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Definition: Merkantilismus in Europa

Die Definition des Ausdrucks Merkantilismus ist nicht immer ganz einfach. Der Merkantilismus ist ein Begriff, der nachträglich für ein Spektrum verschiedener wirtschaftspolitischer Konzepte geschaffen wurde.

Diese Konzepte kommen sowohl aus geldpolitischen, handels- und zahlungsbilanztheoretischen als auch aus finanzwirtschaftlichen Ansätzen.

In der Frühmoderne, also vom 16. bis zum 18. Jahrhundert,  war der Merkantilismus in Europa die vorherrschende wirtschaftliche Lehrmeinung.

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Beinahe alle zwischen 1500 und 1750 publizierenden europäischen Ökonomen werden heute als Merkantilisten betrachtet. Und das, obwohl sie sich selbst nicht als Anhänger einer gemeinsamen Ideologie gesehen haben.

Der Ausdruck merkantiles System wurde 1763 von Marquis de Mirabeau geprägt und 1776 von Adam Smith allgemein verbreitet.

Definition des Merkantilismus: Ziele und Mittel

Die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus sowie deren Mittel und Ziele unterscheiden sich in den verschiedenen Ländern.

Deutscher Merkantilismus

Das Ziel des deutschen Merkantilismus  war das Wiederanwachsen der Bevölkerung nach dem 30-jährigen Krieg sowie die Mehrung des fürstlichen Schatzes.

Mehr dazu: Die Merkantilistische Wirtschaft: Von Land zu Land verschieden

Es wurde angenommen, dass der Reichtum eines Landes von der Bevölkerungsanzahl und der Größe des Staatsschatzes abhängt.

Die praktische Wirtschaftspolitik ähnelt dem französischen Merkantilismus. Daneben wurden noch verwaltungstechnische Verfahrensgrundsätze aufgestellt und systematisiert.

Diese haben einen bleibenden Einfluss auf die heutige deutsche Finanzwirtschaft ausgeübt.

Französischer Merkantilismus

Der französische Merkantilismus zeichnete sich durch die intensive Förderung der gewerblichen Wirtschaft unter Vernachlässigung der Landwirtschaft aus.

Erreicht wurde das vor allem durch die straffe Zentralisierung der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungskompetenzen, die Schaffung eines einheitlichen Markt- und Zollgebiets sowie einer gewerbefördernden Infrastruktur und staatlicher Manufakturen, einer Steuerreform zur Sanierung der Staatsfinanzen unter Ludwig XIV und schließlich durch die Anwendung von Produktionsvorschriften, Preistaxen und Ausfuhrverbote für Nahrungsgüter.

Letzteres sollte das inländische Angebot steigern und fallende Preise mit sich bringen. Dadurch sollten wiederum sinkende Löhne erzielt werden, um die Lohnkosten der Güterproduktion zu verringern.

Englischer Merkantilismus

Beim englischen Merkantilismus lag der Schwerpunkt auf der Förderung des Außenhandels mit dem Ziel, eine ständig aktive Handelsbilanz zu schaffen.

Es wurde angenommen, Edelmetalle bedeuten, dass auch nationaler Wohlstand herrscht und die Edelmetalle wuchsen durch die Außenhandelsüberschüsse an.

Die Förderung des Außenhandels wurde unter anderem durch die Devisenbewirtschaftung und Importzölle, die Förderung des Exports von Fertigwaren, die Reduzierung des Imports auf Rohprodukte sowie durch Exportverbote für Edelmetalle geschaffen.

Aus Kontrollzwecken und um eine aktive Dienstleistungsbilanz zu verwirklichen, musste der Transport aller importierten und exportierten Waren durch englische Schiffe stattfinden.

Insgesamt ist der Merkantilismus ein sehr umstrittenes Thema. Schon die Definition des Merkantilismus ist schwierig. Ein Themengebiet davon ist Wirtschaft, und darüber schreiben und reden schließlich alle.

Wichtig ist jedoch in jedem Fall, das Grundprinzip des Merkantilismus zu verstehen, da diese Denkweise das heutige deutsche Wirtschaftssystem mit geformt hat.

13. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.