MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Konjunkturzyklus nach Keynes – so funktioniert die Defizitfinanzierung

Der britische Ökonom John Maynard Keynes (1883-1946) hat eine Konjunkturtheorie entwickelt, die sich mit der wichtigen Frage beschäftigt, wie man eine Deflation beenden oder abschwächen kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Defizitfinanzierung, denn auf dieser Idee beruht Keynes‘ Ansatz hauptsächlich.

Konjunkturzyklus nach Keynes

Nehmen Investitionen ab und werden weniger neue Kredite aufgenommen, kommt es zu einem schweren Einbruch der Güternachfrage. Ein Grund für die Sparsamkeit sind oft zu hohe Realzinsen. Wer sein Geld in solchen Zeiten ausgibt, verliert. Wer es behält, gewinnt an Kaufkraft.

Wenn dann die Bevölkerung und die Unternehmen auf ihrem Geld sitzen bleiben, anstatt es auszugeben, wird logischerweise weniger gekauft. Dieser Umstand sorgt für volle Lager – was wiederum zu sinkender Produktion führt.

Die Folge sind Entlassungen und viele neue Arbeitslose. Damit sind die Grundvoraussetzungen für eine Deflation gegeben, und eine Rezession ist dabei auch noch möglich als Konsequenz. Keynes‘ Ausweg aus diesem Teufelskreis ist die Defizitfinanzierung.

Defizitfinanzierung

Im Englischen „deficit spending“ genannt, soll dieses Konzept betroffene Staaten von der Deflation befreien. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Regierung. Im Gegensatz zur Angebotspolitik, bei der die Unternehmen die Entscheidungsmehrheit haben, soll hier die Politik die Zügel in die Hand nehmen.

Ziel ist nämlich, Geld zu schaffen, das der Staat ausgibt. In der Regel nimmt ein Land dann neue Schulden auf und vergibt Aufträge an Unternehmen. Dadurch wird eine künstliche Nachfrage geschaffen, die theoretisch zwar nicht existiert, aber durch die Regierung realisiert wird.

Neue Aufträge bedeuten eine steigende Produktion und neue Arbeitsplätze. Damit ist der erste Dominostein umgestoßen worden. Der Folgeeffekt soll die Wirtschaft ankurbeln. Diese Ansätze können der Rezession entgegenwirken

Haben wieder mehr Menschen eine Arbeit, steigt das Durchschnittseinkommen. Wird mehr verdient, kann auch mehr ausgegeben werden. Das wiederum führt zu einer steigenden Produktion und zu mehr Arbeitsplätzen. Wenn dieses Muster wie geplant funktioniert, kann damit ein Land vor der Deflation bewahrt und ein steigendes Wirtschaftswachstum erzeugt werden.

Schöne Theorie – es gibt aber einen Haken

Der Haken an der ganzen Sache: Der Staat wird nur bestimmte Branchen unterstützen. Grundsätzlich profitieren besonders die Baubranche und die Rüstungsindustrie von der staatlichen Förderung. Derzeit wird z.B. in den USA besonders der Immobilienmarkt gefördert, weil er eine wichtige Säule der amerikanischen Marktwirtschaft darstellt. Andere Branchen gehen dagegen leer aus.

Dazu kommt noch, dass die hohen Staatsausgaben zu einer Überschuldung und zur Inflation führen können. Deshalb gibt es viele Kritiker, die der Meinung sind, Keynes‘ Konzept kann eine Wirtschaftskrise nicht fundamental verhindern. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Staat bei gut laufender Konjunktur selten Schulden abbaut. Im Gegenteil: Selbst dann werden neue Schulden gemacht, nur etwas weniger.

Mit der Schuldenkrise der EU und in den USA könnte das Thema derzeit nicht aktueller sein. Die Entscheider im Hintergrund befürworten in der Regel den Keynesianismus. Doch der Widerstand mehrt sich und zahlreiche Professoren haben bereits öffentlich dagegen Stellung bezogen.

Zur selben Zeit gibt es allerdings auch prominente Gegenwehr: beispielsweise von Paul Krugman, Professor an der Princeton University und möglicher Nachfolger von Ben Bernanke als FED-Vorsitzender. Krugman ist einer der bekanntesten Befürworter des keynesianischen Modells und lehrt das auch in seinen Kursen.

28. Dezember 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.