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Unvollkommener Kapitalmarkt – zwischen Theorie und Realität

Der sogenannte unvollkommene Kapitalmarkt hat seine Wurzeln in der Finanzierungstheorie des vollkommenen Kapitalmarktes.

Von einem unvollkommenen Kapitalmarkt wird gesprochen, sobald eines der Merkmale des vollkommenen Kapitalmarktes nicht vorhanden ist.

Der vollkommene Kapitalmarkt ist ein theoretisches Konstrukt ist und in der Realität sind ohnehin nie alle Merkmale gegeben, so dass der unvollkommene Kapitalmarkt einen wesentlich größeren Realitätsbezug hat.

Der vollkommene Kapitalmarkt

Der vollkommene Kapitalmarkt ist ein Modell der Kapitalmärkte, welches von stark vereinfachten Bedingungen ausgeht. Dieses Modell wird als Grundlage für verschiedene Finanztheorien verwendet.

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Im Kern geht dieses Modell in vielerlei Hinsicht von einer umfassenden Gleichheit aus. Dies betrifft beispielsweise den Zugang zum Kapitalmarkt: jeder Teilnehmer kann unbeschränkt Kapital anbieten und nachfragen.

Darüber hinaus wird von einer totalen Transparenz der Märkte ausgegangen. Dies hat zur Folge, dass es nur einen einheitlichen Zinssatz gibt – somit sind Soll- und Habenzins identisch.

Durch die uneingeschränkte Verfügbarkeit von Kapital gibt es keine Liquiditätsprobleme. Auch fallen für Transaktionen keinerlei Kosten an.

Diese Voraussetzungen führen in ihrer Summe dazu, dass der vollkommene Markt völlig arbitragefrei ist. Ein Marktteilnehmer kann also nicht von Preisunterschieden an verschiedenen Handelsplätzen profitieren.

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In der Realität sind diese Merkmale jedoch so nicht anzutreffen. Man spricht somit von einem unvollkommenen Kapitalmarkt, sobald auch nur eine Bedingung nicht erfüllt ist.

Der unvollkommene Kapitalmarkt in der Finanztheorie

In den Wirtschaftswissenschaften wird bei der Erstellung von Modellen und Theorien vielfach zunächst von einem vollkommenen Markt ausgegangen.

Einen größeren Realitätsbezug erfahren diese Modelle dann, wenn einzelne Voraussetzungen den wahren Begebenheiten angepasst werden.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist die tatsächliche Differenz zwischen Soll- und Habenzins. Investitionen sind somit in der Realität mit Finanzierungskosten verbunden.

Auch die Finanzierungskosten sind unterschiedlich, was ebenfalls nicht dem Modell des vollkommenen Kapitalmarktes entspricht.

Als Beispiel lassen sich hier Staatsanleihen anführen, für die von den Staaten unterschiedliche hohe Zinsen gezahlt werden müssen.

Auch die uneingeschränkte Transparenz ist an den Kapitalmärkten nicht gegeben, da nicht alle Informationen jedem Marktteilnehmer zu jedem Zeitpunkt kostenlos zugänglich sind. Man spricht hier von asymmetrischer Informationsverteilung.

Werden also in der Finanztheorie solche Gegebenheiten berücksichtigt, ist von einem unvollkommenen Kapitalmarkt die Rede.

Der reale Kapitalmarkt – auf dem Weg zur Vollkommenheit

Auch wenn diese Modelle des vollkommenen und unvollkommenen Kapitalmarktes in der Regel in theoretischen Ansätzen angewendet werden, so kann man sie auch auf reale Entwicklungen übertragen.

In den zuvor angeführten Beispielen lässt sich erkennen, dass eine Unvollkommenheit der Kapitalmärkte vorliegt.

Allerdings bewirken vor allem technologische Fortschritte, dass es eine Annäherung an den vollkommenen Kapitalmarkt gibt. Gerade die Verfügbarkeit von Informationen hat sich durch das Internet stark erhöht.

Auch staatliche Maßnahmen führen zu immer höherer Transparenz. Zeitgleich sorgt ein stärker werdender Wettbewerb beispielsweise zu sinkenden Transaktionskosten.

Der Kapitalmarkt bleibt jedoch trotz der aktuellen Entwicklung auf absehbare Zeit weiterhin unvollkommen.

14. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.