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Neoklassik: keine Wirtschaftstheorie für Krisenzeiten

Staatliche Wirtschaftspolitik und wirtschaftliche Einwirkungen beeinflussen auf direktem Wege das Leben jeden Bürgers. So werden insbesondere die liberalen Forderungen nach einer Wirtschaftsform ohne staatliche Einflussnahme seit der Weltwirtschaftskrise 2007 scharf kritisiert.

Auch die Neoklassik des 19./20. Jahrhunderts muss sich diese Kritik gefallen lassen. Auf ihren wirtschaftspolitischen Denkmustern basieren schließlich diese modernen liberalen Denkmuster.

Krisen in der Neoklassik ausgeschlossen

Im neoklassischen Modell wird grundsätzlich von einem stabilen, effizient agierenden Markt ausgegangen. Finanzkrisen und Spekulationsblasen haben in dieser Theorie keinen Platz, unfreiwillige Arbeitslosigkeit oder Überproduktion werden ausgeschlossen.

Doch insbesondere Finanzkrisen wie die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wie auch die seit 2007 weltweite Finanz- und Bankenkrise führen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der liberal ausgelegten Neoklassik.

Somit erscheinen vielen Ökonomen und Politikern staatliche Interventionen und Regulierungen der Märkte, besonders der Finanzmärkte, mittlerweile wieder als eher geeignetes Mittel für anhaltende Stabilität und Marktgleichgewicht. Dies ist insbesondere am Beispiel der USA zu sehen. Immer weitere Konjunkturprogramme sollen mehr Investitionen nach sich ziehen und die Beschäftigungsquote erhöhen.

Vertreter der Neoklassik

Die neoklassische Wirtschaftstheorie basiert auf dem Glauben an die Selbstheilungskräfte des Marktes. Hermann Heinrich Gossen (*1810, †1858),  Léon Walras (*1834, †1910) und William Stanley Jevons (*1835, †1882) können als bedeutendste Vertreter der Neoklassik aufgeführt werden.

Weiterführung zur neoklassischen Theorie

Die Wirtschaft wird schon in den Lehren der klassischen Nationalökonomie als selbstregulierender Mechanismus wahrgenommen. Léon Walras entwickelte diese Vorstellungen zur Theorie des allgemeinen Gleichgewichts weiter: Angebot und Nachfrage sind auf allen Märkten gleich.

Herrscht z.B. auf dem Kapitalmarkt ein Nachfrageüberschuss, wird dieser durch ein Angebotsüberschuss auf dem Warenmarkt ausgeglichen, so dass Angebot und Nachfrage in der Summe gleich sind.

Funktion des Staates

Der Staat spielt in der neoklassischen Theorie eine eher untergeordnete Rolle. Seine Aufgaben beschränken sich auf die Gewährleistung der Stabilität des Ordnungssystems. Eingriffe in die marktwirtschaftlichen Verhältnisse sind lediglich in Ausnahmefällen gestattet. Staatliche Interventionen führen laut neoklassischer Theorie zu Marktungleichgewichten.

Ein wirtschaftspolitisch schwacher Staat stört hingegen nicht den sich selbst regulierenden Wirtschaftsablauf des Marktes. Diese Ansicht wird insbesondere in den letzten Jahren wieder stark angezweifelt. Die Selbstregulation des Marktes hat erwiesenermaßen nicht gegriffen, die Finanzmärkte brachen zusammen, große Banken und Unternehmen mussten Insolvenz anmelden und Staaten gerettet werden.

Auch das Vertrauen der Privatanleger in die Finanzmärkte ist teilweise stark erschüttert. Die Forderung nach einer stärkeren Regulation der Finanzmärkte wird demnach immer lauter – die Neoklassik hat derzeit ausgedient.

8. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.