir sollten schon ein bisschen Angst verbreiten. Schließlich sind die Kurse in dieser Woche nicht ausschließlich gestiegen. Frechheit!

Ganz ehrlich: Was soll der Quatsch?

Ist das jetzt trendy? Sind wir so an die schlechten Nachrichten mit Viren gewöhnt, dass wir jetzt auch sofort an der Börse beim kleinsten Gegenwind umkippen? Wo ist unser Immunsystem hin? Halten wir nichts mehr aus? Mental und körperlich ist ein Teil der Menschheit offenbar am Ende. Gut, dass es das Internet und die Medien gibt! Ohne die tägliche Wiederholung, hätte ich gar nicht gewusst, dass es eine Pandemie gibt.

So funktioniert das an der Börse auch. Wenn viele lange und laut genug „Verkaufen“ rufen, dann passiert das letztlich. Diese Woche gab es offenbar den Lackmustest. Und die ersten sind direkt umgekippt. Ich habe selbst von zwei Tradern, die durchaus profitabel und erfahren sind, gelesen: Ich verkaufe jetzt alles und mache dann „Buy the Dip“. Sie gehen demnach von einer kommenden stärkeren Korrektur aus. Das kann stimmen, manchmal ist der Analyst etwas früher dran als die Börse. Aber im Moment gibt es doch keinen übergeordneten Grund zu verkaufen!

Was sagen die Charts: Ist die Panik berechtigt?

Das hier ist der DAX im 4-Stunden-Chart. Die grüne EMA-200 diente als perfekte Unterstützung in Kombination mit dem Tief vom 21. Juni. Ja, wir machen gerade tiefere Hochs, so wie es aussieht. Aber von Ausverkauf sind wir ja wohl Lichtjahre entfernt. Da ist jetzt keine entscheidende Unterstützung gefallen. Nur weil es einmal unter die kurze Trendlinie geht, muss nicht gleich der Puls steigen.

Positiv gesehen, baut der DAX gerade eine Bullenflagge und nimmt Anlauf für den nächsten Satz Richtung 16.000 Punkte. Hätten wir jetzt auf Wochensicht die 15.309 unterboten, wäre das ein erstes negatives Zeichen. Doch nicht einmal das ist passiert. Ich trade den DAX auch gerne short, aber dann sollte der auch zeigen, dass er nach unten will. Das sehe ich in diesem Chart einfach nicht.

Es folgt der S&P 500. Auch hier im 4-Stunden-Chart. Am 21. Juni hatten wir das Ende der Verkaufspanik. Diese Woche hatten wir das Ende der Kaufpanik. Aber wie schon in den vorherigen Ausgaben des Newsletters gesagt, ist ein roter Punkt kein idealer Punkt für einen Short.

Bestes Beispiel dafür: Heute stehen wir schon höher als der rote Punkt und vorgestern waren wir auch schon darüber. Erst dann gab es einen Rücksetzer, der aber innerhalb von 6 Kerzen wieder ausgebügelt wurde. Das sind übrigens durchlaufende Kurse im Chart. So und wo war da jetzt genau das Anzeichen für einen Totalverkauf seines Depots? Vielleicht hatten die beiden Kollegen Recht und wir stehen beispielsweise in einem Monat 30 Prozent tiefer. Aber dann hätten sie jederzeit auscashen können. Dieser Chart gibt das auch nicht her.

Würden wir beim S&P 500 unter der 4.410 die Woche beenden, wäre das ein erstes Warnsignal. Das einzige Signal was ich gerade empfange: neues Allzeithoch! Quasi das Gegenteil von einem Crash und ein neues Allzeithoch macht der S&P 500 aktuell fast fünfmal pro Woche.

Fazit

Auch wenn es gegen zittrige Hände an der Börse keine Impfung gibt – Sie werden diese harte Zeit an den Märkten mit Höchstständen oder Kursen nahe den Allzeithochs sicherlich überleben. Einfach die Panikmache ignorieren und schon geht es Ihnen und Ihrem Depot wesentlich besser.

Klar, einzelne Aktien gibt es jede Woche, die nach unten zeigen. Ich habe mich die Tage auch von einem Großteil meiner Aktien von Alibaba getrennt. Der Chart und das politische Umfeld sehen einfach nicht gut aus. Sollte sich das ändern, steige ich wieder ein. Ähnlich sieht es aus bei der Aktie von Teamviewer. Die schmiert richtig schön ab und das seit Juli letzten Jahres. Die hatte ich aber nicht im Depot. Da setze ich eher auf Zoom.

Unterm Strich gab es also diese Woche ein paar Aufschreie, doch die Börse hat nicht zugehört. Der Fahrstuhl nach oben ist wohl schallisoliert. Dem Depot soll es Recht sein. Fraglich ist nur, ob wir eine Jahresendrallye sehen werden. Die bleibt gerne einmal aus, wenn das ganze Jahr über die Kurse gut liefen. Vielleicht gibt es dann ja die Korrektur. Oder auch schon nächste Woche. Wer weiß. Heute sagen die Charts aber: alles OK, weitermachen.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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