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Übernahme-Wissen: Mit der Pac-Man-Strategie feindliche Übernahmen abwehren

Mit Hilfe der sogenannten Giftpille ist es dem irischen Biotech-Unternehmen Elan gelungen, den amerikanischen Pharma-Investor Royalty zu verscheuchen. Danach kam es zu einer freundlichen Übernahme durch einen anderen Bieter, der bereit war mehr Geld zu bieten.

Neben der Giftpille gibt es eine Reihe von anderen Maßnahmen, die dazu führen können, dass eine ungewollte Übernahme verhindert wird, wie zum Beispiel die Pac-Man-Strategie. Bei dieser Strategie – die vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist – wird der Jäger zum Gejagten.

Denn verwendet ein Übernahme-Kandidat diese Strategie, erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Unternehmens, das zuerst ein Angebot vorgelegt hat (Bieter).

Geld entscheidet, wer wen übernimmt

Die Pac-Man-Strategie setzt voraus, dass der Übernahme-Kandidat eine Reihe von Geldgebern besitzt, die das Gegenangebot auch finanzieren würden. Im Normalfall ist nämlich der erste Bieter das größere Unternehmen und dadurch finanzstärker.

In Bezug auf die aktuelle Übernahme von Elan durch Royalty Pharma war es beispielsweise undenkbar, dass Elan die Pac-Man-Strateige wählt, um den Bieter zu übernehmen. Der Übernahme-Kandidat hätte niemals das Geld zusammen bekommen, um das wesentlich größere Unternehmen zu schlucken.

Bei etwa gleich großen Unternehmen ist diese Abwehr aber durchaus denkbar. Die Methode kam zwar bisher nur selten zum Einsatz, dennoch haben sich schon einige Unternehmen erfolgreich mit Hilfe der Pac-Man-Strategie gewehrt. Manchmal reicht sogar die bloße Androhung der Pac-Man-Strategie, um eine Übernahme zu verhindern.

Pac-Man-Strategie im Einsatz: Rio Tinto verscheucht BHP Billiton

Das bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Abwehr mit Hilfe der Pac-Man-Strategie ist das US-Unternehmen Martin Marietta. 1982 erfolgte ein feindliches Übernahme-Angebot vom Konkurrenten Bendix.

Daraufhin verkaufte Marietta alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kern des Unternehmens gehörten, nahm sich die Unterstützung von Banken und machte seinerseits ein Übernahme-Angebot. Martin Marietta überstand diese Übernahmeschlacht und blieb ein eigenständiges Unternehmen. Bendix dagegen wurde später selbst Opfer einer Übernahme.

Auch in der jüngeren Vergangenheit drohten Unternehmen, die mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert wurden, mit der Pac-Man-Strategie. 2007 versuchte zum Beispiel der australische Rohstoff-Gigant BHP Billliton, den Konkurrenten Rio Tinto feindlich zu übernehmen.

Als das Angebot auf wenig Gegenliebe stieß und Rio Tinto drohte, ein Gegenangebot erstellen zu wollen, zog sich BHP schnell wieder zurück.

Erst Feind dann Freund: Viele Übernahmen enden mit Einigung

Wenn Unternehmen nicht aufgekauft werden möchten, bieten sich gerade im anglo-amerikanischen Raum eine Reihe von Abwehrmaßnahmen an, die einen Bieter „verjagen“ können.

In Deutschland dagegen ist die Gesetzlage anders. Viele Strategien, die in Amerika angewendet werden dürfen, sind hier verboten. Als Hochtief vor 3 Jahren plötzlich der feindlichen Übernahme-Offerte von ACS gegenüberstand, waren kaum Abwehrmaßnahmen möglich. So fiel auch die kaum effiziente Stacheldraht-Abwehr von Hochtief in Wasser.

Glücklicherweise ist häufig der Einsatz von Abwehrmaßnahmen ohnehin nicht notwendig. In den meisten Fällen mündet eine zunächst feindliche Übernahme nach Verhandlungen in eine freundliche Übernahme. Voraussetzung dafür ist lediglich ein angemessener Preis.

1. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.