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Notengeber mit Hang zum Fehler: Das sind Ratingagenturen

Ratingagenturen stehen nicht erst seit der Schuldenkrise in Europa in der Kritik. So schrieb ein Kolumnist der New York einmal:

„Es gibt zwei Supermächte. USA und Moodys. Die USA können dich mit Bomben zerstören, Moodys, indem es Deine Anleihen herunter stuft. Und glauben Sie mir, es ist manchmal nicht klar, wer mächtiger ist.“

Der Einfluss der Ratingagenturen…

Die faktische Macht oder besser gesagt den großen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen, den Ratingagenturen haben, kann man an vielen Beispielen zeigen. Etwa als die Ratingagentur Standard &Poor‘s im Jahr 2010 Griechenland den Ramsch-Status bescheinigte.

Aktienkurse schmierten ab, der Euro sackte auf einen Tiefpunkt, Zeitungen schrieben am nächsten Morgen von einem „schwarzen Mittwoch“ an den Börsen.

…und deren Macht

Ratingagenturen bewerten also die Kreditwürdigkeit von Staaten oder Unternehmen. Sie bewerten aber auch, wie ausfallsicher bestimmte Finanzprodukte sind.

Die Macht der Agenturen basiert indes auf einer anderen Tatsache. Viele Aufsichtsbehörden schreiben bestimmten Großinvestoren vor, dass sie nur Staatsanleihen in ihren Bilanzen halten dürfen, die von zwei der drei großen Agenturen Bestnoten erhalten haben.

Ändern die Agenturen ihre Bewertung, werten sie wie in diesem Beispiel einen Staat also ab, kann das daher automatisch zu Verwerfungen und Turbulenzen an den Märkten führen. Denn Großinvestoren sind dann gezwungen, ihre Bestände an diesen Staatsanleihen zu verkaufen.

Drei große Ratingagenturen dominieren

Es sind die drei US-Amerikanische Ratingagenturen, die den Markt dieser Bewertungen dominieren: Standard and Poors, Moodys und Fitch – alle mit Hauptsitz in den USA.

Das hat den einfachen Grund, dass Ratingagenturen sozusagen eine amerikanische Erfindung sind. Denn in den USA entstanden die ersten Bewertungsagenturen im 19. Jahrhundert – entlang der entstehenden Eisenbahnstrecken.

Investoren wollten wissen, welchen Eisenbahnbauern sie ihr Geld problemlos anvertrauen konnten. Aus diesen ersten Bewertungshäusern folgten dann im vergangenen Jahrhundert die drei großen Ratingagenturen, Standard & Poor‘s, Moodys und Fitch, die bis heute den Markt beherrschen.

Kritik an den Ratingagenturen

Umstritten sind die Bonitätswächter nicht zuletzt durch ihre Rolle in der Finanzkrise. Denn sie hatten über Jahre hinweg US-Ramsch-Hypothekenpapiere mit der Bestnote ausgezeichnet. So entstand die Blase am US-Immobilienmarkt, die dann platzte und die über Jahre andauernde Wirtschaftskrise ausgelöst hat.

Zudem hegen viele Menschen vor allem in Europa den Verdacht, dass die Ratingagenturen mit Hauptsitz in den USA für Europa andere Bewertungsmaßstäbe anlegten als etwa die USA.

Im Verlauf der Euro-Staatsschuldenkrise ist es regelmäßig geschehen, dass die Agenturen unmittelbar vor wichtigen Treffen der EU-Regierungen Länder im Euroraum abwerteten und so die Lösung der Probleme nicht eben erleichterten. Die EU hat deswegen schärfere Regeln erlassen, denen die Ratingagenturen ab 2013 unterliegen.

Schließlich ist das Bezahlmodell der Agenturen umstritten. Denn ihre Bewertungen lassen sie von den Bewerteten bezahlen. Der Schüler sozusagen zahlt also den Lehrer für seine Noten.

Das birgt die Gefahr von Gefälligkeitsgutachten und ist eine Erklärung für die Top-Bewertung von Hypotheken-Ramschpapieren am US-Immobilienmarkt bis 2007. Wegen der Macht der drei US-Rating-Riesen versucht man in Europa seit langem, eine alternative Ratingagentur zu gründen.

12. November 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.