SPAC-Boom jetzt auch in Frankfurt?

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Nach 10 Jahren startet erstmals wieder ein SPAC in Frankfurt: Welche Chancen und Risiken birgt der neu aufflammende Trend? (Foto: spatulatail / shutterstock.com)

Ein alter Bekannter ist zurück: Über lange Jahre in der Versenkung verschwunden, boomt das Investmentprodukt SPAC seit einigen Monaten wieder, zunächst vor allem in den USA. Zum Wochenauftakt ging nun auch in Frankfurt das erste SPAC in den Handel – und Investoren stürzten sich umgehend auf das Papier.

Doch was genau verbirgt sich dahinter? Welche Chancen, welche Risiken bieten SPACs? Sind sie für Privatanleger geeignet oder sollte das Feld besser professionellen Investoren überlassen werden? Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist ein SPAC?

Die Abkürzung SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company. Gemeint ist damit nichts weiter als eine zunächst leere Hülle, die an die Börse gebracht wird, in der Regel von professionellen Investmentanbietern. Ziel dabei ist es, Kapital einzusammeln und dieses zukünftig in vielversprechende, aber oft wenig bekannte Start-ups einer bestimmten Branche zu investieren.

Anleger kennen also zum Zeitpunkt ihres Einstiegs in SPACs zwar die Branche, in die sie investieren, etwa Textil, Pharma, Biotechnologie oder Konsumgüter, aber sie wissen weder, welches Unternehmen damit letztlich genau finanziert wird, noch können sie abschätzen, ob dieses Unternehmen dann auch Gewinne abwirft oder sich als Flop erweist.

Anleger vertrauen dabei auf die Expertise des SPAC-Anbieters, der sich innerhalb der Zielbranche auskennt und Ausschau hält nach geeigneten Übernahmekandidaten.

Welche Chancen bieten SPACs?

Die Chancen liegen auf der Hand: Erweist sich die Auswahl des Übernahmekandidaten als goldrichtig und geht das Start-up nach diesem Schritt so richtig durch die Decke, können Anleger im besten Fall ihr eingesetztes Kapital vervielfachen, ähnlich wie bei normalen Investments in kleinere oder unbekanntere Start-up-Unternehmen.

Welche Risiken lauern bei SPACs?

Die Risiken sind dieselben, wie bei jeder Aktie und insbesondere jedem Start-up, das noch ganz am Anfang steht: Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust, eine Absicherung gibt es praktisch nicht. Wohl und Wehe der Investition liegen ganz im Geschick des SPAC-Herausgebers hinsichtlich der Auswahl der zu übernehmenden Firma.

Wer profitiert von SPACs?

In erster Linie der Anbieter, denn er lässt sich seine Mühen vergüten – unabhängig davon, ob die Akquise sich schlussendlich als erfolgreich oder als Flop für die Anleger erweist. Auch die Start-ups können profitieren, denn anstatt sich selbst mühsam Investoren zu suchen und die bürokratischen Hürden für einen eigenen Börsengang auf sich zu nehmen, können sie sich nun einfach „finden lassen“, der Börsengang erfolgt dann quasi automatisch, wenn sie durch die zuvor leere Mantelfirma, die bereits börsennotiert ist, übernommen werden.

Welcher Zweck verbirgt sich dahinter?

Für einige wenige Start-ups bieten SPACs, wie bereits beschrieben, einen leichteren Einstieg ans Parkett. Die Zielsetzung der Investoren geht auseinander: Während viele US-Anbieter vor allem auf schnelle Gewinne aus sind, hat sich der nun in Deutschland gestartete Anbieter auf die Fahnen geschrieben, hiesige Aufsteigerfirmen vor ausländischer Übernahme zu schützen, um das Know-how am Standort Deutschland zu halten und diesen nachhaltig zu stärken. Doch nicht hinter allen SPACs sollten Anleger derart hehre Ziele vermuten.

Für wen sind SPACs geeignet?

Aktuell interessieren sich insbesondere institutionelle und professionelle Investoren für SPACs, denn sie bieten angesichts eines insgesamt überhitzten Aktienmarkts, anhaltenden Niedrigzinsen und gleichzeitig massenhaft vorhandenem Geld eine interessante Investitionsmöglichkeit jenseits der klassischen Aktien.

Privatanleger sollten hier nur einsteigen, wenn sie über Kapital verfügen, auf das sie nicht angewiesen sind und bei dem im schlimmsten Fall ein Totalverlust nicht zu sehr schmerzt. Auf keinen Fall sollte etwa die komplette Altersvorsorge in SPACs gesteckt werden, dafür sind die Ausfallrisiken schlichtweg zu hoch.

Welche SPACs sind am Markt zu haben?

In Frankfurt ist seit Montag das SPAC „Lakestar SPAC I“ zu haben, initiiert von Klaus Hommels, der sich als Wagnisinvestor einen Namen gemacht hat. Das SPAC fokussiert sich auf Technologiefirmen in Europa und sucht nun nach einem geeigneten Übernahmekandidaten aus den Bereichen Technologie, Fin-Tech, Health-Tech oder Consumer-Tech.

275 Millionen Euro konnte Hommels bereits im Vorfeld einsammeln, insbesondere Hedgefonds und andere Vermögensverwalter griffen zu. Die Zuteilungen entfielen zu rund 28 Prozent an britische und 23 Prozent an US-Investoren, lediglich rund 19 Prozent an deutsche. Nach einem Angebotspreis von 10 Euro startete das Lakestar-Papier am Montag bereits mit mehr als 11 Euro und konnte zwischenzeitlich noch kräftig zulegen.

In den USA boomt das Segment bereits seit dem vergangenen Jahr. Mehr als 220 SPACs wurden dort allein 2020 platziert, Tendenz steigend. Der Trend dürfte auch in Europa immer stärker um sich greifen. Neben der Frankfurter Börse hat es auch in Amsterdam oder Paris zuletzt entsprechende Börsengänge gegeben. Nach dem Brexit wittert hier auch die London Stock Exchange (LSE) ein mögliches Zukunftsfeld und hat erste SPACs freigegeben.

In Deutschland war der heutige Börsengang der erste eines SPACs seit 10 Jahren. Einen Boom erlebten die Mantelpapiere zuletzt Ende der 1990er Jahre – kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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