Lanxess schnappt sich Desinfektionssparte von IFF

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Der Spezialchemie-Konzern Lanxess hat seine 4. Übernahme für 2021 bekannt gegeben: Für den Geschäftsbereich Microbial Control des US-amerikanischen IFF-Konzerns zahlen die Kölner stolze 1,1 Mrd. Euro. (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Der Kölner Spezialchemie-Konzern Lanxess AG ist wieder auf Einkaufstour gegangen. So gab Lanxess am gestrigen Dienstag bekannt, dass er den Geschäftsbereich Microbial Control des in New York ansässigen US-amerikanischen Konzerns International Flavors & Fragrances Inc. (IFF) übernehmen will.

Beide Unternehmen hätten am 23. August 2021 einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, so Lanxess in einer Mitteilung. IFF Microbial Control ist ein führender Anbieter von antimikrobiellen Wirkstoffen und Formulierungen für Materialschutz, Konservierungs- und Desinfektionsmittel.

Lanxess zahlt 1,3 Mrd. Dollar

Für die Übernahme der Desinfektionssparte von IFF wird Lanxess rund 1,3 Mrd. US-Dollar (USD – etwa 1,1 Mrd. Euro) bezahlen. Die Kölner werden den Kaufpreis mit Fremdkapital finanzieren und haben dazu eine entsprechende Zwischenfinanzierung vereinbart.

Laut Lanxess-Finanzvorstand Michael Pontzen ist der vereinbarte Kaufpreis angemessen:

„Unter Berücksichtigung der von uns angestrebten Synergien erzielen wir einen attraktiven Kaufpreis, der beim 9,6-fachen des EBITDA (Erlöse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) liegt.“

Lanxess-Papiere machen Kurssprung

An der Börse kam die Übernahme-Ankündigung gut. Am Dienstag legte der XETRA-Kurs der Lanxess-Aktie um mehr als 2% zu. Auch die Investoren scheinen den Deal gut zu heißen.

Wenig Reaktion zeigte der Kurs der IFF-Papiere an der New Yorker Börse (NYSE). Er legte um 0,25% zu und ging am Dienstagabend mit 151,29 USD aus dem Handel.

Ausbau des Materialschutzgeschäfts

Durch die Übernahme der Desinfektionssparte von IFF will die ehemalige Bayer-Tochter ihre Materialschutzsparte ausbauen, wie Michael Schäfer, Leiter des Lanxess-Geschäftsbereichs Material Protection Products, betont:

„Mit dem Microbial-Control-Geschäft von IFF können wir nun unser Wirkstoff-Portfolio erweitern, sodass wir unseren Kunden zusätzliche anwendungsorientierte Lösungen anbieten können. Darüber hinaus stärken wir unsere Wertschöpfungskette.“

„Das Geschäft ermöglicht uns zudem Zugriff auf neue Technologien und verbessert durch zusätzliche Zulassungen auch unsere regulatorische Position“, so Schäfer weiter.

Das Portfolio der IFF-Sparte im Detail

IFF Microbial Control bietet ein umfangreiches Portfolio an innovativen und nachhaltigen Lösungen an. Die Produkte verlängern die Lebensdauer und gewährleisten die Funktionalität der Endprodukte, zum Beispiel in Farben und Lacken, Körperpflegeprodukten, Waschmitteln oder Haushaltsreinigern.

Sie konservieren zudem Wasser in industriellen Anwendungen. Auch in funktionalen Textilien finden Hygiene-Lösungen von IFF Microbial Control Anwendung. Sie sorgen dafür, dass diese länger keimfrei bleiben.

Die IFF-Sparte Microbial Control beschäftigt rund 270 Mitarbeiter und betreibt zwei eigene Produktionsanlagen in St. Charles/Louisiana und Institute/West Virginia. Die IFF-Sparte erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von rund 450 Mio. USD und ein EBITDA von etwa 100 Mio. USD.

Bereits 4. Zukauf in 2021

Die Übernahme der IFF-Sparte ist bereits der vierte Zukauf in diesem Jahr und der zweitgrößte von Lanxess überhaupt. Zuvor hatten die Kölner in 2021 bereits den US-amerikanische Spezialchemikalien-Hersteller Emerald Kalama Chemical (für rd. 1 Mrd. USD) sowie die französischen Unternehmen Theseo (für rd. 70 Mio. Euro) und Intace übernommen.

Die größte Übernahme der noch recht jungen Firmengeschichte von Lanxess fand 2017 statt. In diesem Jahr legten die Kölner 2,4 Mrd. Euro für die Akquisition des US-amerikanischen Spezialchemie-Konzerns Chemtura auf den Tisch.

Die 2004 durch eine Ausgliederung des Bayer-Konzerns entstandene Lanxess AG ist ein führender Spezialchemie-Konzern, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,1 Mrd. Euro erzielte und aktuell rund 14.800 Mitarbeiter in 33 Ländern beschäftigt. Das Kerngeschäft von Lanxess bilden Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von chemischen Zwischenprodukten, Additiven, Spezialchemikalien und Kunststoffen.

Wie es weitergeht

Der Lanxess-Konzern geht davon aus, dass die Transaktion im zweiten Quartal 2022 abgeschlossen werden wird. Nach Abschluss der Übernahme soll das Geschäft in die Lanxess-Sparte Material Protection Products eingegliedert werden.

Die Transaktion unterliegt noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden. Zudem muss das Geschäft zuvor noch aus dem IFF-Konzern ausgegliedert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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