Mega-Deal: Springer-Verlag übernimmt US-Nachrichtenportal Politico

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Der Axel Springer-Verlag hat die wohl größte Übernahme seiner Firmengeschichte bekannt gegeben: Der Bild-Herausgeber kauf die US-Nachrichtenportale Politico und Protocol. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Axel Springer SE Verlagsgesellschaft, bekannt als Herausgeber der Bild-Zeitung, Die Welt sowie der Internet-Portale immowelt.de und stepstone,de, hat am vergangenen Donnerstag die wohl größte Übernahme in der 75-jährigen Geschichte des Unternehmens bekannt gegeben.

In einer Pressemitteilung teilte Axel Springer mit, dass der Verlag eine Vereinbarung mit dem Herausgeber Robert Allbritton über den Erwerb des US-Nachrichtenunternehmens Politico und der auf den Technologiesektor spezialisierten News-Verleger Protocol unterzeichnet habe.

Darüber hinaus wird Axel Springer auch die ausstehenden 50% an dem aktuell als Joint-Venture geführten Unternehmen Politico Europe kaufen. Das in Brüssel ansässige Joint-Venture berichtet seit 2015 in einer englischsprachigen Wochenzeitschrift sowie dem Online-Portal www.politico.eu über die EU-Politik.

Größter Deal der Firmengeschichte…

Einen Kaufpreis nannte der Berliner Springer-Verlag nicht. Laut Insider-Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll alleine das US-Politikportal Politico rund 1 Mrd. US-Dollar (USD – etwa 850 Mio. Euro) wert sein. Damit dürfte die jetzt bekannt gegebene Akquisition die wohl größte Übernahme in der Geschichte des Springer-Verlags sein.

…mit dem Ziel, den US-Marktanteil auszubauen

Durch die Politico-Übernahme baut der Berliner Springer-Verlag seine Reichweite auf dem wichtigen US-Nachrichtenmarkt deutlich aus. Bisher war Axel Springer nur mit seinen Nachrichtenmarken INSIDER und Morning Brew in den USA vertreten. Die aktuelle Transaktion unterstützt Axel Springers Wachstumsstrategie, die vornehmlich auf eine Expansion im US-amerikanischen Medienmarkt ausgerichtet ist.

Das News-Portal Politico wurde 2007 durch den Herausgeber Robert Allbritton in Arlington bei Washington D.C. gegründet und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte davon sind im redaktionellen Bereich tätig.

Das ebenfalls im Rahmen der Transaktion erworbene Internetmagazin Protocol ist ein digitales Medienunternehmen, das sich inhaltlich auf die Technologiebranche konzentriert.

Protocol wurde 2020 gegründete und berichtet sowohl über große technologische Neuerungen als auch über Themen wie Enterprise Technology, Fintechs und den Tech-Arbeitsplatz von morgen. Protocol hat Reporter in San Francisco, New York, Washington D.C. und London.

Springer will Weltmarktführer im Digitalbereich werden

Laut eigenen Angaben hat der 16.000 Mitarbeiter zählende Axel Springer Verlag den Wandel vom traditionellen Printmedienhaus zu Europas führendem Digitalverlag bereits erfolgreich abgeschlossen. Durch seine aktuelle Wachstumsstrategie will Axel Springer jetzt auch zum Weltmarktführer im digitalen Journalismus und bei den digitalen Rubriken-Angeboten aufsteigen.

Um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, ist die jetzt bekannt gegebene Übernahme von Politico ein wichtiger Schritt, wie auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, betont:

„Objektiver Qualitätsjournalimus ist heute wichtiger denn je. Politico und uns verbindet der Einsatz für journalistische Unabhängigkeit sowie eine unvoreingenommene, nicht-aktivistische Berichterstattung. Genau das wird Grundlage sein für beschleunigtes Wachstum und unseren künftigen gemeinsamen Erfolg.“

Eine Reaktion der Börsen auf die Übernahme von Politico, Protocol und Politico Europe durch die Axel Springer SE war nicht zu erkennen, denn die Papiere des Berliner Verlags werden seit April 2020 nicht mehr an deutschen Börsen gehandelt.

Grund hierfür war die 2019 erfolgte Übernahme der Mehrheit des Springer-Verlags durch den US-Investor KKR und das in 2020 erfolgte Delisting. Neben KKR besitzen noch die Gründerwitwe Friede Springer und der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner große Anteile am Springer-Verlag.

Die US-amerikanischen Newsmagazine Politico und Protocol befinden sich in Privatbesitz und werden somit nicht an Börsen gehandelt.

Wie es weitergeht

Laut Angaben des Springer Verlags werden die verlegerischen und redaktionellen Führungsteams von Politico, Politico Europe und Protocol ihre Arbeit wie gewohnt fortsetzen. Dabei sollen die jeweiligen Publikationen auch in Zukunft getrennt von den anderen Axel-Springer-Marken mit Hauptsitz in den USA geleitet werden.

Robert Allbritton bleibt auch weiterhin Verleger von Politico und Protocol. Der Abschluss der Transaktion soll im vierten Quartal 2021 erfolgen. Die Übernahme bedarf noch den üblichen regulatorischen Genehmigungen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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