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Schenkung, Erbe oder beides: Wann die Erbschaftssteuer greift

Die Erbschaftssteuer gilt auch für eine Schenkung. Die aber bringt oft Vorteile gegenüber einer reinen Erbschaft.

Wann und in welcher Konstellation eine Schenkung sinnvoll ist, hängt von den einzelnen Umständen ab. In bestimmten Fällen aber ist die Entscheidung eindeutig.

Erbschaftssteuer – Ein Gesetz für Schenkung und Erbschaft

Rein vom Begriff her könnte man meinen, dass die Erbschaftssteuer nur für Erbschaften gilt, also für Vermögensübertragungen von Todes wegen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Für diese Annahme scheint auch das offizielle Gesetzes-Kürzel ErbStG zu sprechen.

Doch dahinter steht der volle Wortlaut: Erbschaftssteuer- und Schenkungssteuergesetz. Dieses regelt alle Vermögensübertragungen, die Schenkung zu Lebzeiten genauso wie die Erbschaft. In Bezug auf Steuerklassen, Steuersätze und Freibeträge ist alles absolut deckungsgleich.

Die Unterschiede beschränken sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte: Erstens muss bei der Schenkung nicht automatisch der Beschenkte die Steuer zahlen, das kann auch der Schenker übernehmen. Zweitens gelten bei der Schenkung zusätzliche Regelungen für die Freibeträge. Und das ist meist der entscheidende Punkt, wenn es um die Frage Schenkung oder Erbschaft geht.

Erbschaftssteuer – Schenkung mit mehrfachen Freibeträgen

Die Freibeträge richten sich nach dem Verwandtschaftsgrad und sind in den jeweiligen Steuerklassen geregelt. Direkte Verwandte wie Großeltern, Enkel, Kinder oder Ehegatten haben höhere Freibeträge als indirekte Verwandte wie Schwiegereltern, Geschwister oder Nichten und Neffen. Bei einer Erbschaft kann der jeweilige Freibetrag einmal in Anspruch genommen werden.

Kinder und Ehepartner profitieren zusätzlich von einem Versorgungsfreibetrag. Liegt der Wert des Erbes innerhalb der Freigrenze, so ist die Erbschaft steuerfrei. Alles darüber kostet Erbschaftssteuer.

Bei der Schenkung hingegen gibt es zwar keinen Versorgungsfreibetrag. Dafür aber gilt ein Freibetrag nicht nur einmal. Er kann alle 10 Jahre in Anspruch genommen werden. Wird er in dieser Zeit aufgebraucht, dann erneuert er sich anschließend für weitere 10 Jahre.

Wie Schenkung Erbschaftssteuer vermeidet

Dies lässt sich z.B. in folgenden Fällen nutzen. Angenommen, eine alleinstehende Mutter hat einen Sohn und 2 Eigentumswohnungen, die beide 300.000 € wert sind. Dann kann sie entweder nichts tun und warten, bis der Sohn das Vermögen erbt. Doch dann riskiert sie, dass er nach Abzug seines Freibetrags von 400.000 € noch 200.000 € versteuern muss.

Das kann sie vermeiden, indem sie ihrem Sohn in nicht allzu fortgeschrittenem Alter zunächst die eine Wohnung schenkt und nach Ablauf von 10 Jahren die andere. In diesem Fall liegen die zwei Freibeträge über dem Wert der Immobilie. Es fällt keine Erbschaftssteuer an.

Vermögenswerte lassen sich also in mehrere Schenkungen aufteilen und über einige Dekaden hinweg übertragen. Das empfiehlt sich vor allem dann, wenn dem Beschenkten nur der niedrige Freibetrag der Steuerklasse II (20.000 €) zusteht.

Die Kombination von Schenkung und Erbschaft geht natürlich auch. So könnte die oben genannte alleinstehende Mutter ihrem Sohn vorsichtshalber nur eine Wohnung zu Lebzeiten schenken, steuerfrei. Verstirbt sie nach 10 Jahren, so erbt er auch die zweite Wohnung steuerfrei.

Nummer Sicher: Schenkung mit Auflagen

Hätte sie etwa ein Haus zu vererben, dann könnte sie es dem Sohn auch verschenken, ohne auf ihre bisherigen Rechte zu verzichten. Auflagen sind bei Schenkungen nichts Außergewöhnliches.

Der Vorbehalt kann sowohl ein Nießbrauchsrecht als auch ein Wohnrecht sein. Beim Nießbrauch stehen ihr nach wie vor beispielsweise Mieteinnahmen zu. Beim Wohnrecht kann sie im Haus bis zum Lebensende wohnen bleiben.

Gleichzeitig jedoch kann der Sohn bereits in sein geschenktes Haus investieren. Schenkungen vermeiden zwar Erbschaftssteuer, doch die potenziellen Nachteile sollten nicht übersehen werden.

Wer unvorhergesehen zum Pflegefall wird, kann seine Immobilie dann nicht mehr verkaufen und das Geld zur Finanzierung der Pflege verwenden. Und wer Vermögen geschenkt bekommt, muss damit rechnen, dass der Schenkende dieses innerhalb von 10 Jahren zurückfordern kann, wenn er selbst mittlerweile verarmt.

1. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.