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Erbschaftssteuer: Vererben und verschenken ohne Finanzamt

Die Steuer richtet sich allgemein nach dem Leistungsprinzip. Wer wie viel zahlt, hängt also vom Einkommen und der jeweiligen Steuerklasse ab.

Anders ist das bei Freibeträgen. Der Grundfreibetrag gilt einheitlich für jeden. 2016 liegt er bei 8.652 € und berücksichtigt das notwendige Existenzminimum.

Freibetrag bei Erbschaftssteuer greift zusätzlich

Einheitlich ist ebenfalls der Kinderfreibetrag, der jedem Elternpaar in Höhe von insgesamt 7.248 € (4.608 € sachliches Existenzminimum + 2.640 € Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf) zusteht. Je nach Lebenslage können so mehrere Freibeträge zusammenkommen und die Steuerbelastung drücken – auch der Freibetrag bei der Erbschaftssteuer, der übrigens bis auf wenige Ausnahmen bei Schenkungen gleichermaßen greift.

Allerdings ist der Freibetrag bei der Erbschaftssteuer nicht einheitlich. Hier zählt der Verwandtschaftsgrad. Je näher jemand mit dem Erblasser oder dem Schenkenden verwandt ist, desto höher der Freibetrag. Erbschaftssteuer ist dann nur für das zu zahlen, was im Wert über den Freibeträgen liegt, gleich ob es sich um Geld, Wertpapiere oder Immobilien handelt.

Wie hoch ansonsten das Einkommen eines Beschenkten oder Erben ist, tut dabei nichts zur Sache. Die Erbschaftssteuer bezieht sich rein auf das übertragene Vermögen.

Wer in welcher Höhe profitiert

  • Eheleute und eingetragene Lebenspartner zahlen bis zu 500.000 € keine Erbschaftssteuer.
  • Der Freibetrag für eheliche, nichteheliche und adoptierte Kinder sowie Stiefkinder und Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind, beträgt 400.000 €.
  • Alle anderen Enkel haben noch 200.000 € frei.
  • Urenkel profitieren von einem Freibetrag über 100.000 €.
  • Bei den eigenen Eltern und Großeltern gibt es dann doch einen Unterschied zwischen Erbschaft und Schenkung: Im Falle einer Erbschaft gelten für sie 100.000 €, bei einer Schenkung nur 20.000 €.
  • 20.000 € sind dann ebenso frei für Geschwister, deren Kinder, Stiefeltern, Schwiegerkinder und -eltern, geschiedene Ehepartner sowie Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft.
  • Derselbe Freibetrag bis zu 20.000 € gilt für alle anderen wie Nichten, Neffen, Onkel aber auch Nachbarn, Freunde und Bekannte.

Bei all den genannten Personengruppen gilt zur Berechnung der Freibeträge das, was das übertragene Vermögen am Tag des Todes bzw. der Übergabe einer Schenkung wert ist. Bei Aktien ist es der Schlusskurs des jeweiligen Datums.

Zusätzliche Vergünstigungen

Nun kommt aber neben dem allgemeinen Freibetrag bei der Erbschaftssteuer noch der Versorgungsfreibetrag hinzu. Unter Ehegatten und Lebenspartnern beträgt er 256.000 €. Bei Kindern, Stief- und Adoptivkindern wird nach Alter gestaffelt: Die Tabelle beginnt bei Kindern bis zu 5 Jahren mit 52.000 € und endet im Alter von 20 bis 27 Jahren mit 10.300 €.

Ehepartner profitieren zusätzlich vom Freibetrag in Höhe des Anspruchs auf Zugewinnausgleich, allerdings nur wenn der Güterstand des Zugewinns vereinbart war.

Obendrein gibt es bei Erbschaften je nach Fall noch weitere Steuerbefreiungen wie etwa bei Immobilien. Bekommt etwa die Tochter als Alleinerbin eine solche überschrieben, so kann sie diese nach 10 Jahren steuerfrei übernehmen, sofern sie in dieser Zeit selbst darin gewohnt hat und die Wohnfläche nicht über 200 qm beträgt.

Die ehemalige Verschonungsregel bei Betriebsvermögen jedoch wird nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Dezember 2014 derzeit überarbeitet. Der Gesetzgeber hat Zeit bis zum 30. Juni 2016.

Geschicktes Planen mit Bedacht

Insgesamt erlauben die Freibeträge den steuerfreien Erwerb beachtlicher Vermögenswerte. Interessant ist vor allem, dass sie alle 10 Jahre neu aufleben. Bei einer Übertragung bereits zu Lebzeiten können die Freibeträge gut auf das Doppelte angehoben werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, bestimmte Personen, die als Erbe infrage kommen sollen, zu adoptieren.

All das sollte jedoch gut überlegt sein. Viel wichtiger ist zunächst die eigene Absicherung. Unnötige Steuerzahlungen lassen sich außerdem durch eine geschickte Testamentsgestaltung vermeiden.

27. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.